Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 35 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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138 ..Diesen Wunsch kann ich nicht erfüllen/' erwiesen« Aschtnoljat, „denn »er Kürst deS Meere» hat ihn einem Auetzhahn zur Verwahrung gegeben, und damit er ihu gebbrij verwahre und in Achte nehme, den fürchterlichsten z§iv Ider Treue. d<n wir Geister nur haben, schwören lassen/1 — „Und wohin hat ihn denn der Auerhahn gebracht?" fragile Salomon weiters „Der Auerhahn," versetzte Aschmodgi. „schützt so gewissenhaft da» ihm anvmraute Pfand, daß er nie auSfliegl. ohne ibn mitzunehmen.'" Wieder ließ Salomon -den vielbewährten Benajah zu sich kommen, gab ihm die nölhigen Befehle, um drtfAufde» Auerhahn» zu erspähen, und die erforderlichen geheimen Mittel dazu. Nach vielen Wanderungen entdeckt^ Benajah arrf dem- Gipfel eine» hohen Berge» das Nest jene» Doge!» »und seiner Zungen. Zugleich nimmt er ei «e dicke gläserne Glocke und legt sie darauf. Bald dara> f kehrt ftr Auerhahn zurück und will zu seinen Zun» gen. Ar dreht an der Glocke hin und her. er rüttelt und 'chüktelt daran, allein die Glocke ist nicht von der Stelle zu bringen. Er-versucht da» Glas durchzupicken, vergiben». Da» Gla» ist so hart wie Marmor. Ersinnt hin >nd her. seine Zungen bitten und weinen' da fällt ihm ein. daß er mit Hülfe de» Schamir» die Glocke durchbrech n könnte. Schnet-brachte er ihn hervor und setzt ihn un das Gla». Kaüm batte aber da» Benajah entdeckt al» er flug» au» dem Gebüsche hervorrilt, ihn durch Schr:ien verscheucht, darauf den Sckamir nimmt und nun — all 1 alle er das kostbarste Kleinod — geflügelten Gange» nach Hause kehrt und ihn dem erfreuten König überreicht. Doch ach! der arme Auerhahn'. Der entleibt sich. Er wollte nicht leben mit dem Bewußtsein, .die Treibe und den Schwur gebrochen und feinem Geisterfürsten mißfällig geworden zu sein. <frun ward eifrig an dem Tempel gebaut, und er in kurzer htit mit seltener Pracht und Schönheit - vollendet. Alle Geister waren dabei zu Diensten Satomon». Aschmod«. den Salomon in Fesseln legre, und der.ibm deshalb ganz zu Willen sein mußte, erthrilke die nöthigen Beselle, und wa» Salomon nur immer begehrte, da» wurd: ihm von den geheimen Dienern schnell gebracht. Wa» Wunder, daß da Salomontz Reichthum Alle» übertraf. >wa» nur das A^lterthum gehabt und gesehen. Doch Schate, daß Salomon durch diesen Reichlhum und die unfehlbare Gelegenheit, sich' Alle» verschaffen zu können, wonach'da» Her; nur gelüstete, seine frühere Anspruchslosigkeit. Bescheidenheit und Gottesfurcht verlor. Er dachte nur an Bergnügungm und Sinnengenüsse. Es wurden Badereisen unternommen, schöne Villen und Paläste gebaut, Speisen aus allen vier Welttheilen herbeigeschafft. nach den seltensten und feinsten Kleiderstoffen gespähet. Sänger und Sängerinnen gesucht und besoldet und dabei mit Hochmutb und Verachtung aus die minderbegünstigten Menschenkinder herabgeseben. Dennoch brachte ihm sein Genußleben nicht volle Beftievigunz. er trachtet« immer auf neue! Genüsse, und wollte seine Macht, seinen Einfluß, 'feinen Reiwthum immer mehr erweitert sehen. Einst, a!» .er in neuen Entwürfen zur Vergrößerung seines Güter vertieft war. sprach Aschmodai zu ihm: „Lieber Köniz! Wolltest Du mich meiner Fesseln entledigen^ so daß ich ungehindert meine volle Kraft üben könntze, so wollte 'ich Dir Dinge zeigen und Dinge lehren, die noch kein menschliche» Auge gesehen, kein menschlicher Kopf ersonnen, keine menschliche Hand geübt." Da hatte denn Aschmodai den besten Fleck berührt. Salomon, in der Hoffnung, der Welt ein neue» Schauspiel vorführen, neue» Aufsehen erregen und von flch reden machen zu können, nahm ihm sogleich die Kette ab und überreichte ihm den Zauberring. Da erhob sich Aschmodai in seiner ganzen Größe, ergriff in Fiebergluth den Zauberring und — warf ihn in» entfernteste Meer, Salomon selbst aber schleuderte er mit solcher Macht in die Luft, daß er 400 Meilen von Jerusalem zu Boden fiel, Aschmodai nahm selbst' die Gestalt de» König» «n und schlug aller Augen so mit Blindheit, daß Niemand bezweifelte, er sei der wahre König und sei e» immer gewesen. Wie ging e» aber Salomon? Ach, der war jetzt sehr unglücklich, denn nirgend» erkannte man, wer er eigentlich sei, nirgend» gab man ein Zeichen der Ehrerbietung gegen ihn. Wo er sich hinsttzen wollte, hieß man ihn aufstehen, überall schimpfte und schmähte man ihn. Salomvn wußte sich diese Verwandlung gar nicht zu deuten. „Seid Zhr trunken." fragte Salomon seine Umgebung, „daß Zhr so verächtlich mir mirverfahrt? Wißt Zhr denn nicht mehr, daß ich Salomon, daß ich ein König bin? — „Wa», rin König? Ihr ein König! Ein Bettelkönig vielleicht," höhnten fie. „Wessen König seid Zhr denn? Und wo ist da» Reich Euser Majestilk^^So spottete man seiner, und wenn er fortging, da liefen ihm die Leute nach und schrien: „Ei, der König, seht den König an!" Ach, wa» Salomon bei diesen Worten fühlte, wie er schluchzte und seufzte! Er gedachte, wie er einst so glück- ' »U4., iip Besitze von Gütern und Rrichthum, von Macht und Herrlichkeit, von Genüssen und Freuden und beneidet von seinen Mitmenschen stolz und zuftieden hemiederblickte in den Schoß de» Ueberflusse». Und nun hatte ein unerklärliche» Geschick so unerwartet ibn von seiner Höhe her» abgestürzt. Alle seine Herrlichkeit war geschwunden, bingesunken waren die Güter de» Glücke», auf die er baute und vertraute, fort jene schmeichlerischen Freunde, die sich sonst um ihn drängten. Allein, verlassen, arm steht er nun da. al» ein traurige» Zeugniß der Vergänglichkeit de» menschlichen Glücke». Wäre er nie in jenen glücklichen Verhältnissen gewesen, er könnte sich auch jetzt noch, glücklich fühlen. Die Genügsaxikeit und stille Zufriedenheit, die in so mancher Hütte wohnt, könnte auch in fein Herz einzieben; eine einfache Kost, ein schlichtes Gewand, ein schützende» Obdach, da» er durch Fleiß und Arbeit sich auch in seinen jetzigen Verhältnissen hätte verschaffen tönnen. reicht ja hin, bei gutem Gewissen die Schätze der Reichen zu ersetzen. Aber wte konnte er vergessen, daß er einst in glänzenden Umständen gelebt, daß er in den prachtvollsten Palästen gewohnt und in die kostbarsten-Gewänvern sich gekleidet hatte, daß er einst im Ueberflusse geschwelgt und an der Tafel der Sinnlichkeit sich gesättigt batte? O Thor — möchten wir ihm zurufen — wärest Du früher weise, genügsam, mäßig gewesen, hättest Du ftüher im Besitze des Ueberflusse» Dein Herz nicht mit aller Macht an diesen gehängt, hättest Du eingesehen, daß ja alle diese äußeren Güter de» Leben» nur ein falsche», trügerisches G^ück dem Menschen darbietea, Du hättest dann Deine Seele, Dein innere» Glück gerettet, Du würdest den Untergang aller jener Herrlichkeit al» etwa» Na-