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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 23 (1856) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
23 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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Wer zuckt mir den Achseln bei dieser Aeußerung? Ich weiß e», daß schon in älterer, naiverer und gläubigerer Zeit man den Witz-gewacht hat: y?n vnss r-rrpnx trs: rran „Da» egpptische Exil wurde s. 3 Abgekürzt, weil die frommen jüdischen Frauen jede» Jahr | einige Wochen vor Peffach ihren Hausgenossen Gclavenleid!en bereiten und dadurch jene Abkürzung' reichlich ersetzet." — Aber laffst fie nur gewähren, die biederen Frau«! sie breiten eine höhere Weihe über daS'-alltagtiche Gcheise, und wa» Ihr an ihrem ceremoniöfem Eifer so gern belächelt, siößet. ohne daß Ihr eS oermuthet. selige Gefühle höherer inniger Freiheit in Auer vom Geschäfts-Sclavendienste abgestumpft - tte» Gemürh. Allch ist es bekannt, welch weiterer unschätzbarer Em» stuß dem ceremoniellep Reinigungsgesetze deS Peffach zugeschrieben wird; so daß eini ganz« englische Staar»com- Mission die Hauptursache, aus welcher die Israeliten weniger von der, Cholera beiMgesuchr wurden, in dem jüdischen Ceremonialgesetze erkannte, insbesondere aber in dem ReinigungSzebote de» PeffachfesteS. (A. Z. d. I. 1853. No. 13.) Dieses Jahr ist aber besonder» geeignet, um die Pessachzeit unsere Frauen in eine heilsame Aufregung zu ver^ setzen; denn der Rüsttaq (tT) fällt auf einen Sabbath! So war «S zuletzt im Jahre 1852, und ich erinnere wich, mit wie vielen casuistischen Fragen ich damals heimgesucht worden, so daß ich mich veranlaßt gesehen.''ein besonderes Circulär zu erlassen, worin die genaueste Belehrung über die an jenem „großen" Sabbath. seinem Rüsttage, sammt dem vorauSgehenden Abend, zu beobachtenden Ceremonien. enthalten war, Damals war die» um so unerläßlicher. da 20 Jahre lang, seit 1832, da» Fest nicht mehr so eingefallen war, und Niemand sich mehr erinnern mochte, wie e» damit zu halten sei, ja Manche erstaunten gar darüber, daß der Nüsttag deS Bestach am Sabbarh fein könne, da die» so genant sei! Daher dürfte die Veröffentlichung folgender Notiz nicht ohne Interesse sein: Sowohl in einfachen, als auch in Schaltjahren, kann der Rüsttag de» Bestach am Sabbath treffen, und im Tanzen rst die» .nicht so gar selten, denn in einem Jahrhundert kommt e» 11 Mal vor. Allein verschiedene Regeln deS Kalender», z. B. baß die verschiedenen Festtage an gewissen Wochentagen, nicht beginnen können (wie Neujahr nicht am 1. 4. u. 6. Wochentage), bewirken, daß zuweilen 20. zuweilen nur 3 Jahre vergehen, bijener Fall eintritt. Don jetzt ab geschieht e» wieder erst nach 20 Jahren, und »a bi» dahin wieder Viele über diese eCombination erstaunen dürften, so möge hier eine Uebersichl davon folgen, wie oft und wann, sowohl im 19.-Jahrhundert, al» auch im 7. Jahrhundert de» 6.' Jahrtausend der jüdischen Arra jener Fall vorgekommen und Vorkommen wird. . I. Im 19. Jahrhundert: 1801.' 1805. 1825. 1828.' 1832. 1852. 1856. 1876. 1883. 1896. 1899. II. Im 7. Jahrhundert d. 6. Jt. jüd. A.: 2'“v (J852). —r. (1856). (1876). sann (1883) (1896). artn (1899). scnr (1903). rp (1910). ac-r (1923).;c-r (1927)..y-r (1930). Schott. Bildtt aus dem Pegyalja- oder Tokayer- Gebirg. Loa I. Rosenmeyer ln S. a. Ujhelv. u, 1 lSitbe dto. 15. k. Bl.» Jtomm, lieber Leser, folge mir im Seifte, die schwarzen Wolken mit ihren feurigen Blitzstrahlen und rollendem Donner haben sich verloren, die Schwüle hat sich gelegt und einer lächelnden Heiterkeit, die Alles erfreckt, Platz gemacht, die Sommerblumeo, welche gestern noch vor Mattigkeit zu verwelken schienen, haben fich wieder emporgerichtet und sehen stolz in die Welt hinein. Siehe da kommen auch schon die lieben, Kleinen mit Büchsen und Hämmern, um mit mir einen AuSstug in die freie Natur zu Machen, jeder Einzelne hat sein Ränzchen und ist mit Butterbrot von der lieben Mutter wohl verfeheck. Da» nahe gelegne Wäldchen ist erreicht, kein Lüftchen V<gt sich, Alle» ist noch mäuschenstill, nur nach und nach hörst Du dm Morgengesang der Waldvögelein und baS Flüstern der Winde zwischen den Bäumen. Die liebe Jugend springt und hüpft in den Wald hinein. WaS fich ba thut! Der Eine pflückt Blumen, der Andre jagr einer Lepke (Schmetterling) nach, der Dritte bringt Muscheln in Kalkabdrückea und fragt: wann "diese gestorben seien. Die sind tont, entgegne» ich, und schlafen schon Hunderte von Jahren.in diesem Gebirge hier. Diese Antwort genügte nicht, und ich versprach, morgen in Erdöbenye, einem reizend gelegnen Badeorte, ausführlich diesen Gegenstand zu erläutern. Wir brachen auf unv erreichten bald die Landstraße. Welch ein Leben! Den Berg hinab rollt ein polnische» Wägelchen mit kleinen Pferden bespannt, in denen zwei Rebbi» sitzen, vom zahlreichen chaffivischen Gefolge begleitet, ihnen »heil» zu Fuß. theil» zu Wagen folgen langbärtige Aschkenasim, welche die Noth zu dieser Wallfahrt treibt; denn die böse Frau, die Cholera, macht ihre Rundreise durch Mitteleuropa und will auch dem Magvarenlanve eine Sroßvistte abstatten. Die Menge nimmt immer mehr,zu, von allen Seiten drangt sich das Volk zu jenem Hügel dort, um am Grabe deS großen Rebbi Mofcheh Teulelbaum*), dessen Jahreszeit heut ist, Segen vom Himmel zu erflehen. Amphikeatralisch erhebt sich der Begrädnißplatz. Zahlreich zerstreut stehen einfache Leichensteine, schlicht wie Israel selbst, geliebte Todte ohne Blume und Strauß. An jenem Ende erblickst Du ein kleines Gebäude von Steinen aufgebaut, an ihm folgende Inschrift: rz rrrp yvrrs iv nyr bnwn p« n?_7 rrsfci **) rr^73 briä-bit »b; "n vp22 LS ist die Familiengruft, bn» genannt, deberühmten Rebbi Mofcheh, dessen Grab ein Kasten bedeckt, wohinein Tausende Bittgesuche werfen. Am Eingänge deS Friedhöfe» an einem grünen Tischchen sitzen einige Depukirte. “) Rebbi Mofcheh war Rabbine in S. a. Ujhelv und galt iu der wetten Umgebung al» großer Gekehrter und biederer Charakter. *•) 2. Luch Mose» Ä. 33. v. 7 Bit einigen Abänderungen.

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