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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 25 (1856) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
25 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 dem Rath zu Genf überreichen. Die dritte ist zu unwichtig, als daß ich sie hier anführcn sollte. Die erste fängt sich also an: ■ —. .,Z» Namen deS großen Hortes der Himmel, des' mächtigen Gottes Israel, dessen heiliger Name ewig gepriesen sei. Amen." Antoine bittet den Magistrat, ibm einige Schriften, die sein« Lehre betreffen, wieder zuzustellen, welche er einem Prediger zu Genf, auf ihren Befehl hätte geben müssen, um ste durchzusehen und hin und wieder ^»—verbessern, ehe man ste gegen ihn gebrauchen könnte. **“* Darauf setzt er noch hinzu: „Trachten Sie nach meinem Leben! Zch suchte doch immtr in der Furcht Gottes zu leben, und bemühete mich, den geraden Weg zur Seligkeit zu gehen. Gott mach»' Denen seine Geheimnisse bekannt, die ihm Ehre bringen. DaS, was ich gethan habe, habe ich bloS darum gethan, um einen Grund meines Glaubenanzugeben, zur Ehre GotteS und zum Heile meiner Seele. Gott kennet mein Herz und ist Zeuge, meiner Aufrichtigkeit und meiner Unschuld. Bringen Sie nicht unschuldige- Blut auf Ihre Häuser, auf Ihre Familien, aur Ihre Stadt! Und Gott, in dessen Hand wir Alle sind, wirb Sie segnen, wenn Sie feine heiligen Wege lieben. Zch bitte ihn von ganzem Herzen, daß er Sie segnen wolle und Ihre Herzen rübren. damit Sie voll Barmherzigkeit und Mitleid gegen mich armen und bedrängten Knecht des Ewigen bewegt werden." Die zweite Bittschrift ist vom 12. März datirt, sie ist weit wichtiger. Hier folgt sie ganz: ,.Zm Namen des Ewigen, de-^pkteS gebietendesuiv bochzvverebsendl -Zerret,! Das. was ich Ihnen setzt vortragen will, geschieht nicht darum, um dem Tode zu entgehen. Vor Gott habe ich ihn nicht verdient, denn ich fürchte und liebe ihn. und. will ihn preisen und anbeten seinen-heiligen, ruhmvollen und ehrwürdigen Namen, biS zuin letzten Athemzuge meines Lebens. Aber doch, nach Ihren Gesetzen, nach Ihrem Glauben und nach demjenigen, was man mir gewöhnlich vorwirft, werden Sie urtheilen, daß ich ihn mit Recht verdient habe.' Wenn es Gott gefallen sollte, würde er feine großen Wunder bei meiner Errettung sehen lassen, nicht um meinetwillen, als einearmen und elenden Sünders; sondern um seinen tzroßen und ehrwürdigen Namen zu verherrlichen, damit die ganze Erde erkenne, daß Gott der mächtigste Regent der Welt ist. Zch rufe feinen heiligen Namen, seine Gnade und Barmherzigkeit an. Wer auf den Ewigen .hoff». der wird nie zu Schanden werben. Warum sollen wir uns vor Gott fürchten? Gott ist überall, und nichts geschiebl ohne seine Erlaubnis. Hochgrbietende und bochzuverehrende Herren, mau wirft mir gewöhnlich zwei Dinge vor. Zuerst, daß ich den rechten Weg des Glaubens mit Fleiß verlassen habe. Zweiten«, wenn ich auch geglaubt hätte, auf dem rechten Wege -es Glaubens zu sein, so hätte ich bei einem solchen Glauben mich doch nicht um ein Predigtamt bewerben, in Ihre Stadt kommen und ein Aergerniß anrichten sollen. Zch werde inich bemühen, mit Ihrer Erlaubniß'beide Punkte nach meiner Einsichtzu beantworten. Was den ersten Punkt betrifft, so glaube ich. Laß ich auf dem Wege «r Wahrheit und der Seligkeit bin, und ich werde so lange dabei bleiben, bis man mich vom Gegen» theil wird überführt haben mit triftigen Gründen, die aus dem allen Testamente hergenommen find. Ich bete den einzigen Gott an, ich suche seinem Gesetz zu folgen, so gut al« mir möglich ist, ich will fürchten, lieben und prer. sen den heiligm Namen Gottes mein Leben lang. WaS den zweiten Punkt betrifft, müssen meine hochzu. verehrenden Herren wissen, daß daS Volk Israel mich nicht hat ausnednzen wollen, und mir gesagt, daß ich überall unter allen Nationen in der Furcht GotteS leben könnte, ohne mich zu entdecken und mich von meinem Glauben etnsirS merken zu lassen. Tausend Nebel mußte ich auf meiner Reise nach Venedig enragen; .als ich wieder wegging, war ich noch unglücklicher und elender. DeSwegen Hab' ich doch immer aus Gott, meinen guten Herrn, gehofft. Zch habe ein Predigtami angenommen, weil ich mich zu keinem andern Geschäft geschickt gefühlt, weil ich schon bei Jahren war, well ich meine eigne Wirthschaft zu haben'wünschte, auch mit der Zeit heirathen wollte, und keine Lust halte, mich frühzeitig zu entdecken. Wie Viele stehen nicht im Predigtamt und glauben vielleicht ganz andere Dinge, als Sie vielleicht nicht denken mögen, aber deswegen werden sie doch nicht ihre Stelle ausgeben, oder ihre Kinder verlassen. Man giebt mir freilich mit Recht Schuld, daß ich Sie und Ihre Stabt durch meine seltsamen Proceduren geärgert habe; allein dies geschah damals in einem Anfall von Wuth und Raserei, ich war damals nicht bei mir selbst, Ich weiß nichtdavon, Gott allein weiß es, wie es zuging. Aus diesem Grunde glaube ich, von Zhnen Vergebung zu erlangen, weil dieses nicht von.mjr herkam. sondern von einer schrecklichen, entsetzlichen 'und übernatürlichen Gewalt, "wie die ganze Stadt davon Zeuge war, und alles sehr gut weiß, und sich nicht darüber geärgert bat. Ehe ich selbst in Zbre Hände und in den Tod gegangen wäre, würde, ich weit litbrr biS an daS äußerste Ende der Welt geflüchtet sein. Hochg,bietende und bochzuverehrende Herren, hüten Sie sich, unschuldig Blut auf Ihre Häuser, auf Ihre Familien, auf Ihr? Stadt zu laden, wenn Sie mich umbringen lassen; denn Sie ^wissen vielleicht nicht die Wunder GotteS, des mächtigen GotteS Israels, und warum er mich auf eine fo wunderbare Art in Zhre Stadt versetzt ha:. Wenn der Anfang schon so wunderbar gewesen ist, fo wird ras Ende vielleicht noch wunderbarer sein. Ich werde niemals zu Schanden werden, so lange ich auf den Ewigen mein Vertrauen und meine Zuversicht setze. Der heilige Name des Ewigen, des großen GotteS Israels, fei ewig gepriesen und gerühmt von allen und an allen Orten. Hochgrbietende und hochzuverehrende Herren, wenn Sic meinen, daß ich dm Tod verdient habe, und wenn eS auch so Gott unserm Herrn gefällig ist. -so geschehe Gottes Wille. Wenn Sie mich retten, so werden Sie eine unschuldige Seele retten, welche den Gott der Himmel fürchtet. Zch werde Gott von ganzem Herzen bitten, daß er Sie mit seinen heiligen Segnungen beglücken und Zhnen daS Herz rühren möge, wenn eS so sein guter Wille iß. Zch bin Genf. d. 12. Mär; 1632. meinen hochgebielenden und hochzuverehrenden Herren Dero untertbänigster Knecht und Gefangener NicolauS Antoine.

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