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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 29 (1856) · p. Seite 114

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
29 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 fhimn an itt (Sät de- Markte-, um Acht zu geben, ob Jemand käme und sie dort sähe, und endlich waren drei andere an der vierten Ecke abgebilbet, welche auf dem israelitischen GoittSacker gruben, und jedem Priester war sein . Name an die Stirn geschrieben. Alnun der Her- $93 diese wunderbare Sache sah, staunte er gar sehr, fiel auf sein Antlitz, bückte sich und schickte das Papier mit den Abbildungen an den König. Auch ließ der Herzog sofort die Priester bolen, und alS diese die Thak leugneten, zog er daS Papier hervor, worauf sie sich vor ihm entsetzten und bekannten. Auf die Frage deS Herzogin Betreff veS Gürtelerwiederren sie, paß es sich also verhalte. und auf seine fernere Frage, warum sie diegetban batten. entgegneten sie: Um uns an dem Juden zu rächen, da er uns geflucht hatte. Hierauf' fragte der Herzog: WaS haben aber die Anderen begangen? Da erwieverten sie, bei denen geschah eS, um für daS Blut Jesu Rache zu nehmen. Hierauf befahl der Herzog, daß man einem jeden von ihnen eine glühende Kappe auf den Kopf setzen sollte,' indessen erhob sich daS Volk zu ihrer Ret-' tuog .wegen der- Priester-Tonsur, die.fie trugen, denn wer eine solche Tonsur trug, durfte nicht in Folge eine- UrtheilS getödtet werden. Zwei aber, die bereitverbrannt waren, waren einmal verbrannt; die übrigen jedoch wurden wenigstenin sofern gerettet, alder Herzog sie lebenslänglich verbannte. Auch ein Duell. Die Lrek. isr. de Fr. erzählen folgenden Vorgang: Berlin, dajetzr die Stadt der Duelle und der Selbstmorde ist. wurde jüngst durch ein Duell angeregt, in dem einer unsrer Glaubensgenossen auf die ehrenvollste "Weise figurirte. Vor einigen Monaten hatte die englische Compagnie. die mit der Eisenbahn nach dem Mittelmeer beauftragt ist, einen jungen preußischen Ingenieur, Namens Cohen mit dem Titel eine- Ober-Architekten, zu Tournon an die Spitze der Arbeiten gestellt. Ein Weltmann,«Kc» benSwürdig und geistreich, ein ausgezeichneter Musiker hatte sich Herr Cohen ein allgemeines Wohlwollen erworben und sein?* Abreise wurde in der Gegend sehr bedauert. Nach Berlin zurückgekehrt, befand sich Herr Cohen letztens auf einem Balle, wo unter anderen Eingeladenen auch ein Sohn des General- Todtleben, der sich so berühmt in dem Kampfe gegen die Franzosen bei Sebastopol gemacht har. Gegen Ende der Soire, als die Geifter durch den Punsch schon etwaerhitzt waren, entspinnt sich eine, theils politische, theilmilitärische DiScussion über die Ereignisse der letzten Jahre. Herr Cohen vertritt die Sache der Alliirlen unv vorzüglich die Frankreich-. Herr Todtleben war ganz natürlich als Sohn und Gast Preußenauf Seiten Rußland-. Der Disput wurde lebhafter und giftiger bizu dem Grade, daß der junge Todtleben sich vergaß, zu Cohen zu sagen: „Sie find nur ein elender Franzose . . . — „Und Sie ein elender Kosacke," erwiederte der Andere. — „Ich traue Ihnen nicht zu, Ihre Meinungen mit dem Degen in der Hand zu behaupten," erwredert der Sohn de- General-. — „Ich nehme . an, auf Leben und auf Todt!" antwortete der geistreiche Fürsprecher Frankreich-, auf den Namen seine- Gegners anspielend. Da- Duell wurde festgestellt und hatte im Laufe de- Februar im Thiergarten statt. Nach zwei Schüssen fiel Todtleben nieder, eine Kugel war ihm in- Herz gedrungen. Herrn Cohen war der rechte Arm zerschmettert; er wurde in die Wohnung seine- Bruders gebracht, wo er in diesem Augenblick Gefangener auf Ehrenwort ist, iidie Sache vor das Tribunal kommt. Meine Reisen in Rußland. II. Loa ve. Lilieatbal in Ciactuaati. sRach „tbe lsr»elite.‘) So verging die Zeit; die Schule ward immer zahlreicher besucht, und ich gewann immer mehr Muße, meinen Pflichten al- Prediger nachzukommen. Ich hörte, daß sich einige verwaiste Knaben in der Stadt herumttieben, die ohne alle Mittel, sich selbst zu ernähren, ebne Hei- .math und Obdach, nur von der zufälligen Barmherzigkeit einiger mildtbätigen Menschen ihr Leben fristeten. Ich schlug dem Vorstande vor, sogleich ein Waisenhaus zu errichten, und da drei Zimmer in unserm Schulgebäude unbenutzt waren, so ward beschlossen, dieselben dem Zwecke gemäß und zur sofortigen Aufnahme dieser unglücklichen Kinder einzurichten. Da die Mittel zu diesem löblichen Unternehmen durch freiwillige Beiträge schnell zusammengeoracht wurden, ließen sich die Einrichtungen in einem halben Tage beendigen; es ward ein Conlract wegen der Beköstigung mir der Frau des Küsterabgeschlossen, und ich nebst zwei Mitgliedern de» Vorständewurden dazu au-ersehn, die verwahrlosten Kinder aufzusuchen. W«r stimmten überein, daß wir sie nur in irgend einer armseligen Barracke der Vorstadt finden würden, und richteten demnach unsere Schritte sogleich nach diesen Gegenden. Bei mancher armen Familie, wo wir ansragten, waren sie jedoch nur auf kurze Zeit gewesen; endlich fanden wir sie bei einem Bäcker, dicht vor den Ofen gekauert, schwarz wie Ruß. in Lumpen gehüllt, weinend vor Kalte, und voller Furcht, wir möchten ihnen etwazu Leide thun. Nachdem fie sich jedoch von unfern guten Absichten überzeugt hatten, fielen sie unzu Füßen, faßten unsre Hände, stammelten ihren Dank und versprachen, von nun an gute und gehorsame Kinder zu werden. Vor allen ' Dingen mußten wir sie in ein Bad bringen, und dann zu einem Tuchbändler schicken; wir ließen demselben sagen, daß wir die Waisen aufgefunden, sie 2ber in einem solchen Zustandunmöglich nach dem Schulhause bringen könnten. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, oder nach irgend einer Entschädigung zu fragen, und nur von den edlen Gefühlen der treuen jüdischen Mildthätigkeit beseelt, schickte derselbe sofort sechs vollständige Anzüge, und wir hatten die süße Befriedigung, die Knaben um zehn Uhr de- Abendwohlbehalten in ihrem neuen Zuflucht-orte untergebracht zu haben. Am andern Morgen schickten die Frauen der Gemeinde noch eine Menge nützlicher Sache» und bald schwand jede Desorgniß, die.neue kleine Anstalt nicht erfolgreich aufrecht erhalten zu können. Der Armuth nach zu schließen, 1 ■

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