Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 34 (1856) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
34 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/4908862-5999341-6000758--0756-4909437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

noch ihren Pchutzgeist. Denn der Zigenfter sich ei« musikalische» Vergnügen beraten will, so fpielt er Eompo» sttionen von RLzsavölgiyi (oder wie er zu sagen pflegt, von seinem „Uarkus düäi") und selten bleibt dabei die Thräne für den verblichenen Meister au». Sämmtliche noch lebende Naiional-Mufiker die» iStaM^ meö, die einen klangvolles Namen führen, al»: Gibrüber Patilüru», Surközi, Karkg», Look u. a. ni. — waren seine Zöglinge, mir denen n i oft in ihren Geburtsorten Monate lang zubrachte, sehr! häufig seine «iigenen Familienrücksichten hintansctzend. DaS „8irva vigad s Kagyae" ist derl Grundton seiner Schöpfungen. Wäre er i >'S ferne Ausland gegangen, gewiß hätte er auch in de, , verfeinerten Äesellschaften von Pari-, London u. s. w. len reichsten Beifall geerntet; aber vollkommen gewürdigt— verstanden wiäre er dort kaum geworden . . Für Ungarn war er der Bäranger der Musik. Er sprach zum i Zolke, und da» Volk faßte die beredten Töne der Geige seine- Liebling-virtuosen so auf, wie Worte, die vom Harzen zum Herzin geben. Darin ist R. noch heute unüber restlich, und hi^r liegt der ganzeeigenchümliche Zauber se ner Erscheinung. Der gefeierte Petdjy besang den dahingeschiedenen VolkScompvsiteurin einem größeren Gedichte, wo der Geist') der magyarischen Musik >eschilvert. so wie auch die nicht sehr glänzende Lage de» unsterblichen Tonkünstler» in sehr poetischer Weise de, Nation zum Vorwürfe gemacht wird. *) Daß die Auffassung r sin ungarischer Mnsik. in der sich neuerer Zeit so viele junge Lirtuoieu vergeblich' versucht haben, in der Tbat nicht» Gering» ist — daß in der ungarisch«, «ationalmusik ein Stück Pari »nalgesLtchtelliegt. beweisen die unübersetzbare» Stellen er»> hnte« Petöjy'sche« Gedichte«; ..Egyazer emdors osak rnagyae, mikor a Küiet, szivel, neplölli a muzsika, Könnybe l&bad a ket szeme olyaokor, Eszebe jut a sir ilmas hajdankor, Es mikor mir k busuUuk magunkat, Megfeszitjük lelliunket es karunkat; Akkor aztin bizii kezdUnk magüokba: Hogy telik meg mi tölUnk nagy munka, Hogy kivirit mi; a tnagyar oep fija 'S lombjait majc islen, eoiber ciodalja.“ Notizer^ des Tages. Der Chacham. Dlaschi von Konstantinopel (Oberrabbiner) hat in Verbindung mir >en Noiabtlen der Gemeinde, die zwischen 70—100,000 Seelen faßt, ein Eircular an alle türkis«! je Gemeinden e 'lassen, um da- Synagogen- und Schulwesen zu ordnen/ und eine gewisse Bildung, insbesondere > uch die Erlernung der türkischen Sprache zu erwirken. »>vtt gebe, daß t» nicht bfo» auf dem Papiere bleibt. — Zn der Schweiz Hst der DundeSrath beschlossen, den Israeliten der Eantone, in welchen solche wohnen, Bürgerrechte zu verleiben u» d die' anderen Kantone zu nöthigen, jene al» Bürger ju behandeln. — i Zn Zena ist ein Ifsaelit, ve. Leub,scher, al» Profeffor und Director der Klinik angestelltl worden. Mit dem ersten Msn hat da» Institut zur Peförderung der israelitischen Ptrratur sein zweite« Jsihr begonnen. 2a seinem erste» Jahre HM dasselbe 20,00v> Exemplare selbstständiger Schriften und 16,000 Eremplare anderweitige Schriftstücke iu die Hände de» Publikum» gebracht. Die Berichte über da» Abonnement zum zweiten Jahre lauten sehr günstig. Bekanntlich ist von den Juden Ungarn», 1,000,000 Gulden zu Schulzwecken zusammengebracht wllrden. Rach herabgelangten Verfügungen soll dafür ein, Rabbiner- Seminar, mehrere Lehrer-Seminare und Muster-Hauptschulen angelegt werden. — In Meiningen und Bayern liegen den Landständen Anträge auf neue Gesetze, Betreff» der Juden^ vor. Wenigsten» der Letztere enthält bedeutende Verbesserungen, aber die Stände werden kaum' so lange zuftmmen sein, um den Antrag zu bernthen. — In Rußland feiern die Juden Friedea^fqste auf-Are loyalste und herzlichste Weise. Kleine Berichte. an Die vormals Kaiserlich freie Reichstadt Go-k^r, welche sich so mannichfaltige geschichtliche Erinnerungen knüpfen und die auch noch' jetzt einen großen Reichthum an Ueberbleäbseln au» ihrer Glanzperiode besitzt, gehört» wie zu den ältesten Städten Deutschland», ko auch zu denen, welche am längsten von Juden bewohnt worden sink. GoSlar hat sich stet» durch eine große Toleranz au», gezeichnet und verdient auch noch jetzt in dieser Hinficht alle» Lob. Schon 1348, also in den intoleränteften Zeiten de» fanatischen Mittelalter», zeigte sich Idiefe Stakt von jener rühmen-werthen Seite, indem sie, Während bei der damals in derselben »Md in der Umgegend herrschend den Seuche sich die erbittertsten Verfolgungen gegen di« Juden erhoben, welche der Urheberschaft dieser Krankbels durch Vergiftung der Brunnen beschuldigt churden. si«ß gänzlich von solchen Grausamkeiten ferne hielt und auch in den späteren Jahren, wo die Pest ganz Deutschland verheerte und die sogenannten: Flagellanten auch! in Go»l»r ihr Unwesen trieben, sich keinerlei Unbilden äegen die an so vielen anderen Orten der Duth de- Pöbel» preisgegebenen Juden erlaubte. > Im Jahre 1358, also kurze Zeit, nachdkm die Pest ausgeras't hatte, wurde denselben sogar ein Begrlbnißplatz vom hiesigen St. Georgenbergskloster■ eingeräumr. döch erhielten fie erst im Jahre 1608 die Eilaubniß, in der Stakt zu wohnen und ihre Synagoge innerhalb derselben zu erbauen. v Nur ein einzige» Mal zeigte auch .Goslar di« Spuren eine» fanatischen Zeitgeistes nämlich während! de» dreißigjährigen Kriege»^ roch_^vdrdr auch damai» der durch Noth und Krieg in Aufrupr gefetzte Pöbel an feistem Vorhaben, die Häuser, der Sg*«»1 zu plündern, durch Einschreiren der Beh-rden alsbald verhindert. > Jetzt wohnen am hiesigen Orte 14 Famjlien israelitischer Religion^ welche sich meisten» durch! Handel ernähren.. Außer Peine ist Goslar die einzige Stadt im Königreiche Hannover, wo ein Jude zu einer höheren Stelle im Staatsdienste gelangt ist, nämlich der Registrator und Revisor Schlesinger, nachdem derselbe früher da» Lehreramt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.