Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 37 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 ßen. Nach derselben Tradition läßt nun aber das Gesetz die Tödtuvg eines solchen Sünders nur als den Ausfluß unwillkürlicher Aufwallung eineglühenden-Religionseifers und Häher mir in dem Falle und in dem Momente der Ertappung desselben auf /rischer Thal' gewähren, ei» «en Augenblick später würde' der Eiferer für eine solche Thal selber mit dem Tode bestraft werden. Der Volks- Witz »ahm nun an. bx-cbo müsse ein rechter „Pechvogel," ode» wenn man lieber will, ein rechter „Schlemiehl" ge» wefen seift, dg ihn crcc im rechten Momente überraschen konnte, woraus dann die fiereotvp gewordene Bezeichnung „Schlemiehl" entstanden sein mag. Jedenfalls dünkt «ns diese Eonjectur einfacher als eine andere, nach welcher das Wort von dem engl, slam herstammen und einen slam (schlemm) oder matsch gemachten Menschen bedeuten soll. Gelegentlich möge hier noch eine Notiz über einen andern eigenthümlichen jüdischen Ausdruck ihren Platz fin» den. Es ist dies daS Wort Nirel für Weihnachten. Der Ursprung diese» Wortes ist das lat. vatale „Geburt" (vgl- Zuuz G. B. d. Juden G. 441. Anm.), auch im 'Französischen heißt das Weihnacht-fest voSl. mit Auslassung des t, ähnlich wie in psquo das a.weggelaffen ist. Eine andere Krage aber ist, woher es komme, daß außer dem Weihnachtsabende auch noch der Sylvester- oder Neujahrsabend und der Abend des Festes „drei Könige" in der jüdischen Volkssprache (namentlich in Polen) mit dem Worte nitel bezeichnet werden. Letzteres ist einfach, denn der Dreikönigsabrnd ist Weihnachten alten Styls, waS aber das Neujahrsfest betrifft, so scheint mir ein Mißverständniß obzuwalten. In Zore Dea Absch. 148. Z. 12. heißt es in «ari wie folgt: ■p*9’s “NO ‘n “3 *M-tn ct3 T-m ex yro enb tro -nx\ dn ein. fach richtige Sinn ist: „Am achten Tage nach Weihnachten. welchen (achten Tag) sie Neujahr nennen, und an welche« sie rin Geschenk zu erhalten. sie als ein gutes Omen ansehen;- allein flüchtige Leser mögen wohl die Worte “«xre-: y “117.0 V-**: zusammengezogeu und verstanden haben, daß auch Neujahr nitel heiße, was dort freüich gar keinen Sinn gäbe. A. a. O. (S. 440. Anw. d.) sagt Aunz: „Manche Wörter weiß ich nicht genügend zu erklären, z. B. be- «elech (gelassen oder sanft, f. Wagenseil Belehrung S. 308. 309), Ketowe» (Rathsel), und einige andere." — Sollte taber ersteres Wort nicht von mit Salz, i. e. mit Geschmack, Gelassenheit (nennt man doch die Feinheit im Reben, den feinen, scherzenden Ton, wie er sonst den Athenern eigen war, noch jetzt: attisches Salz!) abzuleiten sein! — Das Wort Ketowe»" bedeutet nicht sowohl Räthsel als vielmehr Spaße, und vermache ich. daß es das hebräisch-talmudische Wort ntra ist, welches die Bedeutung hat: eine andere Person aus Anlaß freudrger Erregtheit oder auch Spaßes halber auf seine Schul-! ter heben. So heißt es: JT»b ■oroia rm *0 xtott “ra an pir^ebvb xb'D'an nox «brm xmoa (3oma, 28. a, Savhedrtn 7. b.). Ferner: rrtrex rib a*0“m xnx an “rpran (Ketub 0 t 17. a). Bemerken muß ich jedoch, daß aus einer Stelle in T^fo Abschn. 265. § 11. (:opb*,p) hervorzugehen scheint, daß das Wort meep gclrfrn werden müsse (es heißt dort Jtt ffnaix Kffnm P^copr» p*i). Wäre diese Orthographie des Wortegegründet, was allerdings noch fraglich, so fiele unsere Dermuthung natürlich in sich selbst zusammen, und das LHv(t"Wurde dann vielmehr von der Radix tpp, abbrechen, t. Worte, namentlich Bibelverfe aus ihrem Zusammenhänge reißen, abzuleiten sein. — Auch das Wort „patschen" (ohrfeigen), welches Zunz a. a. O. unerklärt läßt,, scheint mir von Olla, ausschlagen, (Crubin 53. Baba Kamma 62) abzustammen. Eilige andere Notizen, »ehr lllerarifche» Inhalts, nächstens! — Anekdoten. (Aus Pascheles' Volkskalender.) Zn einer jüdischen Restauration hatte daS Mädchen, das die Speisen austrug, die Gewohnheit, sich alles Verlangte zu wiederholen mit den Worten: „Sie Huhn, Sie Kalb. Sie Riad, Sie Knödel, Sie Fisch, Sie Lmupel, und Sie bekommen ein Kopfstück" u. f. w. Jemand ließ zu Deffach ausrufen, daß er verschiedene Gattungen Weine k 24 kr., 30 kr. und 36 kr. habe. Der bei ihm gewesene Lehrer fragte: „Wie können Sie dreierlei Weine ausrufen lassen. Sie haben ja nur ein Faß Wein." — „So!" rief der Herr, „Es,lg, wenn Einer will, gebe ich auch auS demselben Faß." Der Vorsteher einer Gemeinde, der kürzlich Ehorgesavg in der Synagoge eingeführt batte, starb, und der Chor sollte singend die Leiche begleiten. Die Frau eineS Orihodoren, der ein Feind aller Neuerungen war, kam zu ihrem Mahne: „Du, mein Kind, ich habe gehört, der Vorsteher wird mit dem Ehor begraben werden." Allgemeine Zeitung des Iudeuthums. Rv. rr. 1SS6. Leitende Artikel: Polemische« ll. — vom Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. —Zeitnnasnachrtchte«: Preußen: Maqdebnra. ans WestphMe». Oesserreichischer Katserstaat: Wie», Fünfkirche». Horzitz. Frankreich: Paris. — Abhandlungen verschiede,«» Inhalts: Znr Sexicoara. vhie der talmndifch. rabbtuifche» Schriften re. — Literarische Nachrichten: Dresden. — Lorresponhenz: die Jacobsons« schale i» Seesen (Herzogthn» vrannschweig) (Schlnß.) &51 8" beziehen dnrch jedes Postamt nnd jede Lnchhandlnng. Jährlich 3 Lhaler. vierteljährig Thaler. Verantwortlicher Redakteur: K. Rabe. tner'e^nchhenvvnl« 1» triftig. — tn< von Siede t» triftig. Serie» mi