Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 35 (1856) · p. Seite 140

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
35 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999341-6000759--0762-4909442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

höht an» erniedrigt, auf den Thron erhebt and in den Jtotty roit^t, wie Macht, Ehre und Reichthum Nichts find vor Dir. , O. daß ich'« so spät erkenne, daß ich jetzt erst mein Unrecht fühle. Wie gern wollte ich all^n denen bei. stehen, welche wir ihren Kummer klagten, wie gern die Schwachen und geringen stützen, nw mehr würbe die Winzigkeit meiner Erkenntnisse mich stolz aufblähen! Ach. Herr! gnadenroller Sott, erhöre mich! Schenke mir ivieder Dein Wohlwollen, wische die Schuldenlast von meinem ,'Lwn darnietergedrückten Gemüthe, verzeihe, Gott, verzeihe!" Und Gott erhörte ihn. Er lenkte seine Schritte nach einer Meeresstadt. Hier bot ihm ein Weib einen Kisch zum Verkauf an. Salomon öffnete ihn und fand in demselben — welche Ueberraschung! — jenen Ring wieder, den der schlaue Afchmodai ihm genommen. Kaum hatte er ihn an der Hand, da erhielt er seine frühere Gestalt wieder, und war so blühend, so gesund wieder, als wäre ibm nie ein Leid widerfahren. Selbst der ..heilige Geiß" m -ruhte wieder auf ihm und er fühlte die Schwingen seines Geistewie neu belebt. (Sr eilte mit Noemi nach Jerusalem, betrat den Sitzung-, saal des Sanhedrin, kündigte sich den versammelten RLrben als den wahren König an und erzählte ihnen Alles, wie es sich begeben und was er gelitten. Ter Sandern» entschloß, sich, »if Sache zu unterst»' chen. Sr lud den Beaajah zu sich und fragte ihn, wie sich der jetzige König gogen lbn benehme? Die Antwort war: ..-Der haßt mich aus eine unerklärliche Weise und will mich^ feinen treuesten. Diener, seinen so viel erprob, ten.Keldberrn. nicht einmal vor sich lassen und mir nicht einmal den Grund seiner Ungunst aazeigen." . Hierauf schickte er zu den Frauen deS Königs und fragte sie, ob ste nicht häufig vom jetzigen .König Besuch erhielten und dessen Füße gesehen hätten. Die Frauen erwiederten: ..Der König besucht uns wohl^mrhr als gebührlich, feine Füße konnten wir aber nicht sehen, weil er sie immer umhüllt batte." Nun erkannten die weisen Ratbe die Richtigkeit der Angaben Salomons und sübrten*ihn wieder in seinen Palast ein. Kaum erblickte Afchmodai die Fußtritte Salomons. als er die Flucht ergriff und nch nicht mehr den ließ. Salomon verblieb aber von dieser Zeit an eine solche Furcht vor den Geistern, daß er stch 60 Helden nächtlicher Weile am sein Bert stellte, alle schwertumgürtet. ein Jeglicher das Schwert an seiner Hütte. Eine schöne Zeit saß nun Salomon wieder aus feinem->Thron. da lud er den König und die Königin von Amon, dieselben, bei denen er einst den Posten eines Koches einnab«, zu einem Besuche ein, und das Königspaar willfahrte dieser Einladung. Bei dem Mahle, als Alles frohen Gemüthes war. sagrr^Salomon zu ihnen: „Die steht es, König von Amon! um das Gerücht, daß Du zwei Personen, darunter Deine eigeneTochter. hast ermorden lassen?" -- „Bewahre Gott!" versetzte der König. „Ich habe sie nur zur Verbannung veruriheilt und aus dem und dem Grunde." Salomon entfernte sich darauf, ging in sein Nebenzimmer, zog sich und Noemi jene Gewänder an.^Lir Beide einst am Hofe trugen, erschienen dann vor den amonüischen Herrschaften und fragten, ob »an sie nicht kenne? Die im höchsten Grade erfreuten Eltern brachen in lauten Jubel aus, fielen Salomon und der Tochter um den Hals und hatten nun einen Kumwer^veniger, rvegen der schon längst als todt geglaubten Tochter. tftoerfftunA folgt.) Anekdoten. (9s« Paschele«' Dolkskalender) Zu dem alten Rabbi Eleasar Flekeles kam ein ftom- «er wohlhabender Mann, Klage führend, er habe einem gewissen N. B. aufgetragen, für ihn zu fasten, wofür er ihm 1 fl. bezahlt, und als er Mittag seine Magd zu ihm schickte, er möchte in der Synagoge za brm zur Zeit erscheinen, fand sie ihn mit feinen Hausleuten beim Mittagessen sehr eifrig beschäftigt. Der Oberrabbiner ließ den Beschuldigten rufen, und fragte ihn. wie er für Fasten Geld annehme, und stch unter den Fastenden zu bm brauchen lasse, wenn er Mittag gut esse. „Za Rebe leben." erwiederte der betroffene arme Mann, „wenn ich nur für ihn allein zu fasten hätte; ich habe aber noch von sechs Personen zu fasten angenommen, das halt' ich nicht aus." Einer verklagte Jemanden beim Rabbiner, weil er ihm nicht seine Schuld bezahlte, sondern noch falsch bei seinem -Leben geschworen: „Bevor Samstag fein wird, würde ich mein Geld haben." — „Gut," sagte der Rabbiner, „erbat geschworen, „bevor Samstag sein wird, würden Sie Ihr Geld haben, weil er gleich gewußt hat, sein Geld werden Sie nicht haben." Ein alter armer Mann pflegte alljährlich vor den Peffach-Feiertagen seinen reichen Schwesterfohn zu besuchen , welcher ihm, ohne daß seine Frau bc*a davon wissen durfte, eine standesgemäße Gabe verabreichte. Einst hatte er daS Mißgeschick, za einer Zeit zu kommen, wo der Hausherr nicht za Harsse war. Die böse bjra, nicht allein daß sie ihm aichts gab, überhäufte ihn noch mit Schimpfreden. Da sagte dxr Alte: „Ein Sprichwort ist, alle Viayö sind häßlich, alle bera find böse; nun warum heißt Ihr btt-a und nicht Virre, weil Ihr mehr böse alS häßlich seid, nehmt Euch einen Spiegel and Ihr werdet sehen, wie bös Ihr seid." Zeitnng des Jndentb»»». Ro. re. <866. Leites»« Artikel: Bet«lst»achssssd Asfforderssg. — Ce* Institut der israelitischen Literatur. — Berichte eines Reisendes ans Rnßland.— Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin. Oestrrreichischer Kaiserstaat: Bene schau. Lemberg, ans Obernngarn. Volechvw. — Literarische Nachrichten: Frankfntt a* Main. Jtä" 3« beziehe» durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 8 Lhaler. »ietteljährig % T Haler. Beraattvortlicher Redattenr: K. Matze. »erl«, m, ea«M|irtK'r < — Cnuf ms llrfsattr Ste»c tn Mw«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.