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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 35 (1856) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
35 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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ISS türlicheS leicht ertragen, iDu würdest leicht die Depgangenheit vergessen und Dich in daS Herb« der Gegenwart schicken können. Denn ddr wahrhaft Weise ist im Stande, das äußere Glück während der Zeit seines Besitzes zu nützen, bei seinem Verschwinden aber sich in ruhiger Entsagung darüber zu erhaben. Doch zurück zum Salomo. Endlich dachte Salomone Ich bin hier fremd, woher auch sollen diese Leute wissendaß ich ein König bin? Gehe ich-nach Jerusalem zurückdort wird y»an mich kennen, dort wird eS mir besser gehen. Er wandert nun und wandert und erreicht endlich seine frühere Residenzstadt. ES war eben Mittag usid Salomon hafte großen Hunger. Da geht er geraden Weges nach seinem Palaste, schellt am Thore und begehrt Einlaß. „Wer schellt?" fragte der Pförtner. „Ich. der König!" Da lachte laut der Pförtner und' schalt tyn; einen Narren pnd hieß ihn weiter gehen. Salomon aber stieg daS Blut zu Stopf ob solcher Behandlung. Er schrie, er tobte und lärmte und machte Skandal, daß er den Schenken vom Mtttagsschlaf aufweckte. „WaS soll dieser Lärm?" fragfe er den Pförtner, und der antwortet. „Mein Herr! da draußen steht ein Mann, nackt und bloß, giebt sich als König auS, begehrt Einlaß und wird grob, weil ich lhm^ nicht die Pforte öffne. Und daS Volk ist hinter ihm i^nd hält ihn zum Narren." — „Laßt ihn herein," sprach der mitleidige Schenke, „verschafft ihm auch ein dürftig Kleid, daß er seine Blöße bedecke." Salomon aber zog den Schenken bei Seite und fragte: „Du wirst mich doch erkennen, mein treuer Diener, wenn auch Allemich verstößt und ein unerklärliches Derhängmß mich von Hof und Gut-vertrieb? Gedenkst Du nicht jener schönen Tage, die wir gemeinsam bei Sang und Klang verlebten; erinnerst Du Dich nicht der vertraulichen Reden, die wir gepflogen, der geheimen Befehle, die ich Dir ertheilr, und wie ich auf Deine Vor« schläze hörte, wenn Du DieS und Jenes als meiner unwürdig erklärtest?" Der Schenke brach in lautes Lachen auS. „Alles wahr," waS Ihr da saget," versetzte er, „doch daS muß der Teufel Euch inS Ohr geblasen ha» ben. Hier aber seid Ihr und wäret Ihr niemals König. Seid so gut und gehet Eure- Weges und sucht Eure Unterthanen anderSwo apf." So sprach er und wieihm die Thüre und als er Picht von banne» wollte, eilen die Diener herbei, ergreife»l ihn. um durch solche Heldenthat deS Schenken Gunst fich zu erwerben, beim Schopfe, werfen ihn zum Palaste hinaus und schlugen die Pforten desselben hinter ihm zu^ daß eS weithin klirrte. Traurig, mit gebrochenem Herzen und niedergeschlagenen Blicken durchwandelt er nun die Straße Jerusalems. Ueberall dieselbe Verachtung, derselbe Spott, dieselbe Beschimpfung. Nur zwei Personen erkannten ihn: ein Reicher und ein Armen. Beide luden ihn zur Tafel eia. Der Reiche sprach während deS EffenS: „Mein Herz im Leibe blutet mir, Dich-in solcher Lage zu sehen. Wahrlich, eS kann keinen Unglücklicheren gelben, als Du bist. WaS warst Du gewesen und waS bist Du jetzt!" Solch' Rede schmerzte abes den unglücklichen Mann noch mehr, erfand auf und ging! von dannen. Ddr Arme aber suchte ihn zu trösten und sprach: „Habe Geduld undertrage Dein Geschick mit Ergebung in den Willen TotteS. Schon manchem Menschen, der stch ewig verloren glaubte, wurde unerwartet geholfen, tzch fühle eS, auch Deine Lage wird stch ändert«, so wenig eS^ auch gegenwärtig den Anschein bat." ' Trotz deS Beistandes u«d der Worte ta| Liebe, die er im Hause dieses armen ManneS gefunden, wurde ihm der Aufenthalt in Jerusalem je länger, öe mehr verleitet. Hier an dem O^rte feiner emstigeo Herrlichkeit vost seinen eigenen Dienern geschmäht, di« einst auf den Knieen vor ihm lagen und seines WtnkeS gewärtig waren, solche Schmach zu erleben, ging! über feine Kräfte. Er ging bettelnd fort, kam nach Amdn- Hauptstadt, und ging, von Neugierde, Hunger und vom Bewußtsein der Ebenbürtigkeit getrieben, in daß königliche Schloß. Um ins Lauere desselben zu kommen, drängte er sich zu den Dienern herbei, erbot sich zu Dienstleistungen, schleppte Holz herbei, pumpte das Wasser, reinigte die Küche und erbot sich, allenur Mögliche zu leisten, wenn ihm der Koch die Ueberdleibsel von der königlichen Tafel reichen wollte. Der Koch bedurfte gerade tineß Gehülfen und nahm das Anerbieten an. Da im Laufe dn Zeit der Hofkoch wahrnahm. daß in diesem Holzftäger eia besserer Geist als man gewöhnlich bei solchen Leuten findet, wohae, er stch überall gewandt und brauchbar zeigte, auch viel von der Natur der Speisen, der Pflaiizen und Thiere zu erzählen wußte, schenkte er ihm ein immer größere- Vertrauen, befreundete sich zuletzt mit ihm und gewährte chm sogar die Bitte, einmal ganz , allein dem König die Speisen zuzuberetten. Dem König aber mundete die ne^ Speise so, daß er die ganze Woche hindurch dieselbe Speise genießen und nur solche Speisen kosten wollte. Und als er erfuhr, daß ein fremder Mann ste zubereitete, ließ er ihn vor sich, kommen, stellte ihn als Koch an und befahl,; ihm in der. Folge nur die vom neuen Koch hergertchleten Speisen vorzusetzen. Der König aber hatte eine wunderschöne Tochter Noemi mit Namen. Ihre Schönheit war weit und breit im Lande gepriesen.. Von allen Seiten stellten stch Freier ein. doch keinen wollte ste zu ihrem Ma»ae erwählen. Kaum aber hatte ste»Salomon erblickt, so war sie auf- Heftigste in Liebe zu ihm entbrannt. Sie «vollte durchaus von keinem andern Bewerber um sie hören, sie wvllte Uff ber sterben, als Salomon lassen. Der Mutter Einwilligung batte ste endlich auch erlangt, aber der alte Vater wollte durchaus Nichts von solch ungleicher Heirath hören, und als ste mit ihren Bitten und Thränen nicht Nachlassen wollte, war er im Begriffe, sie Beide umS Leben zu bringen. Nur der Mutter dringender isiiasprache gelang eS, den erzürnten Vater zu bewegen, daS TodeSur« theil in eine Verbannung in die Wüste zu verwandeln. Also ein neuer Schlag für Salomon. Hunderkfache- Ungemach erwartete^feinep in der öde«, brennenden Sandwüste. So sehr juiige Weib ihren Rann auch tröstete und jvfij zu sein vorgab. wenn ste pur mir ihm sterben könne, fühlte'Solomon doch jetzt «ehr, als je, die unerträgliche Bürde ftine- Geschickes. Da durchstrahlte, wie ein Blitzstrahl in schwarzer Nacht, ihn der Gedanke, daß ja Gott gütig, barmherzig und voller Huld sei und daß er nie dainnige! Gebet seiner Kinder verschmähe. Er fiel auf die Kniee nieder, hob die Hände gen Himmel und beftte mit Thronen in den Augen : „Ewig guter Vater! Ich fühle und erkenne, wie Du Gewalt hast über alle Geschöpfe der Erde, wie Deine allmächtige Kraft er-

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