Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 44 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
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176 meine Herrenaolwortete-vieler. ..der Seltenheit wegen. -Ich hub^ schon vielen Hinrichtungen beigewohnt. aber ei. nen Zudra habe ich noch nie kinnchten gesehen." — Der Gerichtsverhandlungen. §. 6. de- Gesetzevom 21. Juli 1647 über'die Verhält, iffe der Juden verbietet den Juden bei 50 Thaler Slr-fe, bei Abfassung von Vertragen und rechtlichen WillenStrklLrungen. wie bei allen yvrkommenden schriftlichen Verhandlungen, sich anderer als deutscher oder lateinischer Schriftzüge zu.bedienen, ober eine rodte Sprache zu gebrauchen. Lin jüdischer H»er«^smann zu Perleberg war auf GrE dieser Vorschrift anqeklagt und vom PolizeiriLter einer Geldbuße von 50 Lhalern. eventuell zu 4i Wochen Gefängniß. verurtheilt werden, weil er den BehLnbihungSschein über eine gerichtliche Vorladung mit seinem Namen in hebräischen Schriftzügen unterzeichnet hatte. El'legte Rekurs ein. welchen der Rechtsanwalt DeyckS «n Donnerstag ' vor dem Criminal - Senat deS König!. 'Kammergerichts rechtfertigte. Der Prajudicial- Einwanv der Verth,idigung, daß die gedachte Strafbestimmung. als mit den Grundsätzen der preußischen Verr'assungs-Urkunde im Widerspruch stehend, für aufgehoben zu ernchten^wurdr weder Seitens des sungirendrn Staats- Anwalts. -noch vom Gerichtshof in Betracht gezogen, weil die Freisprechung deS Angeschuldigten schon aus dem fachlichen Ärunde erfolgen mußte, daß nämlich die Empfangsbescheinigung einer Vorladung nicht zu den Rechtsacien gehöre, -welche vaS Gesetz von 1847 un Äuge har. — Wir bemerken hierbei, daß nach einem im 21. Bve^ der Entscheidlungen de« St. Obertribunals veröffentlichten Präjudiz eine Abtbeilung deS Strafsenats beim obersten Gerichtshöfe die in Frage stehende Strafbestimmung als durch dH Ärt. 4. und 12. der Verfassung aufgehoben ansieht. |> Lmhrna. 13. Juni (Tr. Z.j Ein hiesiger jüdischer Schneider batte für einen Türken ein Kleid gefertigt, wollte etz aber wegen mancher traurigen Erfahrung nur gegen Zahlung auShändrgen. Der Türke, darüber erbittert. .ver uchle zunächst mit gewissen im türkischen Munde so grlaus gen Titulaturen dem Juden eine andere Meinung beizübrichzen, koch umsonst;, dann erfolgten Drohungen: der Giapr verdiene, daß man ibm die Augen auSstoste. und indckn der Moslem dab?k mit seinem Tfchibuk nach dem Gesicht des armen Schneiders stieß, machte er endlich di« Drohungen zur Wahrheit. Sofort brrbeizerufene ärztliche Hülfe war vergeblich, das Auge blieb verloren. Auf die vom Verletzten erhobene Klage befahl Soleiman Pascha die Vorführung des ThärerS'. Di,S war aber nicht fo leichte Der Türke gehört' zu den Vermögendsten und iss Medschlismitglied-, stets liest sich der Polizeiofficier mit Rebensäften abstnden, bis am zweiten Tage der Verklagte die. Güte hatte, sich selbst zu stellen. Der Kläger schlug, die ihm angebotene Entschädigung von 10.600 Piastern aus und.verlangte Bestrafung. Darauf erklärte der Mollab, daH während deS BairitmS die Sache nicht weiter verhandelt werden könne; Jude und Türke gingen nach Haufe, Beide mit Hoffnungen, doch glauben wir. daß nur die de- Türken, der Bairam werde für Liefe Angelegenheit nie aufhören, sich verwirklichen werden. Bis beute ist, trotz Laufens und Rennenvon Judendepulationen, nichtgeschehen. Culturhistorrsche Notiz. Boa Dr. L. Lewvfobn in WormS. Dienstag, den 1. Elul 5541 (1781) ließ man in der Synagoge au-rufen, daß alleweil ein Jeder über die geringste Kleinigkeit zu Gericht läuft und weder die friedliche Vergleichung. noch den Ausspruch der Rabbinen nachsuchr, obgleich unser frommer Herr und Kaiser in unfern, Privilegium dem Rabbiner und Judenrath, mir Ausnahme von Eriminalfatten. die GerichtSbarkejt errheilt«, so wird Jeder ernstlich gewarnt und an die göttliche Gerechtigkeit erinnert. Soll unsere: im Namen der Relitzion Und der Menschlichkeit gegeben« Ermahnung nicht fruchten, so übergeben wir den Ue« bertreler laut jenes Privilegium dem Reichsfiskal. Das Lamm*), Sternbild des Achren - Monats. . ajn asb itth snrrr? — a-asn cn rw -rro . Des Aehren - Monats fohlt ihr treulich wahren; Mit ihm beginn' die würv'ge Vorbereitung Zum hoben Fest: zum Fest der Neberschreitung — Wo Sklaven wandeln sich in FreibeitSschaaren. Der Reine frägt nicht oilrl nach den Gefahren, Die nur der Schuld, dem Drucke zur Begleitung. — Vernehmt de- Gleichnisses tiefstnu'ge. Deutung: Nach Monden rechnen wir, nach Sonnenjahren! Es soll der Tag. eS soll die Nacht unS künden. Wie Sonn' und Mond, in wahrer Gotte- Einheit, Der fest bestimmten Bahn nie Untreu werden. Doch muß in ihrem Lauf die Sonne finden DaS Lamm: ein Bild verwahren Einfalt, Reinheit — Erst dann erwacht der Frühling hier auf Erven. I —n. *) Die Hebräer nennen. *ie bie Perser, das erste Sternbild de- Tbierkreises: Lamm. rrbü. so im Buch« Jeftrah. Eleasar ba-Kalir im Thanmid Rezeugebet. — roa ba — -solomv Gabiro! in Keter Malchutb. Aden - Efta n. A. — Allgemeine Zeitung de» JudentbumS. Ro. 30. t85ö. Leitende Artikel: Die Gewissensfteiheit als Sache des Judentbums. — vom Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. — Ein Reisewerk. Bericht von 0r. I. Jost. — 3 eitnngs Nachrichten: Deutschland: Worms, ans Rheinbeffen. Buckebora. Preußen: Bdrlin, aus Westphaleu. Oesterreichische'r Kaiserstaat: Bon der westgalizischea Grenze. au- Oester.-Schlesien. Die Schweiz: Endingen. Frankreich: Rancy, Mäblbansen. Pari-. Italien: -Padua. Zu belieben durch jedes Postamt und jede Buchbandwnz. Jährlich 3 Thaler. vierteljährig '/« Tbaler. Verantwortlicher Redactenr: K. -täte. I «er,-, »»» r-u«,irt,rr'« vEaadl«, i, Seip,i,. — Druck »sa Blek-ader »i»b« tu Lei»»t».