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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 27 (1856) · p. Seite 106

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
27 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 * — nicht so verwerfe, wie Andere thun: er belebt den Derkehr. Aber ihr sollt euch dran Hallen, mehr stetige, minder auf List und Trug abgeseheoe THLligkeit zu erwerben. Meine Gesetze sollen euch darin schützen. Laß Zeder nach seiner Fa?on selig werbe, darüber kann ich keine-Bestimmungen treffen, aber ich will, daß Zeder nach seiner Fähigkeit glücklich werde, dafür will ich sorgen nach Kräften und Hab« auch, an euch gedacht. Iht habt viele Iahrhun. verte Schmach unv Elend erduldet, tfa» soll nun ein Ende daben. in meinen Landen wenigsten-; ihr -sollt mir dann auf keinen Messias mehr hoffen, als aut den redlichen Lohn redlicher 'Arbeit/' Der Kaiser ließ nch nun die Beschaffenheit der Gesetzesrollen erklären, unv widerholte nochmal-, daß er keinen bürgerlichen Unterschied wegen Olauben-anstchten bestehen lassen wolle. . ,,3st es wahr," wagte er dann dev Rabbinen. „daß ihr euch noch für das au-erwählte Volk haktet und alle Anverew'germgschätzel. weil sie nicht eure- Glauben-.find?" „Hober Herr!" etnn,verte der Rabbi, „unser seist nur, für den verbinrlich. der al-Jude geboren ist, wir suchen nie einen Ankern zu bekehren, und wäre es nicht vernunftwidrig und götte-lästerlich, wen» wir einen ge ringschätzen wollten, der seinem -iqenni Gesetze nachlebk und unserenicht will^ da» auch ihn nicht will?" Der Kaiser nickte zusnedrn und sagte: „Ich liebe die' rreue. ste istitie höchste Tugend. Ihr habt sie unter tausendjährigen Martern bewährt." Schon war er im Begriffe, - daS Zeichen zum Ausbruche zu geben, alS bei einer Wendung sein Blicks »üf die Freitreppe und die versammelten Krauen und'Mädchen fiel. Er stieg au», und aus die Trepp, ruschrrirend. sagte er. „Und.ihr, habt ibr kein Wort und kein Zeichen der Huldigung für mich?" Es läßt stch nicht beschreiben, welch ein Gedränge an der Treppe ßrar bei dieser Anrede. Viele drängten in» Haus binein und überstürzten einander. Andere fielen gerade auf den Boden nieder und versteckten sich, und wie« der andere verhüllten mit den Schürzen ihr Angesicht. Nur ein Mädchen, dazuvorderst stand, blieb frei und unbeweglich., aber ibre geschwellten Lippen zuckten, auS ibren braunen Augen sprach eine seltsame innere Peweguna. Zeyl öffnete die Jungfrau den Mund und sagte: ..Die döchfte Verehrung har kein Wort!" ..Du verstehst zu schmeicheln." erwieben, der Kaiser lächelnd. ..Man schmeichelt der Sonne nicht, wenn man ibr still 'dankt, daß sie ihr Licht über alle Geschöpfe auSgießr." \ . Wie heißest Du?"! ..Lina/' ..Und Dein Barer?" ..Ich. hoher Herr." sagte Isaak der Vorsteher. ..Ich habe einen Wunsch an Dich, Dina." sage, der. Kas'er: ..Zu» Zeichen, daß ich Dein Volk, tat Jahrrausende lang mißhandelte und verachtete, wenhschttze und liebe, zum Zeichen fir «ich. laß mich Dir eine« Knß qeben, ich will itzn Dir nicht rauben. Willst Du?" ..Ich will!" sagte die Jungfrau, und ihr ganzes Ge« sicht leuchtete wi, ihre Angen. Und der Kaiser neigte fich zu ihr und küßte sie-auf den Mund. Und jetzt stand er mit niedergeschlagenen Augen und da» Mädchen blickte frei umher. ,^vu scheinst mir spröde und herb," sagte der Kaiser endlich, wie kommt eS. daß Du mir so leicht willfahrest?" , ..Weil ich nicht den Mann, nicht den Menschen, sondern die Gnade des Kaisergeküßt habe." „Ich danke Dir/' sagte der Kaiser scherzend, „Du bist wohl schon verlobt?" „Ja!" I Alle Anwesenden sahen staunend umher, aber aus den versammelten Männern drängte stch jetzt ein hochgewachsener schlanker junger Mann mit gekrausten schwarzen Haaren und edlen blühenden GesichtSjügen. „Und wo ist Dein Verlobter?" fragte der Kaiser. „Der von," rief da- Mädchen, die Hand ausstreckend, und der junge Mann wollte vorwärts schreiten, aber er war wie festgewurzelt. „Wann heiratheft Du?" fragte der Kaiser wieder. „Wann eS die Kaiserliche Majestät erlaubt!" j „Ich? Warum ich?" ' „Weil man ibm das Niederlassung-recht verweigert, j ES soll ja nach altem Gesetz die Zahl der Familien nicht i vermehrt werden, ne soll dieselbe bleiben, und mein Bräuj tigam hat schon einen verheiratheten Bruder." > ' „Mädchen, Du erinnerst mich an eine Bestimmung, die : unS zweifeln macht, ob die Gesetze von Menschen oder von Teufeln gegeben find. Doch sprich! Ist Dein Bräutigam , auch ein Trödeljuve. Wie kannst Du nur Deine Hanv seinem Menschen geben, der fich mit Schachern und Trö« : veln abgiebt und ehrvergessen sich überall verspanen läßt, j nur um einen Gewinn zu erhaschen?" I „DaS eben ist'S," sagte da» Mädchen. 7,Mein Bräu:! rigam ist ein Gerber. Er hak das Handwerk im Ausland erlernen müssen, weil ihn hier kein Meister annahm, und jetzt schließt ihn die Zunft auS unv verwehrt ihm sein; Handwerk zu treiben."! „Und ich gestatte eS ihm hiermit/' sagte der Kaiser und fuhr dann lächelnd fort: „Ich habe es viel lieber, ibr zieht den Ochsen die Haute ab und gerbt ne, al» daß ibr mir eurem ehrlosen Schacher den Bauern die Haut abziebt. Ich will euch schützen in allem rechtschaffenen Tdun, unv ibr sollt daran denken, daß ich einen Namen aueurem alten Testamente habe, daß ich Joseph heiße. Ich begrüße hier eure Gesetze-rolleu," schloß der Kaiser, sein Haupt entblößend, „ich ziehe den Hut ab vor jedem fremden Heiligthume, dain Wahrheit verehrt wird und keinen Menschon mir Haß verfolgt, weil er nicht da» Gleiche und in gleicher Weise liebt. Der Religion-haß soll künftig in meinen Staaten nur durch die Verachtung bekannt sein, die ich dafür habe. Haltet an eure» Gesetze und macht euch immer mehr fähig, dessen »heilhaftig zu werden, waich für mein ganze- Volk ohne Unterschied i« Herzen hege." Der Kaiser stieg ein und fast wären die Versammelten unter die nachfolgenden Wagen gekommen, denn so rannte Alle» in tollem Wirrwarr hin und her. Rur Dina hatte sich ans die Treppe gesetzt und weinte unaufhörlich. Sie hatte ein starke» Herz bewiesen i« Angesichte de» Kaiser-, und jetzt war ste wiederum da» schwache Mädchen.

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