Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 31 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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12$ begnüge, den heil. Vater während der nächst stattzufin» denden Audienzen zu sehen, »nd zu copiren. Zu Michaeli- 1850 waren bereitalle Vorkehrungen getroffen , und noch am selben Tage hatte <8. die hohe Ehre, den heil. Vater zu sprechen. ES war im Aädienzsaal deS Vatikans. Der reiche, golbfchimmernde Thiionseffel stand zur Audienz bereit. Vor diesem ein Tisch mit einer Samweldecke. deren reiche Goldt^oddeln sich auf einem kostbaren Fußttppich brachen. Aus! diesem Tische war ein elfen» beinerne- Kreuz von köstlicher! Arbeit, daneben ein Schreib» zeig von purem Golde, Däne. Federn . . . Und zwei Schritte von diesem Throne,jaus dessen Stufen schon Tau» sende von Bittenden in ehrksircht-voüer Deazuth ihr Knie beugten, stand hinter einer'leichten Tapete von goldbor» dirter Seide „der arme, ku^fientbrannte Judix — vor dem *tzroßen Vicariude- Jahre-! 1850!" Bei dieser Gelegenheit leitete der Papst in freundli» cher Herablassung folgenkr- Welche Bestimmung hat di Heiliger Vater, sie kömmt r Zwiegespräch, tin: Papst: se Düste? — Gutlmann: ach Neapel. —!Papst: Nach Neapel? ick glaubte, nach Ungarn.— Gut mann. Nach Ungarn, meinen! Vaterland-, bin ich gesonw n, eine zweite auf meine eigenen Kosten z^> bringen.— i\. Diese Büste ist also bestellt? — G. Sie ist e-, heiliger Vater. — P. Von wem? — G. Lqm Hrn. Baron^v. Rothschild. — P. Dann glaube ich. bürste Ihr Honbrar nicht unbedeutend sein. — G. Von größter Bedeutung ist für mich nur die Gnade Sr. Heiligkeit u. s. w. — Noch eine Weile feierlicher Stille, und die Audienz begann. Während der' zwei Stunden langen Audienz briiützte G. jeden der kostbaren Augenblicke und der Gewinn war befriedigend. - Noch zwei. Audstnzezl» durfte G.^uf diese Weise in Anspruch nehmen, und> dal diese in Zwischenräumen von 3 — 4 Tagen jlattfanbcn, so war eS ihm gegönnt, durch volle '14 Tage im Aüvienzsaale, der leigenfür ihn geöffnet und geschloffen wtstde — zu arbeiten.. Während er dort arbeitete, überraschte ihn einst der! Papst in Begleitung zweier Monsignori, die über die große Aehnlich-. keil der Büste sich sehr lobend äußerten. G. lag auf den Knieen. Der Papst winkte ihm aufzustehln. „Den Au» genblick benützend." — schreibt der entzückte Künstler — „war ich schnell auf den Beinen. Ich schaute-.fr st und sicher .... und wo ich ansetzte, da regt^sich Leben und Seele." Nach 14 Tagen stand die Büste (als GvpSmodell) bereitfertig. Dann kam sie auf da- „Studium." wo sie die höhere Vollendung in fifrarmoi erhielt.'— Aler dem Grafen E . . . seine Aufwartung machte, um ihm für seine gnädige Verwendung zu dänken, sagte ihm dieser, er habe beim heil. Vater, besonders vom Fürsten Hohenlohe Monsignore so viel Schöne- und Loben-werthnvon der Büste gehört, daß er sich bald da- Bergnügen machen werde,, sie zu besichtigen. Einige Tage darauf kam der Graf ln der Thal auf da- „Studium" G.'s. daer nicht verließ, ohne dem bescheidenen Künstler seine volle Anerkennung bewiesen zu haben. : Schließlich müssen wir noch einer Arbeit G.'- erwähnen. die sich in Pesth befindet, und für welche bereitvon Seiten deungarischen Nationalmuseum-! eine bedeutende Summe geboten wurde. Sie trägt die Inschrift: „RotnAb*n 1850" und bringt eine italienische Dichterin in dm idealsten Reitzen zur Anschauung. Seitdem befindet fich G. abwechselnd in London und Paris. Gegmwärrig soll er mit einem größer» Werke beschäftigt sein, welchedie wichtigsten, historischen Momente der Neuzeit zu umfassen bestimmt sei. — Jakob Guttman» verbindet die größte Anspruchslosigkeit mir den vorzüglichsten Eigenschaften des Geiste- und Herzen-. Al-Künstler ist er für die Reinheit und Schönheit der altern Meister begeistert, die er mit fortwährendem Eifer studirt und nachahmt Dabei zeigt sich aber in al» len seinen Schöpfungm jene naturgetreue. leben-frische Darstellung, die — der unmittelbaren Gegenwart entnommen — eine der herrlichsten Vorzüge der neuern Schule bildet. T' Al- Mensch ift'-er besonderachten-- und lieben-wenh. So rastlos »häjig er auch seiner Kunst lebt,- so entzieht er sich doch den zarter« Banden der Freundschaft, de- Familien» und geselligen Lebennicht. Mit seltener zarter Kindlichkeit ehrt er seinen Vater, und zeigt, .er die innigste Zuneigung gegen olle Glieder seiner zahlreichen Familie. Mit einer entzückende« Gemüthlichkrit schweift er in seinen vertrauten Briefen von Verwandten zu Verwandten, pon Freund zu Freund, und vergißt selten seiner lieben Arader Land-leute /zu erwähnen, bis selbst auf die dortigen Zigeuner » Spielleute , die "einst fein juqevdliche-- Gcmüth mit ihren wackern, t$t vaterländischen Weisen ergötzten. Wie G. selbst überfeinen Beruf denk, läßt sich auden Worten entnehmen, die er 1852 an seinen Bruder richtete : „Du mein theuerer Bruder," schreibt er, „würdest e- „gewiß — wie viele praklische Leute, vorziehm, ein ruht« „ge-, wenn auch minder ruhmvolle- Geschäft zu betreiben, „statt Dich auf den dornenvollen Wegen herumzutummeln, „auf welche der KtzMünger norhwendiger Weise ange- „wiesen ist./ Ich kannYvir auch, von Deinem Standpunkte „aus, nicht Unrecht geben. Doch giebt eS Etwas in der „Menschenbrust, was man Beruf nennt, daß uns gleich- „sam mit höherer Macht in eine Sphäre drängt, dir uaS „die ewigwaltende Natur anweist, und der wir durchau- „nicht zu -widerstehen vermögen." — Diese wenigen Zeilen sprechen genügend, um sein rejneedle» Strebm inklarste Licht zu setzen.- Aber was ihm besonder» zur Ehre gereicht, ist. daß er mit demselben reinen und edlen Bewußtsein. mit welchem er'der Kunst obliegt, — auch Jude ist und daß er fich alsolcher unermüdlich beeifert, „diesen vielgeschmäheten und mißkanmen Namen." zur Anerkennung zu bringen. . Denn tief im Bose« trägt er jene wahrhafte Glauben-innigkelt und Glauben-treue, die der höhern Empfindung einer edlen Künstlrrfeele würdig ist. — (»crtfegung Tilgt.) fr Einige Fabeln und Erzählungen der Akten aus der Tyierwelt. Bon Dr. L. Lewyfoh» tu Don»«. 9. Bemerken-Werth find mehrere Gnome», die theils in kurzen Sprüchen über die Thiere bestehe«, theilin solchen Sprüchen, die man die Thier« selbst sprechen läßt. Wir Heien Hervox: &) Sei eher der Letzte unter den Löwen, Y