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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 37 (1856) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
37 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 Handlung wegen zahlreich imfammcU waren, mit gespannter Aufmerksamkeit auf seine Antworten > lauschten und diese protokollirten. Gern würden die dginrn ihn in« Verderben gestürzt, die Andern ihm da« Sefiändniß der Reue ob diese« Schrill,S erpreßt haben, utu mit Freuden die Schuld auf die jüdische Gemeinde wälien zu können, allein die außerordentliche iFestigkeil de« Angeklagten, die ruhige und verständige Darlegung seiner Gründe, vereitelte da« Eine wie da« Andere. Lassen wir nun die in der Verhandlung belheiligtrn Personen selbst sprechen. Richter: Wa« bewog Sie zu einer Handlung, die da- Lande-gesetz streng verbietet? Steblitzky: Meine!Ueberzeugüng pnd mein. Gewissen. j! Richter: Aber da« Gesetz beschränkt hierin die Lhat, äußerung dieser Ihrer Uebnzeuguag; e« I gestattet Sinter keiner Bedingung den Hintuslritt au« dem Schooß« der allein seligmachenden christlichen Kirche, uhd wie durften Sie al« Unrerthan, zumal, al« gewesener Staatsbeamte, den Gesetzen so entgegenba^deln? berücksichtigten Sie die Strafe nicht, die Sie tteffen muß? Steblitzkv: Meine Herren! Ich kenne diese«, Gesetz und die Strafe dessen,'der dasselbe Übertritt. <3« berührt mich auch schmerzlich! und bitter» ein Gesetz in unserem weisen und gerechten Staate herrschen zu sehen, da« dem Menschen seinen freien Willen raubt, da« Gewissen in Fesseln wirft m ih die moralisch^ Kraft, nach eigener religiöser Ueberzeugüng handeln zu'dürfen, lähmt. Werve ich mich aber auch willig einem Gesetze unterwerfen, da« meiner eigenen Wohlfahrt irgend wie beeinträchtigend entgegen tritt; so kann und darf |id) mich nicht eine» Gesetze fügen, da« iiei» geistige« Wdhl untergräbt, noch viel weniger au« Furcht vor leiblicher, Sttafe. Ich hätte e« für einen geistige» Selbstmord gehalten, wenn ich au« Rücksicht vor den Irichterlichen Aussprüchen, ein Leben in fortgesetzter geistiger Zerfallenbett sortsetzte. Ich habe gesetzwidrig gehandelt^ da« sehe ich wohl ein. unterziehe mich auch willfährig her über mich zll verhängenden Strafe; und wäre'sie auch! die härteste, entzöge ich mich ihr nicht, hätte ich auch Gelegenheit dazu;! — aber verpflichtet war ich7 auf Kostey meine« irdische» Glück«' meinen Geist-zu retten. Dies«« Leben gebe ich ohne Murren dem Staate hin, jene« hebe» lasse ich mir nicht raichrn. Dichter: Aber wie erbärmlich muß doch die Ueberzeugung sein, die Sie einest Glauben anschließt, der so verächtlich, der der Spielbasi de« Spotte« und de« Hohne« aller Welt ist, und Hessen Bekenner Herstoßen, auf der ganzen Erde zerstreut find und überall nur geduldet werden?! 1 Steblitzkv: Da müßte man sich ja schämen, daß der Stisttx der christlichen Kirche ein Jude gewesen, dessen große GeisteSeniwickelung des» israelitischen Glauben, in welchem er geboren, angehöstt, unh der dock nie die jüdische Religion aufzuheben ausgesprochen. Ist aber überhaupt der Hohn, der einer Sache;u Theil wird, Beweis für deren Verwerflichkeit? ist oft nicht dtt Verhöhnende »erachtungSwerther« al« der Verhöhntet — kst beso»der«, wie im vorliegenden Falle, derjenige, welker trotz de« traurigen Mißgeschick« den Gott seiner Väter, de» Schöpfer seine« Schicksal« preiset!und um Kraft z»r geduldige» Ertragung seiner Leiden bittet — ist ein solcher nicht schätzen«weriher, unserer Achtung «ehr würdig, als der im Ueberfluß Lebende, der, Anstatt von seinem großen Vor- 1 rath dem Darbenden freundlich mitzutheilen, desselben lieber spottet und höhnt? —i Richter: Ich bin hier nicht berufen, mit Ihnen jetzt eine langwellige DiScussio» anzuknüpfe». Wir wollen blo« den ganzen Tbatbestand Ihre« verbrecherische» Schritte« zu Protokoll nehmen, um darnach ein gerechte« Urtheil fassen zu können. Au« Ihrer Handlungsweise ergiebt sich erstlich: daß Sie die Heiligkeit unser« göttlichen Erlöser« in Abrede stellen, und somit herabwürvigen. . Gteblitzky: Dagegen protestird ich mit alle« Eifer. Ich verehre ihn al« einen hochgebildeten, über die damalige Menschheit weit erhabeyen Geist, der von der Vorsehung die .Fähigkeiten und die Kraft erhielt, den heidnischen Glauben stürzen zu helfen und die Lehren der Weisheit und der Menschenliebe ^u verbreiten. Ich werde diese stet« beherzigen und befolge». Richter: E« kömmt hierbei nicht auf Ihre Denkweise, sondern auf da« Factum an, daß Sie sich von der katholischen Kirche losgeriffen. Wollen Sie vielleicht diesen Schritt bereuen und öffentlich erklären, daß Sie wieder vollkommen Ehriss sein werden, so soll Ihnen alle« bi« jetzt Geschehene verziehen sein. Steblitzky: Ich werde, so lange ich lebe, diesen Schritt nicht bereuen und nicht« in der Welt wird mich dazu bewegen können. Richter: Da Sie aber Ihr verbrecherische« Leben halsstarrig fortsrtzen «ollen, so ftage ich Sie nur noch: wer von der hiesigen oder einer andern jüdischen Gemeinde Ihne» zu Ihrem UelkHriA behülfltch gewesen.«»» wer den sündhaften Act derlDeschneidung an Ihnen vollzogen habe? - Steblitzky: Ich betheure hier vor de« göttlichen und dem menschlichen Richter, daß ich d»rch eig»e« Forschen. durch eigne« reiflich,« Nachdenken zu diese« Ent--- schluffe gekommen bin. und die hiesige Gemeinde nicht nur mir keine bülfteiche Hand dazu geboten> sondern auch, nachdem ich schon Israelite geworden bin, mir die Mitgliedschaft versagte. Die Eeremonie der Befchneidung vollzog ich selbst an mir, und zwar im AuSlande unter. Aufficht eine« verständigen Israeliten. — Er sah sich zu einer Lüge genöthigt, weil er! fürchtete, mit der Wahrheit die betheiligle Person in'« Unglück zu stürzen. ISchluj ' i Notizen verschicken Inhalts. von vr. D. Joöl I» Schwerse»z. J In No. 32. de« jüd. VolkSbl. Rubrik „AphochSmr»^, vermurhet Hr. Vr. Wahl, daß der eigentliche Autwruck in der jüd. Volkssprache „Schlemiehl" von Toibv (mein Friede ist Gott) abzuleiten sei. Meine« Erachte»« beruht jedoch die Etymologie diese« Worte« auf einer waditionellen Sage. Nach Sa« he drin 82 d hat nämÜch «rfto p,. welcher wege» seiae« »ozüchrigea Umgatzg« mir einer Midianitin von dem Gvtteseiferer vtneha« getödtet worden (4. B. Mos. 25^. eigentlich gehet-

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