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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 40 (1856) · p. Seite 159

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
40 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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L trat und sprach: Dp'b? Ditozj, waS tbüst Dü hie? (thust Tu hier). Bei diesen Worten entstand in» Saale ein chaffidischer Tumult, man fürchtete Leben-getahr für den Fremden. Letzterer jedoch blieb gelaffen, ärbob sich und sprach: Dü Meilech kennst itzich wirklich nich^? warst Dü nischt Wirthschaster bei meinem Vater? — Per Rebbe war entlarvt, selbst die Ehaffidim waren von seiner Unehrlichkrit überzeugt, waS au» ihm weiter geworden ist, haben wir nicht erfahren können.- Einige ausführliche Rach richten über die Karäer. Jedermann weiß, daß'die Karäer bereitüber ein Zahrtaus,nd eine besondere^ jüdische Seele bildest, wenn man selbst sie mit diesem Worte bezeichnen darf, da fie in allen Dogmen mit dem Judjenkhume übereinstimmen, mit Au-nahme. daß sie den Talmud und die Äabbinen verwerfen, waallerdings vielfache Eonsequenzen! mit stch führt. Sie halten sich stllein an'den Buchstaben der hei« ligen Schrift, wobei sie jedoch | einer Tradition ebenso wenig wie wir entbehren können. Während de- Kriegein der Krim, gegenwärtig dem Hauptfitze der Karäer, wstndte stch Herr Cahen, Redakteur der Archives israeliles de France, j an Len französischen Kriegsminister, um einige Aufschlüsse über die Gebräuche und Zustände brr Karäer zu erlangen. Der Krieg-minister Marschall Daillant gab dem Marschall Pelissier Befehl de-halb, und dieser beauftragte den Commandanten Bodouktt. Nachforschungen zu halten. Wir geben in Folgendem da» Resultat derselben. welche» der Krieg-mimister dem Herrn Cahfn, begleitet von einem eigenhändigen Schreiben, übersandte. Man wird laudem Folgenden leicht ersehen, daß die gewöhnliche An^cht, daß die Secte der Karäer von Anan ben David im 8. Jahrhundert rer gewöhnlichen Zeitrechnung gegründet worden, die richtige fein muß, während Ltie Ansicht einiger Neueren. welche sie auf die SadducLe« zurückführen, und die Angabe der Karäer selbst, welche in Juda ben Daba! ihren Stifte^ finden wollen, eine irrige ist, da di^ Karäer viele Gebräuche, welche späteren Ursprung- -sind,; mit den Rabbaniten theilen.! Nota über die karaistschen Inder». Die folgenden Nachrichten ri hren von Tatqren und zwei Israeliten her, von denen d>r eine Karait war und der andere die von ben Hebräer t allgemein beobachteten Gesetze befolgte. Glaubenslehren. Nach >en Karaiten gleit enur einen Hott, der nie einen Arfang gehabt und nie ein Ende haben wird. Dieser Gott regiert die Welt, welche er geschaffen hat, aber dennoch hat er dem Menschen die Freiheit gelassen, ihn zu fürchten oder ihn nicht zu fürchten. Alle» ist in der Hand Gölte-, ausgenommen die Furcht Gotte-. Sie sagen, daß, unter allen ölkern, der Schöpfer die Hebräer au»erwähtt hat, um sein« Gesetze und Vorschrif« ul, ten der Welt zu überliefern; ustd daß er kein anderes Volk wählen wird. Mose» ist von Gott berufen worden, derihm stine Befehle ertheilt hat; ebenso muß der Stimme Mose» gehorcht werden, weil sie von GoÜ begeistert mar. Vü ist der erste Prophet und der größte von allen Lenen, die eristirt haben. ' Die von Goft au-gegangenen und von Mofe» überbrachten Gesetze find unveränderlich; sie müisfn bi- -n- Ende der Welt bestehen. E» ist »erboten, stzu ändern oder sie zu verändern. { Die Karaiten glauben an ett^e Auferstehung. I Sie sagen, daß der Meffia» 6000 Jahr nach!der Schöpfung Adamkommen muß und daß -l-dann!die Welt zerstört werden wird. Die Tödten werden wieder erwachen, und. indem dajüngste Gericht stattßndea wird, «erden die Guten belohnt und die Bösen bestraft. Nach ihnen hatte Gott vor der Schöpfung eine gewisse Zahl von Bvrschristen und Gesetzen, welche er den Menschen.offenbaren wollte: Die einen, die niedeirgeschriepen werden mußten, find in dem Pentateuch und dien propbe» ttschen Büchern vereinigt. Sie danken, daß die andfrn (mündliche Lehren) allein durch die Ueberliefeeung erhtzl-- ten werden mußten, und daß e» verboten ist, sie medersvschreiben. Sie lassen zu, daß man die Rabbi» resperti« ren muß, weil sie dir ihrigen hoben. Sir bezeichnen |{le . unter einem andern Titel; sie nennen sie Khrcikam (Kba. . kam), und sie gestehen ihnen da- Recht nicht Ku, nach )hren Ideen da» wa» in der heiligen Schrift ist, zu com« memixen, in welcher keinen Buchstaben zu verändern und za welcher Nicht« hlnzuzufügrn erlaubt ist. Sie verwerfen den Talmud und alle die von ben Rabbinen gegebenen Interpretationen. ' Ebenso wissen Sie nicht, wader Messsathun wücd. Der Karait, welcher befragt wurde, schickte stch an zu lachen, al» er de» andern Israeliten erzählen hörte, haß der Meffiakommen wird, um in Jerusalem alle zerstreuten Hebräer zu vereinen und daß er den Tempel wieder aufbauen wird; daß al-bann dm Prophet Elia-, vbm Himmel herabsteiqend mit der Trompete blasen wird/itm Allen denen da- Signal zur Auferstehung zu geben, welche gelebt haben werden, ohne den Drost zu haben, den netzen wieder erbauten Tempel zu sehen. Nach dieser Erzählung wird da» neue Jerusalemische Reich 400 Jahre davetn, an deren Ende die Welt zerstört werden wird. Die Karaiten leiheten ihren Namen von einem hebräischen Worte her, welche- „zurückgezogen", oder sogar „Einsiedler" bedeutet. Ihre Secte nahm ihren Anfang in Eamaria. <3 He scheint sich in der Epoche gebildet zu haben, wo die Rab. bitten sich unendlichen Di-cussionen über die Stellen der heiligen Schrift Hingaben. E» ist natürlich zuzulaffen, daß einige Israeliten, die da sahen, daß die Interpretationen der Autoren de- Talmud- (Meinung-vrrschiedenheitm) Zwitspalt hervvrgebracht haben, sich den Ursachen der Uneinigkeit entziehen wellten, indem fie erklärten, daß der Buchstabe der Schi ist allein beobachtet werden müsse, und daß die Rabbinen Recht hätten, Lehren niederzuschreiben. welches« den von ihnen veröffentlichten Büchern enthalten find. Die Rabbinen verziehen den Karaiten die Prot,stativn

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