Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 44 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
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173 Unur, ti kömmt auch für U n fine 3rit! — — End nur Alle morgen recht früh bei mir. Dicht bei den äußerste» Häusern der Judengaffe Urs ein kleine- Wasser, kurzweg der „Bach" gtnannt. Dieser Bach hatte seinen bestimm en Namen, wir dürfen ihn aber nicht verrathen, sonst mü jten wir auch den Namen de- OrteS H. immer voUstLndi; schreiben, und ^>a-nähme unzu viel Zeit und Raum >tnweg. Der „Pach" war bei den Einwohnern von H..i. sehr beliebt u»d sehr berüchtigt, je nach der JahreSziir und nach den, Launen diese- Waffer-. Zu Zeiten gab <S keinen freundlicheren, besseren Gesellen, aldiesen Bach. Im Frühjahre, wenn der Schnee auf den Bergen »llmLlig zerschmolz, wenn enicht allzuhäufig regnete und da- Wasser ruhig und sittsam in seinem Be»»e dahin rieselte, wenn bann zu beiden Seiten die Büsche, die Alorn- und Akagienbäume sich beblätterten, und zwischen denselben die Erdbeeren schüchtern ihre Blütbcn entfalten n, wenn dann die Finken und Staare ihre ersten Mufikprsben hielten, d^nn lief Älle-, waS laufen konnte, an den „Bach"; die Erwachsenen ergingen sich auf dem breiten Erbwall, der sich zur Linken de- Wasserals schützender! Damm entlang zog; die jüngere Welt aber, die suchte hre Freuden, die forderte den Frühling von den Biülhtn und Büschen und Baumen selber, und an schönen Tag n da ging eS durch Dick und Dünn sich „eine Gaffe bahnend", wenn ni^hr gerade durch Lanzen, ^o doch durch dichte- Gestrüppe und feindliche Dornen. Für die Knaben hatte der Bach noch seine besondere Bedeutung, seine eigentliche! Wichtigkeit, denn seit Jahren | wurde an seinem rechten Ufa — da- Ehovietz-Feuer anj gezündet. ' l ( So auch Heuer. Schon in allrr Früh' hatten sich die Knaben in der Flur debunten Hauseeingefunden, um haS Holz aufzuladen und an den erwähnten Ort zu schaffen. Sie machten vielen Lärm bei diesem einfachen Geschäfte, die lieben Jungen von «$., und hätte Mendel lnicht so einen erschrecklich festen Schlaf gehabt, namentlich um die Zeit, wo die Sonne ausging, gewiß wäre er »arob erwacht. Unsere Freunde kannte» auch gewiß ^diese schwache Seite de« jungen Herrn, sojnst hätten sie wohl stiller gethan, um den dösen Geist -nicht berabzubeschwören. Jubelnd zog eS zum ..Dach", wo die verschiedenen Trümmer abgeladen wurden. Ei» Jeder fand setinen Liebling, weil er sich ihn selbst erobert. Erobert, saßen wir, denn manchmal, wo emit guten Worten, mit Bitten nicht ging, wenn sich diese oder jene Köchin durchaus nicht dazu verstehen wollte, den jährlichen Tribut! zu entrichten, nun, so machten sich bei hieser Gelegenheit die Knaben kein Gewissen daraus, zwischen den Latten der Schuppe Holzstücke herau-zuziehen und sie zum Hobne für die Herrscherin der Küche rriumdhirenv davonzutragen. Und als die ersten Flammen emporloderten, da nahm ein Jeder seinen Theil in die Hand, um ihn rechtzeitig auf die Schichte zu legen, ynd wäre Herschei nicht überall mit seinem Eommandostabe lgewesen, da- Feuer wäre bald wieder erstickt. Herschel halte aber Erfahrung in solchen Dingen und eging Alltruhig und ordentlich von Statten; da- Feuer loderte, die Flammen prasselten, die Knaben lachten; Mägde faajen, um noch Nachzügler von Eisen- und Kupfergesäßen zu koschan. Großväter mir den eingebundenen Kochlöffeln und der Hagadah, um nach Recht und Sitte den letzten Rest vom Ehomeh zu vertilgen. . f Schon war cneu» Uhr, die Holzgeoäthe wären schon bedeutend geschmolzen und die Gefickter der Knaben dun. fcl geröthet, denn fit ließen sich - ja nickt nehmen. die nächsten beim Fecker zu fein. Da schrie plötzlich ein kleiner Junge: „Sie kommen!" Keiner der ^Knaben frug: Wer? sondern ihre Köpfe drehten sich imc$ alle» Seiten, und als sie Nichtbemerkte», frugen Mehrere: 77^0?" „Dort^ zwischen den drei Eichen habe ich Heide gesehen, jetzt haben sie sich wieder versteckt/' antwortete »er Junge. Die Knaben frohlockten sehr, daß sie ^sür diesmal mit rem bloßen Schrecken tzavongekommen. doch nicht lange dauert«^ ihre Freude, denn die Gefürchtetes Mendel und der ju»g§ Saufgraf-Görg, sprangest einige Minuten nachher über d>w Mühlbach und standest beim Chometz« Feuer. 1 Beim Nahen de- Mendel ergriffen die Alten ihre Enkel bei der Hand »ad führten sie weg und wenn diese damit nickt zufrieden waren und unschuldige Einwendungen machten, so erhielten sie zur Antwhrr; „Willst ein Loch im Kopf? Wo her Affeist, brastchst Du nicht zu sein!" Mendel mit seinen unvermeidlichen neugierigen Elnbogen steckte seine Hände in die Weste uN» stellte sich dicht an da- Feuer. «N»rt'>ru«D folg,.) Verschiedenes. (Mutterliebe einer Israelitin.) Au- Szente-, einem Städtchen nächst Szegedin (in Ungarn) wird der .^Donau ' folgender rührender Z»g aufopfernder Mutterliebe mitger thkilt. Eine israelitische Frau (Gattin de- I. Hauer), die bemerkte, daß ihr Kind in eine Kloake stürzte, sprang demselben, ohne sich zu besinnen, nach, und alsie selbst un-' tersank, hielt sie da- Kind mit erhobene» Händen in die Höhe. Glücklicherweise kam bald Hülfe und Mutter und Kind' wurden audiesem schrecklichen Ortt: herast-tzezogen. Da- Kind ist wohlerhalten; an dem Auskommen dir treuen Mutter wird gezweifelt. — Anekdote. In der Kreisstadt B. in.Galizien sollte vor einigen Jahren ein jüdischer Verbrecher hingerichttt werden. Offieiere, die in eistxr andern Kreisstadt gataifonirtcn, benutzten diesen Fall, um einen jüdischer» Schenkwirtb, dessen tägliche Gäste sie waren, mit ihren rohen Neckereien zu ärgern, wie diein Galizien gewöhnlich geschieht Diesmal ober haben die SLHnr Marihren Meister gefunden. Am Vorabende de- Tage-, der zur Hinrichtung bestimmt war, rief der Wirth in Gegenwart seiner Gäste den Knecht herbei, und trug ihm auf, ungefitmt den Wagen herzurichten, die Pferde anznspannen, de»»,er woille nach B. fahren, um der Hinricht»ng beizuwohnen. „Me,- fruge» die Herren Ossieiere spöttisch, „Sie wollen sogar Zeuge sein, wie man einen Juden hi»iichte1?" ,.Ja,