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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 43 (1856) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
43 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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t-ol'tM Grade aus. drittens kannte er alle Wege und Liege m rer nächsten Umgebung deS OrttS. Die erste Haselnußiagd ward nur unter seiner Leitung unternommen, -renn er wußte genau die Stellen, wo diese Frucht am (ablreichsten und schönsten verkam, die schönsten Weiden, rie prächtigsten Hagebutten wurden nur unter Führung Herschels gewonnen: daher richteten fick denn die Blicke aller Höttenbesttzer schon 14 Tage vor Sukotb auf den . 3ctn »eS Pfttel»Jtzig.— Streitigkeiten zwischen den jü«, ti!'ch.n Knaben in H. kamen nie vor den Richkerstuhl des 'kedrcrS; da war der Herschel. der den Schwachen und Niifibulvigen beschützte und den Uebermüthigen bestrafte -^,nk so mußte ,S kommen, daß der Lehrer in seiner di* gcttschatt. als Richter allmalig zu einem Schatten herab» gesunken war. Roch (Lines dar» ich nicht verschweigen. Hersckel war der einzige im Or;e, dir franzLstsch lernte, öaS wußten Alle. Jung und Alt, die Christen wie die )uden. :unv unser junger Freund hieß daher im Ln der xranzostti Hedschel unv Vater und Sohn waren beinaht stolz aus diesen Titel. Gast; anders in allen Stücken sab eS im vbern ■ Stockwerke aus, denn Markus war gerade das Gegenrbeil -.om Detkel-Jyig. Während dieser einst arm und u»- alktcklich war. baue Jener seine Jugend«. ZünglingS» und MänneSjabre in» schönste» Wohlleben verbracht, und wäh«. ren^ Jtzig jetzt von der Vorsebung entschädigt wurde fürall' da» bittere Ungemach, mir dem er trüber zu kämpfen gehabt, I durch ein glückliches, heiteres Familienleben, schien tIeuer sebr unzufrieden aut- »ich selber und der ganzen i Welt, stnd auch nicht inden angenehmsten Verhältnissen ru > leben.' Wer aber den Markus nur oberflächlich kannte, der mukte nch sagen, daß der Mann nicht unschuldig an r‘ üinem Schicksale sei. Wenn er in feinen Bermögensver» bältniffen sebr berabgekommrn war, so 'hatte er es nur 'einer Prunksucht zuzuschreiben, der er ehedem stete stlabrung gegeben hatte. Rech jetzt verlaugnere.er den Hang;ur Prghlerei nicht, das konnte.man deutlich sehen. Wenn -r ein Mal wieder ein gutes Geschäft durch den Verkauf .eines Pferdes gemacht hatte, da legte er »Ich in seinem rvthen Schlafrocke und der gestickten Hauskappe an das Fenster | uno machte über Jeden seine Glossen, der vor» überging, namentlich aber spottete er immerwährend über uine eigenen Glaubensgenoffen. Nur in den Fällen, wo. er ven^dem Einen orer Andern einen Dienst verlangte, machte xt Gesellschaft mit ihnen, sonst nie, und eben so selten ffnbie er iw der Judengaffe Unterhaltung oder eine;erstreujnde Stunde, de- AbendS konnte man ibn ganz - »Icher i* einem WinbSbause finden, wo er mithalf, wenn es galr» recht tapfer aus die Jiiden in'der ganzen Welt, aber gbnz besonderaut die rn H. loszuschimpfen, und damit Ibat er denn dem Saus-Graf — dieS war der et» was verdächtige Name eines Bauern — keinen geringen Gefallen und dieser sagte sehr oft. im nüchternen wie im berauschten Zustande: Uebern MarkuS gebt holt i nir, der ist unser Einer. Der Saus-Graf spielte in der ■ * Christengemeinde ungesabr dieselbe Rolle, wie Markus in der jümschen. und somit hätte sich auch hier wieder ein Bespiel gefunden, woran' daS Sprichwort: ,.Gleich und Gleich gesellt sich gern.".seine abermalige Bewahrheitung findet. Und wenn an Sonn» und Feiertagen die Bauern in großen Kreisen auf der Straße standen und von ernsthaften Dingen sprachen, vom Krieg, der in der Nachbarschaft wüthete, von dem neuen Aman, von dem Steigen .der Brotpreise. von der Kartoffelfäule, so war gewiß Markus dabei zu sehen, und ein Mal hatte sogar ein Vorübergehender gehört, wie MarkuS bei Gelegenheit der Sprache von rer herrschenden Tbeuerung in flüsterndem Tone gesagt: daran sind nur die Juden schuld, die kaufen Alles zusammen. DaS war ober nicht daS Aergste. Markus war nicht nur der Spötter und Derleunider seiner eigenen Nation, er war auch ein Verächter Gottes und seiner heiligen Gesetze. Er war kein Christ, aber noch weniger ein Jude. DaS ganz, Jahr kam er in keine Svnagoze. außer am Jom Kippur, und an diesem Tage schrie unv weinte er aus seinen» Machsor heraus ganz jämmerlich, denn er wollte ja unfern Herrgor» daran erinnern. daß er, der Markus, auch noch lebe und auch im künftigen Jabre noch leben wolle, unv darin findet unser Herr vom vbern Stocke noch Manche seine- Gleichen: Viele, die, eben wie er, daS ganze liebe Jabr sich schämen, Jude zu sein, am Jom Kippur aber», wo die Furcht vor rem Tore sich doch ein BiSchen einstellr, in den Tempel laufen, fasten und beten und schreien, namentlich wo es zur Stelle kömmt: Berosch haschonoh jikosewun. uwa« jom. jom kippur jichosemun. . Hätte es MarkuS nur bei seiner eigenen Hintansetzung der mosaischen Gesetze bewenden gelassen, so wäre cS in soweit noch gut gewesen. alS Jeder vor seiner eigenen Tbür zu kehren bar. MarkuS aber thar nach dem Jom Kippur und bis zum Vorabende desselben Alles, womit er den Juden im Orte Anstoß und Aergernlß geben konnte. Wenn der Aermste am Freitag Abend schon den Samstag begrüßte, und nach verrichteter Andacht im trauten Familienkreise saß, derWoche Leid und Kummer vergessend, da hörte man erst MarkuS in seinem einspännigen Wagen durch die Judengaffe fahren und dabei knallte er mit der Peitsche so stark als möglich, damit eS nur Alle bören unv verstehen sollten, daß ihm, dem MarkuS, der Freitag Abend nichts angehe. Und alle Welt wußte es. daß seine Geschäfte »nch! so dringend unv wichtig waren, daß er nicht schon vor Anbeginn deS Sab» barbeS harre zu Hause sein können. Jedem Kinde war eS bekannt, daß MarküS im verflossenen Pessach erst Etwagetban, das ihm Niemand verzeihen konnte. Cr hatte nämlich-— — doch ich will dieS meinen Lesern verschweigen, um-ihn nicht von ihrer Seite jedweder Theilnahme zu berauben. Allgemeine Zeitung de- Judentbum«. No. i9!856. Leitende Artikel: Auf der Reise. —Polemisches. IV. — Zeitung» nachrjchten: Deutschland- Dorm», an- Kauern. Preuüeu: Strlm«, au« dem Eroßder,oqtb»me Pose». Oeflerreichiscker Kaiftrstaat: Wien, au» Mähren. Großbritannien: London, London. Die Schweiz: Cxdingen. — Literarische Nachrichten: Leipzig. JfjT Z» bezieh«» durch jedes Postamt und jede Bnchbaublang. Jährlich 3 Tbaler. »ierteljährig % T Haler. Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe., «?fil4| *»n f j ■■ *ir t«e r’# f i« ynrjm. — trstf rrn fllfjanKt W teke in Vririig.

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