Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 43 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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lassung geben. Viele denked freuen sich aus ein Märchen, auf einen Scherz bereit Hai e eS ift keine Sage und auch ist an der Erzählung nur verrathen und sage bloS: „> Väter u eist eine Sage, Andere dir Meisten aber werden sich 'n. Alle irren aber sehr, denn kein Märchen und scherzhaft - doch ich wjll euch Nichtist eine wahre Geschichte. l. >b Söhne. Ter Klecken -H. im südlihen Deutschland hat bloS zwei regelmäßige Straßen; damit so winzig klein sei, denn nach Süd oder Norv, nach von H. zu gehören. Doch irre zwei Straßen zurück. „Ehristengass," ^ie andere ist aber nicht gesagt, daß H.. geht man eine halbe Stunde Ost oder West/ so wird man noch immer Marksteine finken, auf denen zu lesen ist: Gemeinde und Häuser »der vielmehr Häuschen, deren Einwohner stolz darauf sind, in den Gemeinbeverband kommen wir wieder auf un- Die eine 'derselben beißt: Zubengaff'". Erster« ist für einen Markt mit zwei Straßen ungewöhnlich lang und regelmäßig angelegt, und rv nn auch die misten Gebäude unansehnlich, baufällig und thellweise sogqr mit Stroh oder Schindeln gedeckt find, wen» also eirizelne Häuser, wie die „Gerb", die „Krv»e" und die „Hävern", ihrer Festigkeit und bübschen Außenseite wegen, eine Seltenheit find und mit verächtlichem Stolze auf ihre Brüder recht- und links schauen, so wird woch Niemand sagen können, daß einealler dieser Häuser nur um einen Zoll breit, sage um einen Zoll breit, jfich dem anders» vördränge. Ganz andersteht ein der. „Judengaff'" quS. Da ha^ den die meisten Häuser est» behäbig,- Aussehen, die Schindeldächer sind schon langst mit Stumps und Stiel au-- gerottet und zur Nachtzeit flüstern sich ihre Nachkommen, die Ziegeldächer, einander Mythen zu, wie es einst eine Zeit gewesen, wo die Menachen unter Holz und Stroh gewohnt. Ja einige Häuser - iab<n sogar drei Stockwerke, waS gewiß ein seltener Vorzug eine- Marktfleckenmit zwei Straßen ist. Der Wah heit zu lieb, aurß ich jedoch gestehen, daß ehier nicht sc regelmäßig, so schnurgerade auSsteht, wie dort drüben ln der „Cbristqngaff'." Escheint, alS wären einzelne Häuser durch einen übermäßigen Ehrgeiz dazu verlei>et worden, ihr? schwächeren Gesellen zurückzudrängen, brber edeNn auch gekommen sein mag. daß die „Mrtzg" ganz im Winkel steht. waS freilich kein Schade ist, l eiin die Metzq war, ist und wird ewig eine Schande der öaumeister fein.] Gerade in der Mitte der lGaffe steht ein ansehnliche- Hau-, dessen Außenseite ursprünglich gelb angestrichen war. Durch irgend einen Z»sall war daeine Gebäude zweien Eigenthümern zugehörig, dem Einen gekörte daobere, dem Andern daS untere Stockwerk. Der Herr im „Obern" war/in trotziger Hsn. Mit einem Mak^el eö ihm ein. seinen Theil grün anstreichen zu lassen. Unglücklicherweise lebten die gleichzeitigen Besitzer sticht in der schönsten Einttacht und der Herr im „Unter»" ließ sich nicht dazu herbei, sein Stockwerk frisch zu j übertünchen und dazu konnte ihn auch Nijrmand zwingen. Der obere Herr ließ sich nicht von diesem! Eigensinne beirsen, bestellte zwei Maurer und ließ seinen Theil grün anstreichen, während der untere Leib verblieb. Nach einigen Wochen fchosi konnte sich da- Auge an einer herrlichen^ Farbenpracht ergötzen, denn der Regen trug das Seimge dazu bei, und spielte einzeln« Streifen der grünen Farbe in da- Gelbe hinunter, so daß jene- HauS einer verwitterten Tapere oder einem Fafchmg-nar. reu.aufS Härchen ähnlich sah. Ich Hab, diese» jedenfalls merkwürdige Gebäude darum meinen Lesern vorgeflrhrt, weil eS eine! nicht geringe Rolle in unserer Geschichte zu spielen har, und weil eS Jedem zur Ansicht zu empfehlen ist, den ein Mul da- Glück nach H. fuhrt. Und diese- Hau-, nicht gerade merkwürdig durch seine Vergangenheit, eS batte kein Raubritter, kein Burggraf, kurz Nichtder» gleichen vrinie» sein Unwesen getrieben, eö war merkwürdig durch seine damaligen Bewohner, durch seinen Herrn im „Untern" und durch seinen Herrn im .^Obern", denn diese waren sich so spinnefeind, sie haderten so oft mit einander, daß der obere Herr schon ein Mal im Zorne gedroht hat,. die ganze Bude unzuzünvenj und sich dann eine Pfeife Tabak dara» auzubrennen. ' l Doch fanget» wir besm Untern an. ' Da wohnte der Beitel-Jtzig, ein kleine-, klug auS. sehende- Männchen. Um jedem falschen Glauben im Vor. hinein porzubeugen. sage ich gleich, daß der Stand Jtzig'S dutchauS nicht seinem NamrN entsprach, denn Betiel.Jtzig war ein sehr wohlhabender, man. könnte i sagen, reicher Mann; in seinem ganzen HauSwesrn strömte evlon Vor. rälhen an allem Röthigen und Unnöthigen; im großen Zimmer da stand ein Silberkasten. der gewiß zu den schönsten und herrlichsten feiner Art aejitjlijtrmrnfonnt«; kurz Jtzig war ein gemachter Mann, aber! Bettel? wahatte dieser Zusatz zu bedeuten? Mar unstr Freusiv vielleicht durch- Betteln zu diese» Wohlstände gekommen? Nein, Jtzig hatte nie güettelt, dazu mußte er zu stolz gewesen sein. Astede Leute erzählen sich t»ur, daß unser Freund oleine 14jährige Waise nach & gekommen sei und so arm, so dürftig, daß sich mitleidig« Bewohner der Judengaffe seiner angenommen und Einer! derselben ihn, sogar zum Geschäfte verwende» habe. Jtzig ließ sichan. gelegen fein; durch Redlichkeit und wackern Fleiß diq Gunst Aller zu gewinnen, er arbeitete Tag und Nacht. Ijrf und rannte unermüdlich, woeS einen Groschen zu vesdienen gab, war stetmäßig und sparsam, und so kam eS denn, daß er sich vom Stande der Niedrigsten Aryiutb zu einem beneiden-werthen Rufe de- Glücke- und der Zufriedenheit emporgeschwungen. Ich sqge beneidenSwerthe- Glück, denn Jtzig besaß auch einen zwölstährigen Sohn, der den Barer zu den schönsten Hoffnungen berechtigte.^ Hersckel zeigte sich bei jeder Arbeit anstellig, lerme fleißig r«gd war überhaupt, nach der Au-fage seine- Vater-. -der.^ „best, Kopf auf 20 Meilen in der Runde." Wenn wsr nun den Lobe-äußerungen deentzückten Vaternicht fo un. bedingten Glanben schenken dürfen —Alle Elter» -alten ja von ihren Kindern weit mehr, alsie in der'Regel wirklich sind — so muß doch Herschel ein ganz unge. wöhnlicher Knabe gewesen sein, denn er war daS'ift und Z der donigeir Jugend. Nichtwurde i» Rath« der Knaben beschlossen, wozu nicht Herschel s^ine getpichtige Stimme abgegeben hätte, Nichtwurde au-geführt, wobei unser junger Freund nicht die erste Person gewesen ^väre, denn erstens war er wirklich der gescbeidtestq unter allen, zweitenzeichnet« er sich durch persönlichem Muth und Tapferkeit, durch Wahrheit und GerechtjgkeitSliebe in