Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 34 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4908862-5999341-6000758--0757-4909438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
136 bei der hiesigen jüdischen Gemeinde bekleidet hatte, ein Umstand, her gewiß alle Beachtung verdient, und auf die Intelligenz' der Stabt wahrlich kein ungünstige- Licht wirft. - Weder der alte Tempel, noch der alte Gottesacker befinden sich mehr im Gebrauche; hingegen werden noch manche Reliquien und Dokumente, die stch von denfrü« besten Zeiten an über die Geschichte der hiesigen Juden, sowohl in den Ärchiven deö RakhhauseS, als in den Händen von Privatpersonen befinden, dem Forscher nicht uninteressante und unwvrthe Beiträge zur Geschichte des JuventbumS liefern. — M. Katzenstein. Blumenlese. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinu». gen. wie Erklärungen von Schriftsteller» aus hebräischen Werken. ^Bon Joseph Rawicz in Breslau. 2^^^, «in Mann von 122, machte sich einen Besuch bei seinem Lehrer, zur täglichen Pfiicht.' Als er alt wurde, wollte dieser ihn davon entbinden. „Möge sich mein Herr nicht ferner bemühen, die altersschweren Schritte bieher zu lenken." — „Ist es denn aber eine Kleinigkeit," entgegnete R. Jakob beharrlich, ^,waS eS von den Gelehrten anspiehmgsweise beißt: lind der wird ewig leben. wird nickt die Hölle sehen, wer die Weisen sterben sieht. Psalm 49, 11.- Wenn die Todesstunde eine- Gelehrten für den Zuschauer so. heilbringend ist, wenn die Ruhe und.Ergebung, die sich über daS ganze Wesen des Scheidenden verbreitet, bei dem Zurückbleibenben dos Gefühl seiner Würde, seines unsterblichen GeisteS weckt und stärkt, welches GlückeS wird der theilhafrig, der des lebendigen Umgangs eine« Weisen pstegt, und durch Hn zur glänzenden Sonnenbahn seiner Bestimmung geleitet wird!" Drei, .bemerken die "psi, erregen beim Aller heiligsten bald tbeilnehmknde, bald strafende Aufmerksamkeit. Der, dem die Verhältnisse es gestatten, sich der heiligen Lehre zu besteißigen, und es unterläßt, der, der hierbei auf Hindernisse stößt, und sich dennoch dieser Pfiicht unterzieht, und ein Vorsteber, der sich mit Stolz und Hoch» »nurh gegen die Gemeinde benimmt, und den Bedürfnissen derselben gegenüber nicht Gemeinsinn, sonderrr^gemeinen Sinn an den Tag legt. Der Vorsteher sei die Maschine, lssffe sich aber durch -daS Volk bewegen. — T::r: -p rs:rr "ihatte. Zurritt bei einem Kaiser^ In dessen Gesellschaft befand sich ein om?*sN,. m mir Jenem ei l Gespräch in Deutungen und Winken über di« Juden i knüpfte. „Diese- Volk, daS auf feinen Glauben, auf die ige Gerechtigkeit feines Gottes so stolz ist. scheint, wenn Man seinen Zustand betrachtet. bei diesem Gott in Ungnade g fallen zu. sein; der Herr hat sein Angesicht und damit daS Gluck von ihm gewendet. Gott bat kein Gefallen mehr an efem Volke, ungeachtet *78 VorgebenS ihm zu Gefallen zu lejben. Der Vernünftige siebt eine solche Wendung der Gunst nicht mit Gleichgültig?,it an, erblickt vielmehr in dem verkehrten Verhältnisse fein verkehrte- Berhältniß. und kommt zu der Einsicht und Wahrnehmung, daß er einer besseren Gestaltung der Lage und einer glücklicheren Stellung der bürgerlichen Gesellschaft in dem Maße unfähiger wird, als die Veränderung seine- Glauben- und die Veredlung seines absondernden Benehmens nicht fein herrschendes Streben bildet."—„Noch offenbart sich un- Gotte- Wunderkraft!" erwiederte ihm der heftig Angeredete. Die vielen Netze mit mannichfalrige» Fäden, Stricken und Verknüpfungen, die sichtbar und unsichtbar gestellt sind, uns zu verderben — verderben. Wir wissen und fühlen eS, die Menge unserer Feinde, Unterdrücker und Werkzeuge, wie Helfershelfer der Gewaltthätigkeü ist unendlich, sie vermag aber nichtgegen den Unendlichen! Sein mächtiger Arm wallet noch schützend und erhaltend über uns, hält unmit dem Bande seiner väterlichen, Fürsorge in Ost. West. Süd und Nord zusammen, um unsere- Eiferwillen für die mit ihren ewig leuchtenden Wahrbeiten auch die unumgarnenden Völker beglückende heilige Lehre." — Der Kaiser, der dieser Unterhaltung seine Aufmerksamkeit geschenkt, frug den R. Jehoschua, „was deutete er Dir?" —^ „Daß zwischen unserer Lage und der Liebe Gottes k-i»e Uebereinstimmung herrsche, und daß es mit der Richtigkeit unserer Religion demnach nicht seine Richtigkeit Hecke." — „WaS hast Du ihm geantwortet?" — „Daß wir in unserer Erhaltung die Hoheit der göttlichen Gnade erkennen und daß wir uns unter dem Schutze deö Allmächtigen gerüstet füh- .len, allen Versuchungen zu einem Schwanken in unserer reinen Ueberzeugung standhaft und beharrlich entgegenzuwirken." Hierauf wandte stch der Kaiser zu Jenem. „WaS deutetest Du ihm?" — „Ein Volk, dem der Herr seine Freundlichkeit entzogen, und, aller Wahrscheinlichkeit nach dessen Glauben ein solches Schicksal erheische." — „Was gab er Dir zur Antwort?" — „DaS . . . daS . . . weiß ich nicht." Der Kaiser wieihn von sich: „Ein Mann, der keine Einsicht fn dem hat, waS man ihm zirgt, und nicht weiß, was man-mit ihm spricht, ist kein Gesellschafter für einen Kaiser." Er wurde entfernt und hatte die Ungnade des Kaisers zu büßen. AlS R. Jehoschua vom Leben Abschied nahm, Hörle man allgemein die Klage, „wer wird für uns jetzt gegen die Epikorßim in die Schranken treten?" Man tröstete sich mit Jirmeja 49, 7. „Verloren ist dec Ra'tb den Einsichtigen, vervorben ihre Weisheit, fehlk's hier an Aach, fehlt'S dort an Klugheit zum Angriff;" oder mit' dem ermunternden und begeisterten Rufe 1. B. M. 33, 12. „Und er sprach: Laß uns vorwärts schreiten, daß ich Dir zur Seite gehe, mit Dir gleichen Schritt halte!-" — Allgemeine Zeitung des JudentbumS. Ro. Sst. <856. Leitende Artikel: Spanien.— Bon den neuen Gebetbüchern. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worms. Großderzogtbunr Baden. Grcßberzogtbu» Baden. Preußen: Berlin. Schweidnitz. Hirschberg. Emmerich, aus der Provinz Pose». Oesterreichischer Karserstaät: Prag. Nachod. — Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Historische Apbori-men von vr.ssarmclv. )tg' Zu beziehen durch jede- Postamt und jede Luchhautlunz. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährig '/« THaler. Verantwortlicher Redactenr: K. Rabe. Bering »»» CaumgJttnf r-* Su<WMB»unj in 8ei»jig- — Druck vop Alexander L ied» in Seip,ig. i