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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 24 (1856) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
24 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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S4 Venedig wenden. di« eher sein Gesuch erfüllen würden. Er reiste wirklich nach Venedig, erössnele den Juden fein Vorhaben, und bar ste» ob ste ihn nicht beschneiden wollten; allein auch hier blieb sein Wunsch unerfüllt, indem die dortigen Juden ihm sagte-, daß der Senat ausdrücklich ihnen verboten hätte, Proselyten zu machen. Er konnte also auch hier nicht die Verstegelung de» neuen Bunde», die ,r so sehr wünschte, erlangen, und fragte, daher bei - -den Juden in Padua an; hier erbielt er die nämliche Antwort. Diese Juden und die zu Venedig sagten ihm, daß er schon selig werden könnte, ohne sich öffentlich zum Judenlhume zu bekennen, wenn er nur iaseinemHerzen dem elaigen.Gott tre» bliebe. Antoine ward durch diese Versicherung beruhigt, reiste nach Genf zurück, »eil er hier noch die meisten Bekanntschaften hatte. Rach kurzer Zeit verttaute ihm der Prediger und Profrffor Diodati den Unterricht seiner Kinder an. Man war mit ihm zufrieden und dem äußern Scheine nach setzte Antoine seine theologischen Studien fort, predigte fleißig und ward Lehrer der ersten Elaffe de» dorti- £<» Gymnasium». Bald nachher nahm er den philosophischen Grad an. ohne indessen seine äußeren Umstände nach Wunsch zu verblffern. In diesem ganzen Zeiträume lebte er übrigen» äußerlich al» ein Christ. wie er auch nachgehendseinen Richtern gestand, daß er zu den gewöhnlichen Zeiten unausgesetzt zum Abendmahl gegangen sei; insgeheim aber lebte er für sich nach den Gebräuchen der Juden, ünd beobachtete ihre gottesdienstlichen Handlungen. Mit seiner ganzen damaligen Lage unzufrieden, war er auf eine eigentliche Versorgung bedacht. bat zu dem Ende um ein Zeugniß von der Kirche zu Genf, welche» man ibm ohne Umstände gab. Run wendete er sich an die Synode von Bourgogne, welche sich zu Ger versam- * melte. lfm sich daselbst eraminiren und ordiniren zu lassen. Die Synode nahm ihn an und nun mußte tx noch wie gewöhnlich an EiveSstatt versprechen, daß er sich bo ständig nach den Lehren, die im alten und neuen Testamente vorgetragen find, richten, sie jederzeit öffentlich bekennen. Sch der Kirchendisciplia und dem Slaubensbekenntniß der reformirten Kirche in Frankreich unterwerfen wollte. Alle» die»-rhar er feierlich, worauf er ordinirt und zum Prediger bei der Gemeinde zu Dirvnne ernannt wurde, einem Dorfe, da» zum Kirchensprengel zu Ger gehört. Rach einiger Zelt bemerkte der Gutsherr de» Orte», daß Anioine weder in feinen Gebeten, noch in seinen Predigten vom Stifter der christlichen Religion sprach; daß er seine Terte blos au» dem alten Testamente nahm und die Stellen de» alten Testament-, welche die Christen auf den Urheber de» Ehristrnibum» deuten und anwenden, von andern damals lebenden Personen erklärtes Dem Kirchenpatrou kamen Antoinen» Meinungen, die er laut auf der Kanzel äußerte, verdächtig vor und nah« sich vor. ihn noch genauer zu beobachten, und dem Befinden nach al» Ketzer höheren Ort» anzuzeigen. Antoine, der von einem vertraute« Freunde davon Nachricht bekommen haben mußte, ward darüber unruhig. Sein von Natur finstere» und melancholische» Temperament neigte sich ganz zur Schwermutb. die immer zuaahm. so daß er im Anfänge de» Februar» 1632 eine« Anfall von Wahnsinn bekam. Dieser ganz natürliche, von seiner Constitution und Leben-art leicht zu erklärende Zufall ward von den Einwohnern seine- Ort» für eia wirkliche» Strafgericht Gotte» gehalten, weil «r sich gerade einen Tag nachher ereignen mußte, al» dieser unglückliche Mann den zweiten Psalm nicht von Christiz» auslegte, sondern ziemlich so erklärte, wie ihn die Juden zu erklären pflegen. Dieser erste Anfall von Raserei war bei Antoine gleich so ge^ waltig heftig, daß er sich durch äußere Zeichen äußerte. Auf Händen und Füßen ging er in seinem Zimmer herum, schimpfte auf feine bi-herige Religion in Gegenwart eini. ger Prediger, die gerade von Genf bei ihm zum Besuch waren. Zu den Theologen. die in seinem Zimmer waren. sagte er: sie sollten ein Kohlenbecken mit glühenden Kohlen beraufbringen lassen, er wollte die Hand in» Feuer stecken, und zum Beweise seiner Lehre ste Unversehrt erhalten, sie möchten e» denn auch versuchen, und sehen, ob ste mit ihm ein gleiche» Schicksal haben würden. In der Nacht entwischte er in der heftigsten Raserei seinen Wächtern. lief in einem Strich fort, bi» an die Thore von Genf, wo man ihn den anvern Morgen balb nackend im Kotb fand. Nachdem er seine Schuhe im Namen de» wahrhaften Gotte» Israel» ausg,zogen batte, fiel er mit bloßen Füßen auf die Erde und betete den einzigen wah. ren Gott an. Sobald der Magistrat von Genf diesen Vorfall in Er. fabrung gebracht hatte, ließ er den armen Kranken in ein Spital bringen, wo ihn die Aerzte mit aller Sorgfalt behandelten und die Prediger besuchten. Durch die Stärkungsmittel der Aerzte und durch da» Zureden der Prediger ward sei» Geist nach und nach heiterer und er erhielt so ziemlich seine vorige Ruhe wieder; allein die Vorzüge de» Judentbum» vertheivigte er noch immer stark. Kaum war er wieder so ziemlich gesund geworden, kaum batten ihn die heftigen Zufälle de» Wahnsinn» verlassen, alman ihn in ein Gefängniß fetzte, worin er schon geraume Zeit war. ehe der Magistrat von der ganzen Sache etwa» erfuhr. Die Geistlichen setzten indessen ihr« Besuche bei ihm fort, und gaben sich alle Mühe, ihn von der Falschheit seiner Grundsätze und Lebrmeinungen, von der Schändlichkeit seineganzen Betragen» zu überführen und ibn wieder davon zurückzubringen. Alle ihre Versuche wollten nicht die gehoffte Wirkung rhun, ihre Bemühungen, durch Gründe ihn von seiner Meinung abzubringen, waren vergeben», er blieb fest und unerschütterlich bei seinen Ansichten, vornehmlich bei der. die sich seinem Geiste so tief eingeprägt hatte, daß die jüdische Religion unend-' liche Vorzüge hätte. (F«rtte»>u, t-lgt.) Eine Denkschrift — ein Denkmal. Jedermann kennt den Antrag de» Abg. Wagener im Hause der preußische» Abgeordneten auf Streichung re» Art. 12. Jedermann weiß, daß die preußischen israelitischen Gemeinden sich wie Ein Mann dagegen erhoben und binnen 14 Tagen 264 Petitionen gegen diesen Antrag an da» Hau» sandten. Die Commission de» Haufe» modiflcirte den Antrag, daß den Richtchrtstea die bürgerlichen Rechte gewährt, die staatsbürgerlichen Rechte entzogen werden sollten. Die preußischen Jude»

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