Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 22 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
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80 Gras,» mit Lebensmitteln za versorgen, wett ei den Anschnn hatte, daß Kapnin. Pascha von Semendria. mit seinen KriegSschaaren daS Comitat überschwemmen werde. Adongi hatte eben beträchtliche Mehlvorräch, in da- Schloß Nagv-Zda unweit von Kaschau obgelieferr, als Perenvk in demselben mit den Resten seiner inzwischen vdn Kapnin hart mitgenommenen Banverien erschien, abet durch die geringe Anzahl seiner Söldner gezwungen war, da» Schloß seinem Schicksale und-den nachrückenden Feinden ' preiszugeben, um La» nahe, wichtigere Kaschau zudecken. In den Wäldern von Nagy-Jda war zu gleicher Zeit eia Trupp von Zigeunern erschienen, und diese machten Perenyi den Antrag, did Dettheidigung de» Schloff,» zu übernehmen. wenn er einen erfahrenen Kriegsmann an ihre Spitze stellen wollte. Al» aber Perenvi diesem Verlangen nicht entsprechen konnte — denn seine Schaaren bestanden au» untergeordneten Söldnern, deren Führer größtentheil» , gefallen waren — erbot sich der Jade Adonyi, die Derlheidigunq zu leiten, und zog an der Spitze der Zigeu» ner in das Schloß ein. ff» wurden sofort die Berthes. rigung»arb«iren mir ffifrt betrieben, die fünf vorrälbigcn Kanonen de» Schlöffe» in Stand gesetzt und auf die Mauern gepstanzt. Avonyi war Tag für Tag unermüdet beschäftigt, seiner eifrigen) ober ungelenken Schaar die nörbigsten Handgriffe in Führung der Waffen.beizubringen. Nach Verlauf von fünf Tagen, den 24. Juli, zeigte' nch der türkische Dorrrab da» erste Mal vor Nagy-Jda. .Die Aufforderung zur llebergabe wurde von dey «ackern » l Penheidigertz mit Kanonen- und Flintenschüssen erwiedert. \ Kapnin Pascha lagerte hierauf ergrimmt mit seiner vollen Macht vor dem Schlosse und bestürmte e» — da der felsige Grund den Minenbau nicht zuließ — unter einem unaufhörlichen Feuer au» allen feinen Geschützen. Adonvi und seine Zigeuner erwieverten dasselbe nach Möglichkeit und schlugen sieben Stürme der Türken io tapfer zurück. ' daß der Pascha nach dreizehn Tagen an der Einnahme de» Schlosses verzweifelte, und sich — nachdem er über 400 Mann vor dessen Mauern verloren batte — zum Abruz entschloß. Aber auch,im Schlosse war Mangel an Munition «in- .erissen. und obwohl der umsichtig« Adonyi die größte Sorgfalt und Sparsamkeit bei der Ladung, der Geschütze anbesahl, so fanden die Zigeuner an dem unausgesetz- „ len Abseuern derselben doch so großes Vergnügen, daß ' am vierzehnten Tage, wo der Abzug der Türken erfolgte, . nur noch einige Pfunde vorrätbig waren. Durch diesen Mangel und einen bösen Zufall sollten alle Früchte der Dertbeidigung verloren gehen. Adonvi suchte nämlich nach dem Abzüge der Feinde die Zigeuner vergebenim Schlosse l zurückzuhalten, welche in dem ihrem Völkchen angebornen (Erwerbs- und-Tiebsfinn sogleich nach der Lagerstätte Ne- ^ken. um in derselben Nachlese zu halten, Zwei derselben gerietben hier in die Hände der rürkischenXNachzügler, ' wurden ergriffen, vor den Pascha geschleppt, und verriethen hier —'von btm Tod, bedrobk — den verth,.idiaungSlosen Zustand von. Nagv-2da. Kapnin Pascha gab diese Neuigkeit seinen entmuthigten Truppen kund" und kehrte hierauf mit der ganzen Macht vor da» Schloß zurück, au» welchem Überbit» ein Theil der Zigeuner bereit» abgezogen war. Die zusammenge« «chmolzene Besatzung wehne zwar den erneuerten Sturm noch einige Stunden mit Piken, Äerten und Schaufeln ab, konnte aber bei der einreißenven Muthlosigkeit nicht länger widerstehen, und am Abende desselben Tagewurde die weiße Fahne als Zeichen der Unterwerfung ausgesteckt. Der ergrimmte Pascha gab da- Schloß den Flammen preis, die tapfere, aber unbesonnene Besatzung jedoch mußte über die Klinge springen. Wahrscheinlich rheilie auch der tapfere Adonyi diesetraurige Schicksal; wenigstens ist die Sage, daß er mit vier Zigeunern dem Blutbad« entronnen und nach Kafchau gelangt sei, durch nichts beglaubigt. Die Dertheidigung res Schloteselbst ist nur in WinrischS Geographie von Ungarn mit wenigen Worten erwähnt, daher die vorliegende nähere Schilderung Interesse gewähren dürfte. In Nagy-Jda soll biS 1797 eine jetzt verlorene Steinrafel die Erinnerung an die heldenmüthige Dertheidigung. sowie an das traurige Ende deS jüdischen Anführers Adonvi und seiner Kampfgenossen bewahrt haben. 11. Lazarus AbeleS. Lazaru» AbeleS, Handelsherr in der Juvenstakt zu Prag, ist merkwürdig durch fein tragische» Schicksal und Ende. j Sein Geburtsjahr ist nicht zu ermitteln, doch muß! dasselbe jedenfalls um 1630 fallen, da Abele»' Name I schon unter den Gliedern der israelitischen Deputation vorkommt, welche den Prinzen — ein Jahr später Kaiser — Leopold f. bei seiner Krönung zum Könige von Böhmen in Prag beglückwünschte und um Bestätigung der alten Privilegien bat. Abele» betrieb nicht nur einen ausgedehnten Handel mit Leinwand in seinem eigenen Hause in Prag, sondern bereiste auch mehrmals 'Polen, Mähren und Böhmen, gelangte auch später, insbesondere al» Bevollmächtigter und Commissionär de» reichen Wiener Hofjuden Samuel Opi.penbeimer*), zu stets größerem Wohlstände. In dieser Eigenschaft kam er auch mehrmals nach Wien und wurde 1683 von seinen Glaubensgenossen abermals der Deputation beigegeben, welche den Glückwunsch über die abgewendete' Türkengefahr nach Wien brachte, als ein, wl, e» in einer gleichzeitigen Quelle heißt: ,,der teutschen. . böheimbischen und polnische» Sprachen wvbl kundiger unv erfahrener, ansonsten auck geraißter unv verstrter Mann." Bon dieser Zeit an scheint 1 Der schon betagte AbeleS sich ' fortwährend In Prag in gsitem Wohlstände aufgehalten zu! haben. ' i ' . . I *) Lderkrieg»- und Hoffakker Kaiser Leopold I.. ein Manu, der in den schwierigsten KriegSepochen mir anfopferuder^Hingk' bung den kaiserlichen Armeen Montur. Waffe». Peoviam. Pferde s. w. lüftete und Keld zur LnSzahlnug de» Solde» vorstreckl.. Seiner erhabenen Uueigenuützigkeit und Aufopferung zumeist verdankt« «an e». daß Oesterreich und Deutschland von der Herrschaft der Türken gerettet werde» konnte. Oppenheimer war ferner der Erste, welcher in Oestsrreich die großen Seidem'abnkeu anlegte und damit einen Enverbzweig für viele Tansenbe von Menschen gründet. Auch errichtete er da» Judeuspital in Äoßau. Der bei jeder Gelegenheit sich durch seist Daukbarkeit a»S;eichnende Pöbel stürmte im Juli I^OO feine Wohnung (am Bauernmarkt ia Wie», jetzt Ro. 571. Wertheimsteiu'sche» Hau») und vlüaderte diese rein au». Oppenheimer, starb 1703 t« lösten ' Lebensjahre.