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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 25 (1856) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
25 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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99 f Den 11. April l|>32 erschien Antome zum nsten Mal vor seinen Richtern, Er gestand es siet, er sei ein Jude, und bitte Gott, daß! er ihm die Gnade erzeigen möchte, ihn in der jüdischen Arligion sterben zu lassen. Da- Predigtamt habe er deshalb angenommen« weil er gerade von der Einnahme desselben seinen Lebensunterhalt hätte nehmen müssen.' und weist die Juden ihm gesagt,, er könne stch öffentlich zu einer 4<den Religion bekennen und doch im Herzen «in Jude fti,,.' AlS er den gewöhnlichen Priesteretd gethan, hätte jer bei stch geschworen, waer für rech» und billig hieltt Nachdem er stun einmal diesen Stand gewählt und wirklich Priester geworden, hätte er nicht umhin gekonnt, ^>S apostolische Glauben-bekenntniß berzusagen, und die Ehmmunion auSzutheilen; dabei hätte er aber doch die Vorsicht gebraucht, daß er immer Texte aus den Psalmen und dem Propheten Jesaias genommen habe. Es sei wahr, haß er im Monat Februar, den Tag nachher als er ib'er den 10. Psttlm gepredigt, in eine Art von Wahnfinh gefallen sei, indem er gerade den 74. Psalm gesungen hübe. ES sei wahr, daß er den Verstand verloren. als I man ihn vor dem Thor zu Genf im Koch gesunden und von da in ein Spital gebracht habe. Es sei wahr, daß er gesagt, dis Stellen de-alten Testaments, die im ne^en angeführt werden, kämen als Weissagungen sehr gezwungen heraus und wärett gleichsam bei den Haaren Herzogen. UebrigenS bitte er, Mitleisen mit ihm zu Hab». Man fragte,ihn ferner, ober daraus, bestünde, seine» Taufbund zu entsagen: und er beantwortete diese Krag^ mit Ja. Zuletzt ermahnte man ihn. zu bekennen, ob nj in Venedig die verdächtigen Oer» ter besucht habe; undi er beantwortete dies, Frage mit Nein. Er ries Gott zuch Zeugen feiner.Unschuld an, um diese feine Unschuld vor! seinen Richtern unwiderlegbar zu beweisen. Wenn man ivm auch das schönste Mädchen auf der Welt geboten hätte, s— sagte er —| so würde er fU doch unberührt gelassen und seine Unschuld diesem Vergnügen vorgezogen Haber. Wie er dies^ gesagt, berührte er mit dem Kopfe °den ßrdboden und bar Gott, Barmherzigkeit mir ihm zu Huben. Der erste ^vndikuim Magistrat brachte verschiedene Stellen aus dem alten Testamente vor. welche auf die christliche Religton Bezug haben, und für Weissagungen auf deren Stifter gehalten werden. Allein diese Beweise waren für ihn nicht einleuchtend genug, um ihn zum Wderruf zu bewegen. Man führte ihn nun wieder iy- Gefänguiß. Rach den Landesgesetzen und nach den grioben Begriffen und Vorstellungen der meisten protestantifchets Geistlichen wurde ihm nun sein Proceß gemacht. Seiiv-lsrtheil wurde deg 25.. April desselben Jahreüber ihn gefällt. Nach deüsfrlben wurde Antoine verdammt: vaß man ihn tzebunden auf den Platz Plain-Palstiführen, w'o derScharf» richter ibn an eine Säule anbirjden und auf vie gewöhnliche Art erwürgen, dajnn sein Körper verbrannt, und die Asche in die Luft verstreut werden sollt, u. s. w. Die-Urlheil wurde noch an demselben Tage an ihm voillzogen. Der vorher angeführte merkwürdige und rührpnde Brief de- Predigers Fern machte auf die Prediger! zu Genf riuen so starken Eindruck, daßiste in oorporo auf das Ratbbaus gingen, wo die Magistrat-personal Noch versammelt und damit beschäftigt waren, daS Todesnr^heil des armen Antoine zu unterzeichnen. Sie baten und steheten, daß fit doch die Ausführung ihre- Urtheils noch aufschieben, stch selbst brstntien und dem Deliaquenten Zeit zu» Nachdenken lassen üröchren. Allein alle ihre Bemühungen waren' umsonst, alle ihre Bitten bewegten die hartherzigen Menschen picht, konnten fie nicht bestimmen, Gesetze abzuändern. die in barbarischen Zeilen erfunden waren, wo man sanfte Gefühls, des Mitleids' kaum dem Kamen nach kannte. — Unter dem Nachlaß des Nikolaus Antoine fanden stch einige kleine Schriften von seiner Hsnd, die sowohl Beweise seines Fleißes, als seiner Detlkungsarr abgeben können; eben auS dem Grunde wi^ ich die Titel dieser Manuskript? hersetzen: 1. Einige Stellen auS dem alten'Testament. mit i . einem Gebet. 2. Ein Gebet, welches er vor dem Schlafengehen hielt, und eia andere-, welches «r nach seinen Predigten zu halten pstegte. Der Stvl ist darinnen der nämliche, als er bei den resormirten Theologen des damaligea^Aeitalters zu sein pstegte. Seine Gebete sind alle mir Salbung geschrieben. " 3. "Eine lange Schrift, worin der Brrfaffer lei» . , Glauben-bekenntniß ablegt; es besteht auzwölf Artikeln und ihren Beweise«. 1 Diese Schrift überfckickte er als Gefangener der Raihs-^. Versammlung und bat zugleich den Magistrat, er möchte fie seinen Geistlichen cvmmuniciren. Er unterschrieb diese Schrift am Tage der Hinrichtung. Die zwölf Artikel heißen: Es giebt jm? einen Gatt, ohne Unterschied der Personen. _ 2. Es ist nur ein einziger Weg zur Seligkeit, und dieser besteht in der genauen Brobdchtung des mosaischen Gesetze-. 3. Dit Deschneidung muß immer beobachtet, und 4. Ter Sabbath genau gehalten werden., 5. Der Untnschied zwischen reinen und unreinen Thkeren darf nicht aufgehoben, sondern die darüber gegebenen Gesetze muffen streng gehalten werden. 6. Dje, Opfer werden mit der Zeit wieder eingr» führt, und 7. Dtr Tempel und die Stadt Jerusalem wieder erbaut werden. 8. Der wahre Meffiaist bijetzt noch nicht erschienen, sondern seine Erscheinung wird noch erst erwartet. Dieser König wird' in Pracht und Herrlichkeit erscheinen, heilig lund, gerechtsein und da- Königreich Jsrgel wieder errichten. 9. Die Sünde AdamS kann unS nichn zugerechnet , »-erden. * 10. Es giebt keine Prädestination, ngch welcher Gott beschlossen hat. Einige selig tu machen. Andere zu verdammen, sondern es wird sin Zeder belohnt »der bestraft werde^ je nachdem er^ . gehandelt hat. 11. Niemand kann für uns genug thun; sondern sobald wir fündigen, müssen wir dajstr bestraft werden. ' 12. Daneue Testament stimmt mit dem ulten nicht überein.

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