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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 22 (1856) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
22 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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-- 87 Um so trauriger öfter war da- Familienleben des Kaufherrn. Seine Gattin Lea batte ihm drei Knaben ge» baren, von welchen der älteste. Juda, in Folge au-schwersenden Lebenzu Grunde ging, der zweite, Lghomon. in früher Jugend starb, der «jüngste Sohn aber, VMon, schon im Knabenalter große Verdorbenheit und! Störrigkeit zeigte. Nach zahllosen vergeblichen Ermahnungen und Strafen, welche Abele-' an seinen Sohn verwendete, besaufterda er seiner Religion abtrünnig werden wollte, entlief fccrselbe 1693 im 13. Jahre seinA- Altervöllig aude« väterlichen Hause und hielt längere Zeit bei einem gewissen Franz Kawka in der Kftfiodt verborgen, wo er dadem Vater entwendete Geld.re^chtfinnig mit gleichem sinnten Spießgesellen vetpraßte. bi- ÄheleS den AufeM» halt seine- Sohneentdeckte, denselben gewaltsam in fein Hauzurücksührte und nach derber Züchtigung unter strengen Gewahrsam nahm. . Die Bo-Heit de- Jungen nahm aber hiedurch noch zu; wiederholte Diebstähle und Entweichungsversuche veranlaßten neue Züchtigungen, und so. kam es im Verlaufe de-> Monat- September, daß Abelebei einer Züchtigung de- Knaben — welchen dex eben anwesende Jude Lewi Kürzhandel hielt — denselben mit dem Stocke so unglückli-! an die Schläfe traf, daß, Simon l"dt zu Boden stürzte. Der unglückliche Va er, ebenso wie sein anwesender Glaubensgenosse Kurzhaisdel. nach der pelnlichen Gericht-, ordnung jener Zeit mit suchten den unfreiwillige!, Knabe sollte an einer Hlrnenizündung verstorben siin und den schärfsten Strafen bedroht. Todtschlag zu verhehlein. der wurde in der Stille aus dem jüdischen Ftiedhvse beigraben. Ungeachtet aller Dorstcht aber war durch den Jammer von Abele-' Weibe Lea und seiner Dienstmagd Hennela da- Gerücht einer geschehenen Gewaltthat verbreitet wor» den, und) der Concipisk der königlichen Statthalterei in Prag-. Konstantin Frenkin, veranlaßte die gefängliche Einziehung des greisen AbeltS. feine- Weibe-, der M^gv und de- Lew, Kurzhandel. « . Am 27. März defolgenden Jahre- 1694 wljrde der Leichnam veS rodken Knaben au-gegrabei, und gerichtlich obducirt. wobei die Aerzte in der Wunde an der linken Schläfe die llrsache gewaltsamer Tönung erkannten. Gegen Abele- und seinen >Genoffe» wurde sonach der Eriminalproceß anhängig gemacht, dem e» nach dem gräßlichen Verfahren jener Tage durch Folter« und Marter- Instrumente nicht an Mitteln fehlte, die dem Untersuchungsrichter glaubwürdige Antwort zu erpressen. Auch gegen Abelewurde ungeachtet seinevollen Geständnissemit der Tortur vorgeschritten, und der alte Mann in Voraussicht eineschmählichen Endeauf dem Richtplatze ln solche Verzweiflung gestürzt, haß er im Kerker seinem Leben selbst ein Ziel setzte uitd sich mit seinem Gürtel erhros. selte.' Seine Leiche wurde vom Gerichte dem Henker übergeben. welcher dieselbe dldie eine- Sohne-mörderzur Rlchtstälte schleppte, die Prust öffnete, da- Herz herau-riß, dem Todten um den Mund schlug, sod-nn de» Körper in vier Theile theilte stnd auf dem Scheiterbaufen verbrannte. Die Strenge diese- Verfahrens hatte;um guten Theil auch in dem unglücklichen Sectenhaffe jener Zeit ihren Grund, einem Haffe, welcher noch sechs Jahre später selbst in der Hauptstadt Wien den blutigen Tnmult gegen den irn Samuel Oppenheimer hervprrief, und welcher in chjagenen Sobne de- Abelewillkommene Nahrung 7'« im unglücklicher, Zorne geschehene Thal Mectenhaffe ^geschrieben. Simon al- Blut- 'jlt, sein Leichnam köstlich geschmückt und auft n 13. März mit großem Pompe zur Erde sich viele Würdenträger, die Schuljugend tße Anzahl Volkebetheiligten, sen Lewi Kurzbandel wurde die Untersuchung fort« geführt, und es konnte umsoweniger schwer fallen, ihn schuldig zu finden, alauch die übrigen Verhafteten Lea, die^agd Hennela Dch ein anderer Israelit, Repp Lipmann,- welcher zur -Zeit de-' Unfälle« in Abeile-' Hause zvar, Zürich die «gedrohte Folter erschreckt, gegen ihn ' DMgzieU und er in der That den Knaben während der so «glücklich geendigten Züchtigung sestgehalten batte. Er . wurde sonach der Theilnahme am Morde auden erwähnten Gründen schuldig erkannt und zum Rade' von unten auf verurtbeilt. Kurzbandel behielt nach der Derurrheilung und bizu den letzten Augenblicken de- Lebenvolle Ruhe, erklärte wiederholt seine Unschuld und warf den Zeugen ihre Einschüchterung und ihr lügenhafte- Geständniß vor. Auch bei der Ausführung beS ' gräßlichen UrtheilS. alihm bereitdie Knochen in Arm und Beinen durch schwere Stöcke'zerschlagen waren, behielt Lewi noch die Destnnung und besprach sich mit dem »ahostohenden Geistlichen. Die übrigen Verhafteten hatten durch die gegen Lewi abgegebene Zeugenschast ihr Leben gerettet u»d wurden fteigelassen, und so endete dieser traurige «Abschnitt im großen Buche dereligiösen Sectenhaffe- und aller dam»! verbundmen Gräuel, wodurch ein angesehener,, am Ziele seiner EHrenbahn stehender Greizum Selbstmorde ge*! bracht, ein wahrscheinlich unschuldiger Manie «1er dep« fürchterlichsten Peinen hingeii«bter und ein Wohlhabendes^ Hauin Trauer. Armuth und Schande ges^rzt worden war.; 1 . Blumen!esc. : 1 Auszüge von Erzähl,»gen. Glelchitffen, Gedanken „d Met«,»- ge», wie Erklärungen von Schriftstelle, an« hebräische» Werken. von Joseph Rawik) in Brealan. Wenn Eltern einem Kinde sagen, bemerken die Gelehrten, wie: Übertritt ein Verbot, diese- Gefundene brauchst Du dem Eigenthümer Glicht zurückzugeben, beachte nicht da- Sabbatdgesetz. ist da- Kind de- Gehorsamgegen dieselben hierin"entbunden. De-Halb reihet die heilige Lehre da- Gebot der Sabbathbeobachtung a» da- Gebor der Elternverehruag, um letzteredem erfiere» anlerzuordneii, und jedem etwaigm nachtheiligen Einflüsse derselben auf die göttlichen Gesetze vorzubeugen. „Ein Jeder ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater, urwbeobachle meine Ruhetage. Ich bin der Ewige, Euer Gott. 3. D. M. 19, 3?' Ihr Alle schuldet mir ehrerbietige Untei» werfung. v Mit der Zerstreuung Israels, sagt Rabbi Elieser. beabfichtigle der Allerheilige nicht- Andere-, aldie Verbreitung einevernünftigen Glaubens, einer reinen Sitt.

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