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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 40 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
40 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. | Zur Belehrung unö 21nferOadtung auf jüdischem gebiete. ' 4ptraui[jcfltbfn von Raddiner Dr. Ludwig Philippsov in Magdeburg. [9to. 40. 1836 ] flon eitff» 3<iif*rifi UMwmt sratBtlift fiat MuM«rr. *ml t « Aadr. 1 tblr. »ttrtrftortg 7*/, ®jt. Hfl« t'«4* ib4*Mun|«a. Veftjaiirr ua» 3<iuni*«jrf»mta«a iffeaua *’«lrtan*«B «a. I,3.Z«hr,.4. fllwiHC], Bilder aus dem He^ajlja- oder Tokayer^ voll ). Rosellwtver (4 S. a. Ujhely. IV. . (6. *».«. dl ei.) „Set mit gegrüßt, bescheidene- Veilchen, wie manckes Jahr habe ich Dich an mein H^rz gedrückt und mit Dir die erwachende Schöpfung begrüßt, aber noch nle sah ich Dich so freundlich, so einschmeichelnd, gleichsam alwolllest Du mir zurufrn, bleibe hier, deutscher Mann, bebaue da- Feld! Gei mir gegrüßt, schnatternder Sldrch, mit | Deinem Geklapper. Wenn Du beimkehrst nach Nord»' aftika zu meinen Brüdern, so erzsthle, daß in de» Tokayer- Gebirge jüdische Jünglinge ackern und pflügen und auf Deiner Reise muntere Israel jitt Ackerbau oufl" E» war in den Peffachferiea. Der Monat April hatte sich «igemein freundlich ein-ffftelft. verschwunden war der Winter mit seinem Schneegest-b-r, die Flüsse waren vom Eise befreit, da- Jtlima angenehm. das Wetter günstig, und schon zeigten sich die Veischen und Anemonen im Thale. Wer mochte »a noch die Srubenlufr genießen, wer da nicht in der freien Sottp-natur weilen. Wir brachen auf und erreichten nur mühsam Tokay. Manche von den Städten, die wir berührten, waren rom Wasser überschwemmt, selbst Lißka. Sitz eineheiligen Rebben, hakte durch den Ausguß de- Bodrog so gelttten. baß die Häuser jeden Augenblick der Gefahr hu-gesetzt waren, mit der Fluth detobenden Elements forrgeriffen ^u werden. So machtlos bist ^>n, Mann der Wunder! Die Sonne schien freundlich, und nachdem wir das Ufer der Theierreicht hatten, nahmen wir ein kleine- Fahrzeug. um zu unferm Ziele zu Igelangen. Ein jüdische- Fischermädchen #>on 12 Jahren, Ehanne, führte das Ru. der und schiffte unsingend, eiujge chaffidifche Lieder vor sich hinschnaprend, an das Land. Ich gab ihr ein Trinkgeld und hätte bald Gelegenheit, iu erfahren, daß Ehanne mit diese« Taglohn ihren alte« Vater ernähre. Die Sonne hatte sich längst hinter den Bergen verloren. und eine schauerliche Stille herrschte, als wir die Theis entlang undem Landgute »ähenen. „Daist unser Hof!" schrie voll Freude »einZägling, und.seine Stimme wurde vom Gebell der Hunde unterbrochen. Wir hatten da- Landgut erreicht, freundlich »egrüßte under Wirth de- Hauses, eia Manu in de» m Nieren Jahren, in Sorgen vertieft, die Pfeife rauchend. De- Morgens in aller Früh« begann dir Arbeit. Drei ernste jüdische Männer in nachlässtgen Gewändern vähsrten sich ehrerbietig ihrem Gebieter, u« dessen Pesthle ft* den heutigen Tag entgegevzunehmen« E« ««rin die Gstinh» schafter de- Gutes, deren Pflicht eist, tzte Stell, des Gul-pächterzu vertreten, und hie mit eiuqr solche» Treue, der Landwirrbschast und ihre« Herrn zugerha» fl»d, daß fle Monate lang einzig und allein der ^irthschast »or« stehen. Siehst Du dorr jene io sich gek,Helen Männer mit langem blonden Haar und blaffen Gesichtern. wie fle ^ihre Schritte verdoppeln? Es sind die Taglöhner des Sitte-, die Glovaken. welche sich vor Furcht und Scheu ehrerbietig dem Wirthschafter nähern,! Dort kommt der stolze Magyare mir sestte« Gespanne in breiten weißen linnenen Hosen, sogengrmten Gatpa» Hosen. Eia weißer Slrobhut bedeckt sein Haupt, er wägt eine blaue Schürze , einen blauen Dollntann mir weßßm Schnüren verziert, Stlefcku Mit Sporen. Wir folgten de» Zuge ^md gelangten bald an das Ufer der Theis. Ai» große- Schiff stand bereit, die Arbeiter mit den nöthlgen Feldgetäthschaften aufzunehmen.!ich winkte der jenseit am Ufer sitzenden Ehanne, welche Mit ihrem Kahne herbeieilte, um mich auszunebmen, flngend sühne sie mich hinüber, denn ich hatte ihr gesagt, daß ich ein Verehrer der chaffidischen Gesänge sei. Der Zufall führte »ich in eine Schafhürde sAkol), die zarten Lämmchen sprangen und hüpften vor Freude. In der Mitte des Platzes stand ein stattlich gekleideter jüdischer Jüngling von stebenzehm Jahren, eine zierliche Hacke in der Hand haltend, als Waffe gegen die Wdll> Sein ächt orientalisches Wesen erinnerte mich au die gvaue Vorzeit der Stammväter. In diese Betrachtung versunken fiel mein Auge auf das- Vergißmeinnicht mit seinen himmelblauen Dlüthen und ovastänglichen Blättern. * Wann wirst Du aus eignem Grundbesitz Deine Felder' bebauen, mein Volk, wann wird Dir ein Vaterland werden? Wann/ werden Deine Söhqe unter dem Gesänge der Psalmen die Einten halten? Willst Du, mein Bergißmrinnichi, die Zuftmft errathen, st>g' an, was denkest Du? Oder wollt Ihr e«, Ihr Pgppeln? Sie schwiegen eine Zeitlang, aber bald bewegten fich^ihre Blättchen, als wollten sie mir etwa« zuflüster«. Ich eilte an danahe gelegene Buchenwäldchen. feit Flora war so üppig, daß sie all' meine trübseligen Gedanken verscheuchte. Im Geiste pflückte ich die Rose von Saron. dnechwandelte die Palmeqwälder Jericho - und ge» dachte de« Terebinthenhaloe- Manue't. ■

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