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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 30 (1856) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
30 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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. Notizen des Tages. Aus Belgrad ia Serien große Klage über Bedrückung. Zn Riga suchen die städtischen Behörden binfichtlich der Juden selbst die kaiserlichen Ukase z» umgehen. Za Bernburg feierte der Landeirabbiner 0r. Herrhetitler sei» 25jährige-. in Dessau der Sprachlehrer Z. Louis sei« 50jähriges Amtsjubiläum, beide sehr verdiente Männer. Die k. k. Staatsregierung in Oesterreich erklärte die Juden für befähigt zur Advocarur. I« englischen Unterhause -wird einmal wieder — zu» neunten Male — die Zulassung der Juden in« Parlament diseunrt. Die zweite Lesung ist mit 35 Stim- «ea Majoritäthurchgegaagen. Bi« jetzt hat da« Unterhaus immer Za. das Oberhaus jedes Mal Rein gesagt. Zm preußischen Abgeordnetenhause ist aus der Gemeindeordnung für Rheinland mit großer Mehrheit der Satz gestrichen worden: ..der Ortsvorfieher muß der christlichen Confessio»- angeh-ren." Die franzdfischen Rabbiaen halten Zusammenkünfte — aber eben so- Stillschweigen über Gegenstand und Resultat der Berathung. Ein preußisches Ministerialreseript macht dm jüdischen Religionsunterricht für die jüdischen Kinder pflichtig. wen» sie nicht — den christlichen Religiousunterrichr «itüehmen. Die Amerikaner haben nun doch einm Handelt« »ad Riederlaffungsvertrag mit der Schweiz geschloffm. welcher die amerikanischen Juden von der Schweiz ansschließt. Die Aankee« »achen viele« Lärm, aber dichtnsm ist nicht-, riöolieet Snndzoll. Aul berichtet chen im und ist Eme komische Polizeigeschichte. Augsburg wird ^folgende komische Geschichte Der Äoses Hirsch wodnt in einem kleinen Gaßzweitm Stock, in eine» ganz schmalen Häuschen ein armer Kerl-, der sich nur kümmerlich vom Schachet ernäbN. Springt er eines Morgenwie toll aus dem Bette und in der Stube herum, und wie seine Frau gar niä t weiß, was mit ihm ist und schon in aller Her» zensangl fürchtet, er sei übergeschaappt. erzählt er ihr, die Rächt geträumt, daß er in seiner Stube einen finden würdtz. Die Frau meinte, das wäre Unfian ustd nur ein Traum; er solle seinen Geschäften vachgehen md auf den Schacher, das wäre der einzig« Platz, wo er wirklich einen Schatz finden könnte, wenn auch nicht mit et> e« Male. Moses Hirsch ließ fich aber nicht abtriagtn. Schon »st hatte er geträumt, aber noch nie so lebhaft^ ging deshalb heute nicht aus den Schacher, ttotz de« Kstfen uu» Bitten seiner Fra«, und fing an, im Zimm« c die Dielen aufzubrrchen. Da fand er aber nichts als S aub und Schutt und renkte jMj bald die Arme aus, in all« Ecken und Winkel htneinzugreifen; er klopfte und hämme cte und machte einen Heidenspektakel, so daß die Lente. die nnter ihm wohnten, th, ftagev ließen, ob er das 4 aus ihnen über dem Kopfe zusammenbreche» wolle. Unter Iden PMea befand es fich nicht, also mußte es in der Mauer stecken. Die Mauer klang aber überall gleich voll, das war solider Stein „— aber halt, an der einen Stelle — Abraham und Zakob! wie mit eiskaltem Wasser begossen, liefs ihm den ganzen Leib hinab — an dieser Stelle klang es bohl — da steckt der Schatz! Kopfschüttelnd stand die Frau daneben und schaute ihm zu. wie er ohne Weiteres den Kalk von der Wand herunterbrach, den Mörtel herausbröckelte, und in wenigen Minuten ein Loch die Wand gearbeitet hatte, in das er bequem mit der -Han» hineinfahren konnte. Kaum hatte er aber den Arm.hineingesteckt, als er feiner Frau hastig vor Freude zitternd zuflüsterte, er fühle Holz. Das Loch mußte jetzt etwas größer gebrochen werden und es erforderte auch einige Schwierrgkeir, ohne die Wand total eiuzureißen, das Holz zu entfernen, was jedenfalls der Deckel oder die Seitenwand der Truhe war. ländlich gelang aber auch diese«. Moses Hirsch brachte glücklich ein kleine« Loch hinein, groß genug für seine Hand, griff'hinein und brachte — feine Frau wäre vor Schreck und Freude fast i» die Kniee gefunken — einen silbernen Löffel heraus, «ud wieder griff er hinein und holte noch eiuen Löffel »ad dann zwei silberne Gabeln, und dann »och drei Löffel und dann noch ein paar große Münzen mit fremdem Gepräge, im Ganzen etwa sechs silberne Eßlöffel, sechs Theelöffel, ein Salz- und et« Pfefferfaß, einen Aufgebelöffel, einen Fischlöffel, einen Zuckerstreuer — Alle« von Silber — und die Münzen hervor. Wetter ließ fich für den Augenblick und ohne das Loch z» erweitern, nichts erreichen. Es kam auch Jemand, der z, Moses Hirsch wollte, und er mußte seine Arbeit unterbrechen, die er jedenfalls, wenn am Abend Alles still und zu Berte gegangen war, fortzusetzen gedachte. Seine Fra» schloß indessen de» Schatz in die Kommode. Nachmittags poltern ein paar Leute die Treppe herauf und pochen au Mose- Hirsch Thür. Mosegeht hin,, und wie er aufmacht, stehen zwei Polizeidienrr da. fassen ihn am Kragen und beschuldigen ihn. bei seinem Rachbar rtngebrochen zu sein und sämmtliches Silberzeug gestohlen zu haben. Mose- Hirsch denkt im ersten Augenblick, der Schlag rührt ihn. Er bei Jemand eingebrochen — er läugnet Stein und Bein. Einer der Leute hielt ihn und führte ihn in die Stube, wo der Kalk noch überall am Boden liegt und da- Loch in der Wand noch bündig genug spricht. Zn der ersten Komodenschatulle, die sie auftiehen, liegen auch schon die vermißten, angeblich durch Einbruch entwendeten Sachen, und »er arme Teufel erfährt jetzt, daß er, anstatr einen Schatz zu hebe», in den Wandschrank feine« Rach, bars hiaetngerathe» fei. Allgemeine Zeit»»« des Judenthum*. N». t«. 4S56. Leitend« Artikel: Die Lehrettonfeeenz am ts. nud «3. Mat zn Greftld. — Literatur bericht, t Forts). — Heinrich Heine. Denkmott von H. Zirndorf. —Zeltnngsnachrichteu: Dentschlaad: Dessen. Kassel. Oesterreichischer Katferstaat: au» Obernngarn. Preßburg. Frankreich: Parts. Jty g, beliebe, durch jedes Postamt nt jede vnchband, 1m»g. Zthttlch 3 Thal er. vierteljährig %! Haler. verantmottllcher Redattenr: K. Mäste. 8d<| hi eiiaiitiitt l Ci»nMii| li MnJ|. — ©rmtf wa KtfiOtr 9 l«»e ti

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