Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 46 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Däelefjrung u Bur nö Unlcröaftung aus jüdischem HeKiete. Herau-gegrbe» vov Rabbiner Vrr Ludwig Philippsou in Magdeburg. lRo. 46. 185«! S»n di,srr 3,il(*rdfi rrtocint wb<t*«iUH<»> «in, Stimm,,. Pr,i« k,« Iatzr- «>mg« 1 kblr. 4$idrt«ljdbrio T/J 9t*T. SD, t'u*bonriung,ti. und H({iuuA*«fr,bitton,n n,bm,n t*rt«Uunnfit a». [3.^flljrfl.4.qnprtel] DaS bunte Haus. Bon Wilhelm Zrei in Wien. (5c>rtf, mng.) „WaS giebst mir." spra Dir noch Holz verschaffe, so h er zu Herschel, viel Du willst?' .wenn ich „Wir brauchen keinemihr," antwortet^ der Knabe, „wenn wir nicht genug hä len. könnten wir eS selbst holen/' „Betteln, willst Du sagen." warf Görg lachend ein. „Ja. darauf versteht kr sch gut." stimmte Mendel boS- Haft bei. „Sein Dater heißt doch ,er Bettel-Jtzig, nicht wahr? Bei de« muß er'ö doch gilernt haben." sprach darauf Görg. „Wie Du bei Deinem ta- Saufen," entgegnet« Herschel gereizt. „Schweigst, Kirb-kopf* j," schrie Görg wildauf. ergriff ein Scheit und wollte nach Herschel dgmit schlagen. „Dawirst Du bleiben lass«." ralh' ich Dir!" ließ sich jetzt eine Stimme auder Reihe der äußersten Zuschauer hören und die Judenknaben schöpften frischen Muth, als sie in dem Sprecher Niema «b Andern, al- |b<n Sohn de- Aounan, den Toni, erblickt«,. Diejenigen, die schon etwazurückgewichen waren, faßten ein Hrrz und traten dem Schauplatz näher. Al- E örg demächtigen Amman- Sohn erblickte, ließ er seinen Arm sinken und begnügte sich damit, einen dumm-bösen ^lick auf Herschel zu werfen. Der Affe» stieß aber seinen Genoffen mit dem Arm und flüsterte ihm zu: ,,Wai geht unS der an, wir fürchten ihn nicht, wir sind unser zwei." Und'dann sagte er laut zu ihm: „Erzähl' doch, wie der Bettel-Jtzig reich geworden ist, willst Du'» hören. FranzoS?" I „Warum nicht?" erwiediwte Herschel spöttisch. Rur zu!" „Der Bettel-Jtzig," begann jetzt Görg. „bat nie waS zum Besten gehabt; arbeiten wollt' er nichf, daS hat mir der Dater oft gesagt, der ^>at ihn von Kind» auf gekannt. Geld hat er aber, doch woTen haben, da hat er sich denn auf- Hausieren gelegt, uot dabei zu betteln, denn aufbloße Fechten hätte ihn!die Polizei int! Loch gesperrt. Da ist denn der Ztzig mir seinem Pinkel in ein Walddorf gekommen und hat bei einer Bäuerin — her Wälder war auf der Alp, denn wir er z' Haugewesen, so hält' er *) Kirbtslopf — eine vizeichuuaz Her Dummheit ft ihn gewiß zur Thür' hinauSgejagt — j die sinfältige Bäuerin hat ihm viel Waa/e »bgekauft. Damit war aber der Jtzig nicht zufrieden, er wäre in der Hütte ^ern über Nacht geblieben. Dab Weib war so ein recht:dummeS Weib, wie sie im Wald sind, und hat!jhm Stroh im Ziegenstall aufgeschüttet. Der Jtzig har sich schsafen gemacht. und wie er gemerkt hat, daß Alleruhig ist. da hat er um die Ziegen rum gelappt und gemerkt" daß ste goldene Ducaten fegen. Jtzigs ist auf und davon! wir den Ziegen unv bat sich seither nie mrbr al- Hausierer in der dortigen Äegen»«-fe^n iaffeU. Der Wälder ist> in derselbigen Nacht von der Alp gefallen und s»ar da^ Genick gebrochen jund ist gestorben, und so ist der Bepel-Jtzig gut davongekommen unv reich geworden." Diese lügenhafte Geschichte war so plump utzd einfäl«" tig von dem väterlichen Lebrer GörgS ausg:dachr,!daß auch daS große Talent drS Erzähler» kein Sät »ein bei seinen Zuhörern erzwingen konnte, ja Mendel be nerkte ^u seinem großen Verdruß, daß Herschel nicht einma dadutch.gereizt worden.! „Jetzt erzählst Du waS vom Sauf-Älrafeä." sprach Toni zu Herschel. „Du kannst'» gut unv hast, inir schon oft schöne Geschichten erzähl»." , Und alS^fich der Aufgefordene sträubt!«, drängte Toni bittend: j! „Geh ," sagte er, „sürchl' Dich nicht,! ich bin'da. der Aman Toni. Sine Ohrfeig' ist bie anbere werth, Er soll'- probieren. Dich nur anzurühren." I l „Er soll nur reden." fiel Görg prahlerisch ein, er soll nur, wenn er wawüßte, hätt' er nicht! so la^ge damit gewartet, er soll nur!" . I I DaS war eine Herausforderung für! unser, Freund, die er nicht zurückweisen konnte, und da er einerseits doch der Beherzteste unter seinen Kameraden war, anM^seit» in Toni eine Hülfe sah, besann er. sich nicht lange und erzählte. zu Görg gewendet: i ..Dein Großvater war sehr reich, dtr reichste Weinbauer im Thal. Zum Winter verkaufte! er die schönsten Au-brüche für ein* lheureS Gelv-und wuj:de immer reicher und reicher. Mir.dem Wohlstände kam aher auch die Lust zum Müffiggange;'mit dem Müffiggange! der Üebermutb. Dein Großvater dachte, eist besser, dest Wein! selber zu trinken, al» ihn zu verkaufen, und gewöhntst sich dära». schon von der allerfruheften Morgenstunde onj alle igangbaren Gefäße zu leeren, vpm Pfiff und Schopp-n bi- ^ur Maa Daging so einige Jahre fort; Dein Gtroßvafer war ' mer berauscht, er schaute sich me um seine Weinberge. t!