Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 27 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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„Nun sehen Sie, nun bin ich. den man Hetzer schilt, sogar Gevatter bei einem Judenknabrn." Er erzählte das Begebniß mit Dina und schloß: „Das junge Ehepaar hat seinen ersten Sohn mir zu Ehren Joseph genannt. Ant- Worten Sie ihnen, daß ich ihnen und meinem Patben stets gewogen bleibe, und schicken Sie der Frau hier diesen Niüg." Der Ring ist geblieben, aber der kleine Joseph ist bald gestorben, und als die ganze Gemeinde besonders darüber trauerte, sagte Heubauch: „Das Sprichwort wird wahr: Das Kind ist tvdt. die Gevatterschaft hat ein End'." . jlnd als mehrere Jahre daraus Kaiser Joseph in die Kapttzinergruft gesenkt wurde, wurde am Sabbath in der --Svnagogc gerade der-. Wochenabfchnirr 2. Buch MoslS Eap. I. vorgelesen, und als der 8. Ders gesprochen wurde, weinte Alles, und in der Frauenhalle der'Svnagoge schauten Viele^ auf Dina, die leichenblaß, aber ihränenlowar. Noch als Dina eine greise Großmutter war. wurde ihre Stirne jevesmal stammenroth, wenn man sie daran erinnerte, daß sie einst vom Kaiser geküßt worben sei/ *. * * Don diesem hier erzählten Ereignisse giebt nirgends ein Denkmal Kunde, aber in den Herzen der Unterdrückten lebt eine Tugend vor Allem, und das ist die Dankbarkeit, welche empfangene Menschenfreundlichkeit und Wohlthat nie vergessen läßt. Kaiser Joseph ist in der Erinnerung der Fürst der Liebe bei seinem ganzen Volke geworden, er hat die ver» schi,denen Eonfeffionen zu Einem Glauben bekehrt, zum Glaube» an die Menschenhoheir in der Majestät, ves ist die heilige Krone, die. er erobert, und die jeder Nächst)!- qcr'eröen kann, durch gleiches Thun. Dlumenlese. Auszüge von Erzäblungeu. Äleichninen. Aedankcn und Meinun» gen. wie vrlläruugen von Schriflstellen aus hebräischen Werken. t Von Joseph Rawicz in BrcSlau. AlS 'H an die folgende Grelle kam. riefelten Thranen über seine Wangen: „Hasset daS Böse, und liebet daS Gute, stellet her daS Recht am Tbore, vielleicht wirs Gott der Heerschaaren begnadigen." AmoS 5. 15. Dieses Alles erfüllen pnd Gottes Gnade ungewiß fein! Wie wenig kennt der Mensch seine Aufgabe, .wie groß ist der Umfang seiner Pflichten! AlS an den folgenden DcrS kam. war ihm recht traurig zu Muthe: „Siehe, Er, Gott. tramt feinen Heiligen nicht." Jjob 15. 15. Wenn Gott seinen Heiligen nickt trauet, wem denn? Eine Begebenheit jedoch verbale ihm zum Verstänvniß dieser Worte.. Einst fand er. auf seinem Wege einen Mann, damit beschäftigt, Feigen zu sammeln. Auffallender Weise laS er die unreifen auf und U ß die wohlgereiften zurück. „Sind jene nicht besser?" fragt ihn R. Jochonan verwundert. „Au meinem Gebrauche nicht." erwiderte der Sammler. „Ich branche sie näm- I:ch zu Rrisevorrakb; die noch nicht vollkommen gereiften. eignen sich zur Aufbewahrung, die von einer völligen Reise hingegen versprechen für die Dauer kein Berbleiben in ihrem guten Zustande." — „Jetzt," rief Jochanan auS. „begreife ich daS Mißtrauen gegen die Heiligen. Auf der Höhe sich standhaft zu halten, ist eine schwere Probe? Gott bringt jede Handlung vor Gericht, sie fei'noch so verborgen, gut oder böse. Prediger 12, 14. Welche gute Handlung, fragt der Talmud, bedarf einer Untersuchung? Die Tbat desjenigen, erörtert "W "*i, der einem Armen eine Spende öffentlich zureicht. Dieser sah einst einen Mann, welcher einem Rotßleivendeo eine Gabe einbändigte, die den Blicken Vieler >äuSzesetzk war. „Du thätest wohler," sagte 9f. Jannai zu dem Spendenden, „wenn Du Deine Wohlthat unterließest, denn sie war von einer Beschämung begleitet. "2^ und kamen auf ibrer Reise nach einer Stadl unv erkundigten sich, ob ein Gelehrter darin wohne, um ihm schuldigermaßen einen Besuch abzustatten. Man bejabete ib»e Erkundigung mit dem Bemerken, daß dieser Gelehrte mit Blindheit geschlagen E Ein Mann, der das Unglück hat, sich einer finstern Zurückgezogenheit von der Welt weihen zu müssen, dachten diese Edlen, verdient um so mehr unsere Aufmerksamkeit auf sich zu besten, -und beschlossen sofort einen Besuch. „Indessen bleibe Du zurück," sagte er^n '1 zu ’W, „schone Deine Würde, ich gebe allein." "m gab nicht nach, drang ihm vielmehr seine Begleitung auf. Sie erschienen bet dem unglückli chen Gelehrten und bezeugten ihm die lebhafteste Thrilnahme. AlS sie sich empfahlen, sagte er zu ihnen: „Ich bin durch Euren Besuch in meiner Seele tief bewegt. Wäret Ihr io bescheiden. mit Freundlichkeit auf einen Mann zu sehen, dem eS versagt ist, seine Augen an -seinen achtbaren Gasten zn weiden, möget Ihr dazu gelangen, die beseligende Freundlichkeit des Allsebenden und Unsichtbaren zu begrüßen, und mögen/Eure Augen von der Herrlichkeit Dessen glanzen, der -in Euren Herzen diese Tugenkflamme entzündete." Beim, Weggehen sagte -21 zu ntt "“i, „wenn ich Dir nicht gefolgt wäre, wäre iw um diesen schönen Segen gekommen." Allgemeine Zeitung de» JudentbumS. No. <3, <8«6. Leitende Artikel: Noch einmal die KreuzjeitnngSpartei. — Erklärung biusichtlich der schzkbanen nb- — Dom In. ftitutf zur Forderung der israelitisch, n Literatur. — „Kampf der preuß. Juden für die Sache der Gewissensfreiheit." — Aus Belgrad in Serbien.^Schreiben der Gemeinde. — Memorial. betre/send die Äechte der zu ßtiga vcrzeichneten Hebräer, -r Zustand der jüdisch.» Angelegenheiten in Kalifornien. — Israelitische Leorer-sionfereuz zu Hamm am <Z. März <856/ — Zeitungsnachrichten: Ans dem Großherzogthum Pose». 3SS“ Za beziehen durch jedes Postamt unk jede Buchhaudlnuz. Jährlich 3 Töalcr. vierteljährig */« Tholer. 1 Verantwortlicher Redactenr: St. Nabe. CtAij een SjungJr tnr r'« fait4J«MKn< in veir; - Z“ib! ro, Ntkx«a»ee Wie», »» t'ewU».