Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 27 (1856) · p. Seite 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
27 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4908862-5999341-6000750--0721-4909409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

-. 107 Da» Erstaunen machte sich in allerhand Au»nifvngen Luft, und soviel ließ sich au» de« verwomienejn Geschrei enträthselv, daß Dina nicht Braut gewesen irar. daß sie ihren Barer und den Bräutigam, der dastand und nicht wußte, ob^er träume, mit dieser plötzlichen Wendung überrascht und gefangen hatte. denn^Dina'S Baker wollte dem armen Waisen, der noch dazu ganz aus der Art schlug, die Hand seiner Tochter nimmermehr gehen. Nun aber war alles Widerstreben beseitigt, und al» inan sich hierüber genugsa« ausgesprochen hatte, kam man wieder daraus, daß der Kaiser Tina geküßt balle. Der Gemeindespaßvogel Tobias Heubauch fand auch hier Gelegenheit zu seinen Witzeleien. „15m schöner.Beweis."! spottete er/ rer Kaiser küßt da» schönste Mädchen ruu^ Zeichen, daß jrr die Juden auch lieb batwenn er das hält' beweisen wollen, hält' er mich küsse» müssen, oder da meine alt, Schachteln da» wäre em wirklicher Beweis, an den Jever hätte glgtsberf' müssen. Komm her, Gudhla. warum hast Du Dicdmicdt hing,stellt? Au waib! C$in armer Mastn darf keinen Gusto haben, ist em wahre- Sprichwoii. das mein« Großmutter schon gesagt har." „Die Aufregung, cie [ &iefrd Ereignis bervorgebraLt batte, wollte sich noch laiige nicht legen, und selbst die christlichen Mitbürger kamen vor. da» Haut Isaak» und hörten staunend wa» geschoben war. Der so plötzlich zum Bräutigam gewordene iunge Mann ging hin und der und wußte nichtj wa» er mit sich anfangen sollte; bald wurde er geneckt; weil der Kair ser zuerst seine Braut geküßt bald wurde er beglückwünscht, weil ihm nun doch noch da» - Glück geworden sei die schöne und tapfere Tochter de» reichen Jsaaf beimzufi hren. Und diese Neckereien und Glückwünsche whren w« die lautgeworveiren^Stimmen ftines eigenen HeLzen». bald war er glückselig über die ungeahnte Wendungfeinst Leben», bald wieder ttaurig und ärgerlich, wenn er dachte,> wie gering ihn eine Braut an^ehen müsse, die 'b,r äkaiseir geküßt bat. Zeder wollte mit Dina sprechen, diese! ober wat un- «ersehen» verschwunden, hatte sich in tfyrei Schlaskammer eingeschlossen, und ließ den ganzen Tag weder ihre Eltern, noch ihren Bräutigam zu sich. | Am Abend jedoch kam sie herab in die Stube, und nast» altem Brauch wurde» drei Lichter angezündet und aus -einem mit Kreide aus den Etubenbodrn gezeichneten Drudenfuß, r^orin ein Glückwunsch geschrieben war. nach herkömmlicher Weise eine Taffe zerschmettert und Zeder der Persammrlken bewahrte sich eine Scherbe davon. Da» war nun vre wirklich, und feierliche Verlobung,\ und daß riese jetzt gefeiert wurde, brachte noch schwere» Leid. Als man wenige Wochen darauf beim Amte bii HeiraihSeklaubniß holen wollte, erklärte der Amtmann. daß erstlich kein beglaubigte» Dokument von df« Persprechen de» Kaiserda sei. und daß er da» Zenävtß der umstedenden Juden nicht al» gültig anerkenne, ßernrr aber, daß sich herau-gestellt habe, wie Dina den Kaiser aogelogen habe, und daß er die» hl Nun war die Freude i selbst vor Amt. E» war am Naihmittag, al» sie vor Acht erschie». und sie wurde siammenroth al» der Amtmann spöttisch fragte: chsten Orte» berichten muffe, t Leid verkehrt und Dina mußte ..Da bist also das Zudenmädchen. da» vom Kaiser geküßt sein will?" | | Dina mußte nun ein peinliche» Verhör bestehen, Alle» wurde proiokollirt, und wie entweiht war e» nun? — Zuletzt mußte si, gar noch bekennen/ daß.sie allerdings den Kaiser getäuscht babe. .denn |le | fri damals in der^ Tdat noch nicht Braut gewesen. Schließlich wurde ibr-da» Protokoü vorgeleqt und sie soll», ibren Namen dmerzeichnen. Mir zitternder Hand ergriff fie che Feder sind schrieb ihren Namens aber plötzlich flammte e» in ihre« Gesichte, auf. Al» wollte sie Sand auf die Unterschritt streuen, streckte sie die Hand au»..-ergriff aber da» Tintchrfast und schüttere e» über da» ganze Protokoll., Sie lächSlte heim» lich in sich hinein al» sie jetzt die Scheltworte de» Amtmann» hören mußte, über die doppele Plühe^! die man um ihretwillen babe. Sie ward auf dm apbern Tag beschieren, um da» Protokoll zu unterzeichnen. Al» eint Siegerin, der eine entschlossene. unh tapfer^ Thar gelungen, kehtte sie zu Vater un» Bräutigam zurück, die vor dem Amthaufe aüf sie warletin. Rasch erzählte sie. wa» sie getban. und die Entschlossenheit, die au» ihr sprach, verschönerte fie noch mehr. Noch in der Nachts al» Alle» i« Dorfe schsief, de- * stieg fie mit ihrem Butter uub ihrem Bräutigam heimlich draußen auf der offenm Straß« eine« Wagen, vnv fort' ging» durch die Nacht nach der Haulprstadt zum Kaiser. Zn Wien angelangt, ließ sich Dina aber durch keine Bitten und Beschwörungen dazu bewegen, selber mir in! |ri« Au» dienz zum Kaiser zu gehtn. Und al» die brtdm Männer dem Kaiser die» berichtetm. lächelte er vor sich hin unv loöte Dina; er ließ augeyblicklich zwei Schreiben ausserttgeq: in dem einen bestätigte er sein Wenprechm, unv in dem andern wurde der Amtmann zur Strengen Rechenschaft gezogm. ' Da» war ein Zubei, al» Dina mit den Ihrigen in da» Dorf zurückkehrte. und der Dater durch ra» ganze Dorf bi» vor sein Hau» da» Schreibin de» Kaiser» mir dem großen kaiserlichen Siegel hoch in! der Hand hielt und Allen fein Glück verkündete. Noch nie war im Dorfe ein, Hochzeit fröhlicher gewesen, al» dir von der Gerbermeisterin Dina. Immer wieder wurde dem Kaiser auf» Neue ein „Hoch?" gebracht. Und al» der Jubel am lautesten war,' erscholl plötzlich ein Posthorn. Alle» rannte an» Fenster, rin kaiserlicher Hofdtener stieg vom Pferde und kam spormklirrend hie Treppe herauf» und geradewegs an den Hochzeitstffch. wunderlichen Reden überreichte er ein eingerabmw» Bild de» Kaiser», und verlangte abermal» im Namen seine» Herrn den Dank von rorhem Munde. Schon Hane der junge Sbemaun den Munis geöffnet, um die» forran zu versagen, «l» Alle» schrie: „Der Heubauch! Der Heutauch!" und dieser war» in »er Thai. Er ^atte nach seine« alte« Mittel Degriste». sich eine» stattlichen Umfang zu gebe». All« lachten, er aber lachte und höhnte am meisten. j Da» Bild war die erste Zierde im Hsuft Bei» jungen Ehepaares, und Dina hängt« einen Llnmenchanz vom HochzeitStische um daffelbe. E» war noch nicht ein Zahr darqqf, al» der Kaiser ‘ eine» Morgen» seinem Vortragenden Rath« mit fächeln ein Schreiben hinreichte und sagte:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.