Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 24 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolWlatt. 9ut Leiehruny und Untergattung auf jüdischem #e6iete. Herau-gegeb«» »et Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. [Wo. 24. 1850.] WK«T JWUAnft «rftfwi«, tuagl i t ....»Ochx»,«» et»« «u»»»r. -r»IB *»•?«»(• f 4* M Sumij&tng 7% »gr. Mi t‘ujfcbJii&IuB*fn, «aftämtrr Unft Sdran^OcrrrtittMea *(bmm Leben de» protzstantischen französischen PredigerS Rtcolauö Antoine, der 16^ von den Protestanten öffentlich verbrannt wurde, weil er heimlich zum Judmthume übergetreten war. Wir entlehnen diese interessante Erzählung wörtlich auder Schrift: „Unterhaltende Aufsätze für LesegesrLschaften. 1790." Heft 1. u. 2., jedoch mit Hiorveglaffung aller der Ausdrücke, welche gegen die christliche Religion laufen. Redaction de» jüd. Blktbl. Vor einigen Jahren wurde die Geschichte eineschlesischen Bürger-, der ein Jude geworden, mit vielen Umständen in der berlinischen Monatsschrift erzählt. Sein Name war Joseph Stehlitzki, Rathmanü zu Nikolai, alwenden, und da sie ihn zum Etudiren bestimmte», föMfrn sie ihn auf die Stadtschule nach Luremburg. wo er fünf Jahre blieb. Die höheren Etndten trieb er z» Pont.a Mouffon. Trier und Eöln unter den Jesuiten biin sein zwanzigste- Jahr, d^ er absolvin zu haben glaubte, und wieder nach Hause r^sie. Rau» war er bei seinen Altern. alihm mancherlei Zweifel gegen frtna väterliche Religion auistießen, die er nicht zu heben «niffr, worans eine völlige Abneigung dagegen bei ihm entstand. Ar vorließ seine Altern, reiste nach Metz, und wemdte sich an den damalberühmten und gelehrte» resoruüNen Thevlogen Fern, entdeiktr ihm feine Zweifel und seine» Entschluß. ein Protestant z» werde« und die resormlrie Religion anzunehmen. Ferri war daz» bereit, gab ihm ans- Neue Religion-unterricht. und Antoine nahm die resor» ..... „ «irte Lehre mit aufrichtigem Herzen au, bekannte sich bs- Jude führte er den Rainen Joseph Abraham, «an ere.ntltck, da;», ja sein Alfer für diese Lehm ging sa weit, wartete in der Nähe hnd Fern, die schrecklichste LetbeEst -haß er öftere Versuche machte, seine Altern zu bekehren, und Tode-strafe, die der arm« Abgefallene würde au»stehea e«,« „ ,jn«al zu den Reformirten übergrtrrten war, so \ax eeinigermaßen für ste Psticht, für sein Fortkmnmen zli sorgen; zu dem Ende schickten ste ihn va» Metz nach müssen; allein g-gen all? Erwartung der Intoleranten erfolgte gar keine Straff. Der weise König Friedrich der Zweite. dessen Andenke» Jede« heilig sein wird, der die geheiligten Rechte der Vernunft kennt, der «- weiß, daß dieser Pater seine- Daftrlandedar gekränkten Vernunft Gerechtigkeit widerfahren ließ — bedauerte den Mann, aber erlaubte ihm, Jude zu bleiben. Dieser in jeder Absicht merkwürdige Vorfall bestimmte mich, ähnliche Beispiele auS den älteren Zeiten aufzufuche«; ich fanv einige. Allein ich fand auch zugleich die ganze Barbarei de- 17. § Jahrhundertin Absicht derMeligion. Ja unfern jetzigen Zeiten glaubt kein Vernünftiger mehr, daß emöglich fein kann —| leider geschieht eS aber doch noch häufig genug —-- Andere ihrer Reit» gion und Meinungen wägen zu verfolgen, oder wohl gar hinzurichten; damals wurde efür daerste und vornehmste Hauptstück aller Religion-parteien gehalten, verfolge Alle-, wanicht glaubt, wa- Du glaubst, und brich ihnen Hal- und Kopf, wenn Du kannst, denn wenn man Dich gleich hier für einen Schurken hält, so wirst Du doch in einer andere« Welt dafür belohnt werden. — Doch al- Einleitung zur folgende» merkwürdigen Lebensgeschichte eines unglückliche« Bekenner- und Märtyrers der jüdischen Religion mag dies genug sein. | Nikolaus Antoine oder Anton, war getoren in Brieu in Lothringen, von katholischen Eltern, die ihn in ihm, väterlichen Religion erziehen ließen. Rach ihren Venn-, gkn-vmständen konnten sie auf seine Erziehung Atwa- Sedan. daß er daselbst Theologie fiudiren sollte, wozu er noch am meisten Fähigkeiten und Lust zn haben schien. Der erste Kursus war geendigt, er mnßt« also nach Senf, um die Universstätsstudien treiben zu können. Vorzüglich gern studirte er im alten Testamente, dafür er leidenschaftlich eingenommen war, und int neue« fand er so mancherlei Schwierigkeiten, die ihm unaustöslich zu sein schienen, woher sich einigermaßen seine frühe« Vorliebe fürs Zudenthum erklären läßt, indem er etwn fünf oder sechs Jahr vor seinem Proceß wirklich im Herzen schon ein Jude war. u Ahaben schon mehrere die Bemerkung grmncht, Wfi' öftergewiss, neue Religion-meinungen eine» so stochdm Eindruck aus die Menschen machen, hoß-^ste alle früher«," Religionsb,griffe und Vorstellungen > verdnängen, gerade so ging es Antoiaen. Die Idee, das Judenchü« ist die einzige wahre Religion, halte bet ihm feste Wurzel gefaßt, daß er an weiter nichts dachte, als wie er es «ög» lich machen könnte, nicht blos innerlich, sondern auch anßerlich ein Jude zu wekdea. Zu de« Ende verließ er Senf, reiste nach Metz^ entdeckt« sich de» dastge» Juden, und bat ste. daß ste ihn feierlich in ihre SvnNGvge aufnehmen möchte». Die Juden schlugen ihm feine Bitte ab. »eil ste befürchte« mußten, sich dadurch manchert« Verdrießlichkeiten zuzuziehen; doch gaben ste ihm tzen Raid, er möchte flch lieber an die Juden in Amsterdam »der