Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 40 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999341-6000765--0785-4909460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 Die lichtgrünen Birkenbäume, die Weißbuchen, die reichen Heerden, die üppigen Saar- und Weidsfluren, alles diese- und noch vieles ankere Gute, ließ mich hier eine reizende.Gegend, ein neues Vaterland finden. Eine heiltge Grille herrschte auf dem Hofe/ die Arbeiter waren verschwunden, die Heerden waren heimgekehrt. Die Wirrhia hatte bereits das yTjn rveggerattmt, und Salomo, der Wirthschafler, erschien mit dem SchabbeSrock, und war so seelenvergnügt, als sei er der Grundherr beS Gut,», ein Magnat ersten Range». Da erschallt von Ferne der Ruf Salomo 'und gemeldet ward hie Botschaft, der heilige Rebbe von.Pelz sei angelangt. Glückliche Seele, dachte ich, so wirst Du heute Abend einem chaffiviscken "Hp beizuwohnen Gelegenheit haben und wiederum in me Mvsterien der heiligen Rebbi» eindringen! Der Tag »erging einförmig, denn schon gedachte ich der Stacht unv ibrer Wunder (?!), schon de» heiligen Rebden und seines Genossen. Der Zeder beginnt. Oben an fitzt der hemge Rebbi» im weißen Mittel mit breiten qyldnen Treffen behängt, bi» über den Kopf hangt der r-'r? mir der golbnen DaS schneeweiße Haupt mit dem silbernen Barte ist mit der goldbelegten Mütze b,deckt. Wie rin freier Mann de» Orient» sitzt er da, der Mann der Wunder, einen Stab in der Hand halßend, dessen Griff mit Silber belegt ist, allgemein verehrt unv von der roden Menge, die sich zu Hunderten bier versammelt bat. angegaffr. Stunden »ergeben, bis der Seder beginnt: denn eben die« Außerordentliche gehört zum Wesen der RebbiS. Mit einer ernsten Miene, der Feierlichkeit de» Tage» angemessen, eitt der Chabbe zum Schrein, öffnet ihn hastig und bringt bervor drei ri:*:, -je er dem Rcbben überreicht. Segnend übernimmt fie der Heilige,, murmelt einige cadbalistische Worte, empfangt ein weiße» Tuch und drei Zettelchen, welche mir den Worten 'TV TV »verschrieben sind. Sich erbebend wickelt der Held des Tage» diese äAeinorien dergestalt ein, daß der Cohen oben an zu liegen kommt, unv einige abermalige cabbalistische Worte redend wirst er fich in seinen Lehnsessel zurück. Die Becher, etwa ein Maß Wein haltend, sind gefüllt, ist gemacht, rie^:^ bis auf den Grund gekerr, nur der Heilßge läßt ernige Trovftn im Gefäße, welche unter den -Anwesenden circuliren, um fie al» 2*7*® zu trinken. | Der Rebbt sagt rrpr; eine mystische Rede, die Niemand, am wenigsten aber der Rebbt versteht. Nack Beendiguug diese- ^Vortrages versammeln fich die Anwesenden, schließen um Yen Heiligen einen KreiS, der, fingen» die Schüssel über > den Lope baltenk, X'srf: xnp vorträgt. Nachdim der R^bbi das Wort a*V35*T gesprochen, öffnet fich bet1 KreiS unv die Becher werden von Neuem gefüllt. Nack kleiner Unterbrechung tritt der dickleibigste Chasfid hervor, hebt vaS Enkelcken deS Rebben in die Höhe und »ieS singt unteßHändegeklatsch aller Anwesenden N272:: 77^. Siehst Du dort den pdanrafiischen Rebben. wie'er mitt feistem Ätab die Grenzen mißt und einen Kreis beschreibt!, wie »ie Getreuen fick ibm nähern und eiligst die Ecken de» Ziemer» verlassen? Der Rebbe hebt den Becher hoch i» die Höbe und sagt r-7. spsttzt häsiig den' Wem ^ußerhhlb de» geheiligten Orte», mit ihm alle Chas-' sidim und Nichtchaffidim. damitja Niemand von den Anwesenden die Plagen des Himmels zu fürchten habe. Die MitternachtSstunve ist eingekehrt, der Tisch des Hause» gedeckt. b'dN 72 gdsagt, Alles zur Mahlzeit bereit, al» der Rebbi plötzlich zu zittern beginnt, den rechtSfitzenden Ehasfiv zum Aufstehen winkt, und da dieser e» nicht bemerkt, mit den Worten auSbricht: Scheikez, siehst Du nicht Hil el. Zn senkrechter Stellung, seine Augen zur Decke.de» Himmel» gerichtet, in geisterhaftem Dialekte schreit er auf. X2tn T*T2: Hillel ist unter un» mir zur Rechten. Die Anwesenden erhöhen sich und schrien laut unter Händegeklatsch *23 Hillel ist do. Die Mahlzeit war einfach, tiivz wurden wenig verzehrt, wie denn die Ehaffldim während der Dauer de» Peffachfefle» nur x"i?T3 über rix9 machen und sie sonst au» wichtigen Ursachen nicht weiter beachten. , Nach beendigter Mahlzeit vertheilte der Rebbi vrtvtx. welcher in ganzen Stücken in den Mund gesteckt wurde, um ihn auf einmal zu verschlucken, denn also gebietet das chaffldische Gewissen. Unter chaffidifchrn Geberden wird '»bn gesagt, und Tvn gesungen, ziemlich einförmig, ^vem munteren Treiben der Ehaffldim unwürdig.! Nach einer kurzen Pause steht man den Rebben zur Thür biaauSeilen, Thür und Thor und alle Fenster des Hause» offnen, um den höhest Gast de» Abend» x*2fn mit seinem zahlreichen Gefolge zu empfangen. 3» einem feierlichen Zuge schreitet er langsam zur Thür und ruft unter allerlei Seberven: x-p:n irr>x X2N *yn2 ist do. Der Sever geht zu Ende, jfemit auch mein Bild, lieber Leser; wie jede» theatralische Unternehmen, endigt auw das der Rebbi» abenteuerlich, viele Ehaffidim, vom Weine erbktzt, liegen auf dem Erdboden, andre eilen hinaus, uni Borberetkungen zur "fli zu treffen. Zn Mitten de» Zimmer» steht die Ziege, feierlich mit dem heiligen Gürtel de» Rebbdn geschmückt,, umgeben von den Getreuesten unv dem vorhin schon erwähnten dickleibigen Cbaffid, welcher da» Cnfelchen de» Rebben auf die Ziege setzt, und so reitet da» zarte Knäblein X713 st"' gend, vom Rebben geführt, im Kreise herum. — Der Ruf vom heiligen Pelzer und seinem abenteuerlichen Seder verbreitete fich bald in der ganzen Umgegend und schon am zweiten Tag Vrt waren in .... einem Dorfe an der Thei», nicht weniger al» 1600 Jsraellterr versammelt, darunter Äufgeklärte und Nichtaufgeklärte, Cbaffidim und Halbchoffidim. ein jeder batte ein Anliegens der eine wollte vom Rebben erfahren, ob er heuer eine gute Weinernte haßen würde, denstzweiten war die Gattin zu häßlich, dr^ dritte hatte keine Kinder, der vierte brachte ein Lotterirloo», damit e» der Rebbi bensche (segne), dem fünften waren die Zwerschen milbig geworden u. f. w. Alle waren darin einig, daß der Rebbi ein Wundermann sei, ein Retter au» allem Drangsal. Wie mancher Ducaten wandelte da in die Börse de» Heiligen, lächelnd.segnete der Rebbi, lächelnd fluchte er. je nachdem Wunsche de» Kunden. Da» war ein Markt, wie seit langer- Zeit nicht gesehen worden. Da meldet der Chabbe die Ankunft eine» fremden Herrn und' alle anwesenden Eh'affidi« - traten ehrerbietig? zurück. Herein trat eine ernste Pbyfiognomie in schwärzen Mantel gehüllt, die ohne Verbeugung zum Rebben