Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 31 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1- 122 / Ijjut nicht schrieb, ffr liegt die Ursache in der Abwesenheit deS Hrn. Baron von R., der erst seit einigen. Monate t hier ist und zwar in unangenehmen Geschäft-Verhältnissen, di« mich hinderten, für Sie bei ihm zu wirken." .Um bei diesem erfolgreich das Wort zu führen, wollte ich hatsächliche Beweise Ihrer Leistungen abwarren, welche nach dem Selbstvertrauen, mit welchem Sie sich darüber in i iren Briefen aussprechen, Ihre Angelegenheitam besten vert eten könnten. Ihre beiden Arbeiten (er meint die obei wähnte Büste de- Araber Rabbi und den „Blumensper der'^chaben unterdessen sich des allgemeinen Beifalls zu > rfreuen gehabt und der Herr Baron nimmt die für ihn bestimmte Statuette mit Vergnügen an. So sind Sie nun durch sich selbst der Gründer Ihrekünftigen Fortkoni «enS geworden; denn von Ihren Leistungen unterwar e» mir möglich, vom Hrn. Baron daS Zugestarvniß zu erwirken, daß er Ihnen für die Slatue ein Hv! orar von 100-Dukaten und neuerdings die Summe von 1000 fl. zuweist, damit Sie Ihre Paffiva^decken und noch ein weiteres Jahr in Rom Ihren Studien obliegen können." * „Rücksicktlich der 1000 st. ist dem Banquich: V . ... die Ordre zur Auszahlung in monatlichen Raten errbeilt worden; unter Einem erhält er den Auftrag, .Ihnen daS erwähnte Honorar auszuzahlen. Graf £-... hat dem Hrn. Baron ein schmeichelhafte» Schreiben zu Ihren Gunsten adresstrl, 'wofür Sie sowohl dem Hrn. Botschafter, als auch dem BotschaftSrach v. O . . . Ihren besonvern Dank gleich nach Empfang dieseS entrichten wollen." ..Geben Sie nur weiter rüstig anS Werk, lieber Guttmann. Bei Ihrem regen Streben und edler Begeisterung für die Lunst, sollte es wohl dieser Aufmunrerung nicht bedürfen. Ick richte sie aber dennoch an Sie,- weil ich Sie bitten will, nickt zu vergessen, welchen Glaubens Sie sind, und daß die.Ehre und Anerkennung, die Sie erringen, mittelbar auch dem vielgeschmahten und verkannten Israel zu Gure kömmt. „Mit den aufrichtigsten Gesinnungen, Levp. v. Wertheimstein" m. p. (&i ist überflüssig, zu sagen, welchen freudigen Eindruck diese- Schreiben auf den, für alle- Große und Edle empfänglichen G. üben mußte. ' Einige Tage später erhielt er ein zweites Schreiben, von Hrn. v. W-, wo er ihm anzeigt, daß er sich für ihn als rbemaligen Zögling der Akademie persönlich beim Fürsten Metternich verwendete, der ihm die Versicherung gab, daß die Religion bei Erlangung eines Stipendiums von Seiten de» Staates keinerlei Hinderniß entgegensetze, und daß man sich um Aussicht auf Erfolg darum bewerben könne . .. Doch hörten wir nie, daß ihm rin solches zu Tbeil geworden, obwohl sich auch Gr. von L... .. der . früher erwähnte k. k. Botschafter, für ihn in dieser Angele» genheit verwendete. — Vielfach bezeichnend für den Charakter G's ist ein Brief, den er in dieser Zeit an seinen Vater richtete. Er beginnt: „So viel ich Dir. mein Vater, als Kind schuldig bin und mein schwacher Blick daS Dunkel der Zukunft zu durch, schauen vermag, will ich Dir Deine Kragen gewissenhaft beantworten. Du meinst, daß meine junges Jahre daS Opfer meines Strebenwerden und daß mich mein Ziel — welche» natürlich nicht leicht zu erreichen ist. und nickt leicht zu erreicken fein soll — alles irdischen Glücke» verlustig machen könnte. Sei beruhigt, lieber Vater! Jch^ habe mir mir selbst schon längst abgerechnet und ich Hab, nur den einen Wunsch übrig: meiner lieben Familie einsten!» nützlich zu werden. WaS mein zu erstrebendes Ziel belangt, so werde ich demselben — insofern man nicht überspannte Erwartungen von mir hegt — mit GotteS Hülfe entsprechen." „Möge ein jeder Mensch, der etwas Groß,» unternimmt, auf SchicksalSschläge gefaßt fein; denn ohne Schatten kein Licht. . . BemerkenSwertb ist noch eine Stelle, wo er sich als Jude über seine GlaubenSbrüder in Rom und ihr thränengeweibteS Ghetto folgendermaßen auSsprickt: „Wer einen Blick auf daS röm. Ghetto und feine Einwohner richtet, der wird auf den ersten Moment daS siechende Iudenthum darin erkennen. Besorgte Väter, gekränkte Mütter, und bleichiüchtige Linder begegnen ihm auf allen Schritten. Denke Dir, lieber Vater, 5000 Menschen in einem engen Raum eingesperrt, den-schon 3000 mir ihren Seufzern, die glücklicherweise zu Gott aufsteigen, übervoll machen würden. ..." „Vergangenes Jahr betete ich am Neujahrs- und Versöhnungslage in einem der Tempel, deren es hier fünf girbl und die bei all' ihrer Einfachheit doch mit mehr Pomp auszeschmückl find, alS die Gotteshäuser bei uns. Vorzüglich hat einer durch seine äußere Ausschmückung in eigenthümlich schmerzlicher Weise aus mich eingewirkt, RingS um den KrieS der vier Wanve steht man BaSrelief-Modelle von heiligen Geräthen, Fahnen. Instrumenten, kurz alles dessen, waS in bessern Tagen zur Verherrlichung Hes Gottesdienstes erforderlich war . . . Hoch am Giebel steht rin Modell deS ehemaligen Tempels mit der heil.!üabe — und es blickte mir die vormalige Größe de- Iud^nthumS aus ihrem Gotteshause entgegen."! Letztlich erwähnt er eines Hallelujab-ChorS, den man beim Embeben der Gesetzrolle in die Lade, abgesungen und der so eigenthümlich anvachrerregend auf-das Herz deS LünstlerS wirkte, daß er nicht umhin'konnte, diesen ergreifenden Chor feinem alten Vater in Noten > inzusenden. — Don da an schrieb er wieder lange nid t. Ein Zeichen, daß abermals die Sonne seine» Glücke» unter Wolken stand. Erst 1850 langte ein Schreiben an seinen V«ner an; ei war daS- Jahr, wo er die beste seiner Leistungen vollendete — die Büste de» PapsteS PiuS IX. Schon feitlängerer Zeit hatte er auf Bestellung Rotbfchilbs von Neapel PiuS IX. Düste in Plan. Sein sehnlichster Wunsch war. eine Sitzung vom heil. Vater zu erlangen; weil ihm seine Aufgabe von künstlerischem Standpunkte nur dann alS wichtig erschien, während sie ihm, wenn auf eine bloße Copie beschrankt, von nur untergeordnetem Interesse gewesen wäre. Um seinen Vorsatz möglicher Weise durchzusetzen, wendete er sich an den damaligen österreichischen Gesandte» Hr. Gr. Eßterhszy, der ihm schon früher Beweise seiner Gewogenheit gegeben. Der edle Graf versicherte ihn. daß der Papst in Folge des hohen Ernsteseiner StaatSgeschäftt für eine förmliche Sitzung unzugänglich geworden; daß er ihm aber gerne behülstich sein wolle, wenn er sich