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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 27 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
27 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3«r Jüdisches Bolköblatt. i jüdisches Belehrung uni) Anterhattung aus Herausgegebe» vo» ' Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. ZeKieie. INo. 27. 1850 ] Hen Meter |>»f u(4rift eKtfcint »»«t>rnU«» «Lng« 1 tfclr. •Z'ierteljibrifl 7*/, 9t.it. uiu <>iri kciykuii i|( f\ viMi« »h< vuu'vhuuioi!un» »re«»» ktSellvnpt« > ila» Jinmmrr. »tri» te, Jnbr. rA «U . a .m* . Ä *<t£nnX *°**nur t O Iahrg. 3 Dvartelf^ Der Kuß des Kaisers Jvseph U. (Au» tcm „Schatzkästleili" von Dertholb Auerbach. Trott- 1 gart 1856.) „Der Kaiser komtztt morgen durch! unfern Ort," sagte eines Abend» nach de» gemeinsamen Nachtgebete der jüdische Gemeindevorsteher! Isaak zu dem Rabbiner». Dieser kraute behaglich in seinem langen weißes Barte, der »hm bi» auf die Brust herabhi^g und murmelt^ vor sich hin: „Gesegnet sei er!" „Amen," fuhr Isaak fort. „Aber wir sollten doch etwaö veranstalten, ihn zu hegrüßen. <$« lhut Jedem, und wenn er^roch so hoch steht, wohl, wenn er steht, wie man ihn in ^Wahrheit liebt u^>b gerade weil uu» vom Amt nicht»- befohlen 'und nicht» angesagl ist, muß rer Kaiser sehen, daß e» von freiest Stücken geschieht. Dep» Pfarrer und ferj OrtSrichrrr. Pkänner U|ft Frauen uni Kinder gehen khyr entgegen, und' ste habet» draußen an der Gemarkung ejine Ehrenpforte gebaut. Ich kann'» nicht wagen, den Dvtsschlag zu machenj, daß wir auch da» licht, denn erstlich, ab- . und in Rauch hanbia» Hcubauch gebet sein dürften', au»! zwei Gründen weiß ich im Dorau»^ sie weisen uu» „Dann könnt Ihr! den.zweiten Gi gen!" sagte der GeMeiudediener, T nannr. weil cr, der Hage nach, ernst, um sich ein Ansehen zu geben, sich mit dchsem Futter auslesüttert halte, versteht sich, nur äußerlich. Alle» lachte nur halb, denn man wagte e» nicht ganz! im Beisein de^ ehrwürdigen und strengen Rabbinen. via noch Niemand hatte' lacken sehen. Auch der Vorsteher lächelte und subrlsori: „Nnv wen» sie'S> unS auch grwjähren würden, wer wollte dabei fein, wo man nicktal^ Schimpf und Spott auszustehen bat? WaS sollen wir nün machen?" Der lliabbine faj^te den Zipfel s^ine» Barte» fest in di, Faust, das war da» Zeichen, daß er reden wollte, und Alle hörten stille zu,! indem er begann: „Die Gemeinde kommt morgen f^üh'in Feiertag-kleirern in die Synagoge und bann wiH sich Allezeigen." Der Nabblile schlug ein große» Buch auf unv legte die reckte Hand bintsu; da» war dap Zeichen, daß sich er wollie jetzt wieder abwechselndem Beten die Gemeinde cittfnnrn sollte. Denn seine Lhäligkeit sortsHen, die nur ü, und Slurirr« bestand. Am Morgen gistg Keiner mit seinem Quersack über Land, tctut beute >>var ein Festtag.' 3n der Synagoge an der öülickcn Wand »rar Tobia» heschäftig», den GesetzcSrolle», die hier! standen, -fammtNe und brokatne Umhttllungtn zu geben.! Ze an zwei DoppelstLbea sind hier die große» Pergamente ausgerollt, irr»» eö ist alte Satzung, daß da» Gesetz Most» nicht au» ietnrm gedruckten Buch«, sondern ap» geschriebenen Pcrgamentrollen in der Synagoge vorgelesen wird, und diese Rollet ckvmmen nie hinaus fn da» freie ^Sonnenlicht, außer an dem Tage, da unter Ep. sängen und Gebeten von einer Ffmilie eine neue Gesecheßrvlle in die Synagoge gestiftet wird. Ngchvem zetzt mehrere Psalmenlabgesungen waren, rvurden die Rollen allefammt binauS^enagen auf die Straße; dort stellten sich die Träger auf, In ihrer Mille der Rab bine, Hessen GefetzeSrolle an den obern Enden der Stäbe mit sti«»ernden silbernen Krönet geschmückt war. Auch die ganze Gemeinde stellte sich aif, hier im Innern de» Dorfe», al» bereit» di« Glocken Un der Kirche zu läuten begannen, zum Zeichen, daß die l aiserlichen Wage» an der Gemarkuflg angeiangt waren. , > Aus der Freitreppe am Hause de» Graieinbe« erstehet» Isaak, da» der Svnagoge gegenüber war, hatten sich die jüdischen Frauen und Mädchen versammelt; eine suchte sich hinter der andern zu versteck« n. um nicht gesehen zu werden, und wiederum drängte sch jede vor. um gut ju* seben.!*• Ein Hochrufen, au» dem besr nder» die bellen Kinderstimmen hervorklangen, ward vernehmbar. Jetzt kam ein Wagen taut zwei Männern in glänzenden Uniformen; er raffelte vorüber, «be man noc» Zeit halte, den Mund aufzuthust. E» entstand _tin bedauerliche» Murren, daß der Kaiser so stolz und zornig I vorüber geraffelt -sei und nicht eirjmal gegrüßt hätte, u!»d man stritt eben noch darüber,' ob-der zur rechten oder der zur ljrcken Seite der Kaiser gewesen sei. al» wiederum ein Wagen nahte. Aber! jetzt ganz langsam und im Schrtt. Neig, da» war der Kaiser, und der Nabbine hob dil Ges-tzesrollen hock und spräche mit lauter Stimme und oie ganze Gemeinde spt^ch ibm nach: . > „G.lobr seist du Zebovah unsir Gop, ^önig der der von Seiner Majestät Lheil ge. eben hat einem Mestscheu r>hn Flest'ch unv Blut!" ' Der-Kaiser ließ still halte» »nd sich diese in hebra^sch-r Sprache gesprochenen Worte, die ein vorgkschriebeneri Se gkn»spr«ch beim Anblick eine» L ürsten sinh, in da» Doik' sche übersetzen. Er nickte zufrieden unh sagte dann!! „Ich »«iß auch euch sagen, daß ich diese Ebtienßczcugungfn nicht liebe, ich reif' durch «ei« Land, tim euch arbeiten zu sehen, nicht um euch zun» Mußiggeocn zu veranlassen. Freilich, ihr iJuden hgbt noch wnni-r nutzbringende Gewerbe, obgleich ich euren Kieinyaijtei

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