Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 22 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
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88 liAfcit und eines geraden Reckteunter den verschiedenen Völkern» und denen Gelegenheit zu geben, die sich an da- Judenthum schließen wollen; dieseist der tiefere Sinn der»Schriststelle: „Und ich werde sie mir einsäen auf dem Erdboden." Hosea 2, 25; sie werde» eine Gokte-saat un* ter den Nationen sein; wie die Saar, wenig eingelegt, vielfältigen Ertrag giebt, so wird diese Glaub,n-pfiaaze sich einer au-gebehnrea Fruchtbarkeit erfreuen. A. Jochanan leitet diesevon dem darauf folgende» Nachsatz, her: „und ich werde sprechen zu dem Nicht-mein-Volk: Mein Volk bist Du. — Anerkennung und Wandel werden Diele zu meinem Volke machen. Wir lernen, sagt R. Pin-a-, den Achaschverosch von einer schönen Seite darin kennen, daß er sich den Namen dessen wohl merkte, dem er eine Verbindlichkeit schuldete, welcheauder Stelle hervorgeht Esther 6, 2. Efand sich geschrieben, wa- -2"-2 berichtet batte von der beabsichtigten Handlegung an den König. Ein Ketzer sprach zu Rabbi Cbanina: „Gelt, mancher" Eurer Vorfahren ging mit Andersgläubigen grausam um, und Ihr hakst Euch bei unseit Jahrhunderten eingebürgert, und Euch widerfährt nicht- Uebles, wir Übertressen Euch mithin weit an Menschlichkeit." — „Wenn e- Dir gefällig ist." erwiederte der Angeredete, „wird ein Schü- . ler Dir zu Rede stehen." Es bequemte sich zu ihm Rabbi Hosea und entgegnet,: „Ohne an die schrecklichen Verheerungen und Verwüstungen zu erinnern, die die Bekenner und Anhänger einenichtjüdischen Glaubenau- Glauben-wuch und Dekehrung-eifer angerichtet haben, daß sie selbst Gchei- 4 »erbauten erbauten, um ganze Bevölkerungen zu verzehren, will ich nur bemerken, daß dienoch keine Abneigung gegen eine Sache^beweist. wenn man sie bald au- Unvermögen. bald aüS 'Nothwendigkeit zu rhun unterläßt. DoS Gift Eure- Hassein allen von Israeliten bewohnten Staaten zu verbreiten, ist unmöglich; in Eurem Staate allein »den Unwillen geltend zu machen, diewürde ein Verbrechen gegen Len Staat heißen, denn der Staat würde dann alle werden. — 3br sehet, daß da- Schicksal unserer Zerstreuung eine Macht leiter, die selbst den Sturm zum Segen schasst." — „Beim Schutze Rom belheuerte der Ketzer, „ich gebe wich überwunden, mein Dorunbeil ist besiegt." ‘ Aphorismen. Den David Wabk in Koblenz. Die mächtigsten Völker de- Altenhum» hat die Flurh e.r Zeiten weggefpühll; wie Spreu sind Nationen in alle Winve zerstoben — nur LaF schwache jüdische Völkchen hat, von einer unendlichen Macht gestützt, dem Sturm der Zeit widerstanden. — ja widerstanden, trdtzdem, daß alle Völker der Erde gleichsam eine Uebrreinkunft zu seiner Vernichtung getroffen haben. Wer erkennt hier nicht mir heiligem Schauer die Erfüllung der vor Jahrtausenden ergangenen Drophetenwene: „Auch wenn sie in ihrer Feinde Land stad, habe ich sie dennoch nicht verworfen, und nicht so verachtet, daß ich sie vernichten sollte!" (3. B. Mos. Cap. 26. S. 44.) _ Wie Winde und Vögel zuweilen, vermöge einer wunderbaren Einrichtung der Vorsehung. Samen aufruchtbaren bändern mitführen und auf ein minder gesegnete- Erdreich hinstreuen, so brachte Juda- Stamm au- Palästinaau-erwähltem Boden da» Wort de- Herrn nach den neblichten Ländern de- Irrglauben- und Unglauben-. Curiosum. Ein falscher Monte fiore. Ein pfiffiger Jude, dem vielleicht der falsche Prinz von Armenien vorge. schwebt haben mag. mvstisteirte kürzlich die gesammte Bevölkerung der Capstadt, indem er sich für den ächten Sir Mose- Montestore. der sich durch seine im Interesse feiner leidenden Glaubensgenossen unternommenen Reisen einen großen Ruf erworben, au-gab. Plötzlich verbreitete sich nämlick in der Capstadt das Gerücht, ein Neffe Roth, schilb's, Namen- Monlefiore, fei angekommen und habe die Weisung, Gelder zu vorrheilbaften Bedingungen an. zulegen. Sogleich stiegen die Aktien verschiedener Unternehmungen und jedermann freute sich über die vielen Capiralien, welche der Stabt Zuströmen werden. Die Bank und die ersten Häuser waren von Rothschild angewiesen, seinem Neffen einen unumschränkten Credit zu bewilligen. Der falsche Montefiore machte von diesen Creditbriefen den umfassendsten Ciebrauch und zog auf die Bank 1800 Pfd. und auf andere Häuser nach Derhältniß. Dabei machte er einen unsinnigen Aufwand, spendete den Gotte-Häusern ohne Unterschied der Confeffion namhafte Summen, und legte überhaupt die größte Liberalität an den Tag. In kurzer Zeit war er der Liebling der ganzen Stadt. Ihm zn Ehren wurden Wettrennen und andere Unterhaltungen veranstaltet, welche Artigkeiten er damit erwiderte, daß er seinen Freunden ein splendides Diner gab. Diesem folgte -ein Ball, der nicht minder glänzend auSfiel. Der verkrüppelte häßliche Spitzbube wurde wegen seiner Freigebigkeit von aller Welt, besondervon den Damen, schier vergöttert und lebte herrlich und in Freuden. Er hielt um rin junge- Mädchen an, wurde jedock abgewiesen. Durch.Zufall wurde entdeckt, daß er »igentlich Mose-Salomen heiße und mir der Familie Rothschild gar nicht verwandt fei. Er wurde eingezogen und gestand sogleich, daß er nicht Montefiore heiße. Von einem Ersatz der au-gefchwindelten Summen ist keine Rede; er.hat alleburchgebracht. _ Allgemein« Zeit»»- de< Judenkhum». R». 8. 4856. Leitende Artikel: Die „Zeichen de, Zeit" von Bunse». U. —Der Dageaer sche Antrag gegen die Unabhängigkeit der bürgerlichen und staatsbürgerlich«» Rechte vom religiöse» Bekenntnisse. — Die Juden im Orient. — Dom Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. — Der Berein zur Unterstützung jü» bischer Lehrer in Prenßen. (Schluß.) — Tbarleston. Süd-Carolina (Schluß.) — ZeitnugSnackrichten: Deukschlanb: au» Württemberg. aus Württemberg Kelle. Oesterrrtchischer Kaiserßaat: Wie». Die Schweiz: au» der Schweiz. Italien: an» Sardinien. Türket: Konstantinopel. g> heztebt» buch jede« Postamt nnd jede «nchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vkerteljährig */« Thaler. ' Verantwortlicher Redactenr: A. Rabe. Verlag 9» ta jir Km 'I?n*>KaB>IVRt t« — Crurf hi Alrxaaver W«eve tze tripitg.