Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 21 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 gionsguellen unfe durch die griechisch-alerandrinische Literatur immer mehr erschlossen wurde. Zn dem letzten halben Jahrhundert vor dem Untergang deS jüdischen Staategab es. wie in keiner srühern Zeit, viele Profelmen'), nicht blol um äußerer Vorurtheile willen, um eine Hei» rath mit jüdischen Frauen eingehen zu können, »der um die- Gunst der jüdischen Fürsten zu erlangen — solche nannte man spottweise Proselvten der königlichen Tafel (Oere Schulcban .Meiachim)1) — sondern ans reiner Ueberzeugung bekannten ste sich zum Zudenthnm. Eie fanden darin Beruhigung ihrer Zweifel und Nahrung für Geist und Gemütb. — Philo berichtet als eine erlebte Erfahrung, daß die in seinem Daterlande zum Zudenthum übergerrel/nen Heiden auch ihren Lebenswandel änderten und ein mit den Tugenden der Mäßigkeit, der Milde und MensckenlHehe gezierte» Leben führten * *). Namentlich fühlten sich dtp Krauen, deren zarte- Gemütb von der Schamlosigkeit der mythologischen Erzählung verletzt wurde, von der zugleich kindlichen und erhabenen biblischen Darstellung angezogen. Auch war efür Kraum leichter in den jüdischen Bund zu treten, da ste nicht nöthig hatten,, sich einer schmerzhaften Operation zu unterwerfen. In Da- .maSkuS waren die meisten heidnischen Frauen zum Judenlhume übergetreten*). In Kleinasiea gab eS, wie ausdrücklich bezeugt wird, hin und wieder jüdische Praselvrinnen*). Einige für die Ausbreitung deS ZudenthumS allzu eifrigen Juden mögen geradezu auf Bekehrung der Heiden auSgegangen fein, wie die.Geschichte jener römischen Patrizierin Fulvia beweist (S. 254). Durch einen solchen DekehrungSeifer fand da- Judeyihum Eingang an einem asiatischen Hofe, besten Glieder während einiger Menschenalter die treuesten Anhänger deS JlchenthumS blieben. Adiabene, das Haupthand deS ehemaligen Affvrien, ein Vasallenstaat von. Parthien, an. den Ufern des Tigris, wurde von eine« Königspaäre Monobaz und Helene bebemcht. Diese Fürsten scheinen griechisch, macedonischen Ursprunggewesen zu sein; dafür spricht, nicht nur der griechische Name Helene, sondern ganz besonderder Umstand, daß dakönigliche Ehepaar nach makedonischer Unfiktr zugleich Geschwister waren^). Dieser Keine, aber nicht unmächfige Staat, ob-' gleich von.den großen Reichen Rom und Parthien berührt, wußte seine Selbstständigkeit zu behaupten und hat sich mehrere Jahrhunderte erhalten. Unter den Kindern, die Monobaz theilß von Helenen, theilvon andern Frauen Hane, war 3ja tri, obwohl jünger all seine Brüder, der Lieblinglsobn der Eltern. Um nicht wegen dieser' Bevorzugung dem Neide zum Opfer zu fallen, schickte lhn Monobaz an den Hof eine! befreundeten König! am Nordrande de! persischen Meerbusen- (Charas Spasinu). Dieser König, mit Namen Abenerig, fand soviet Wohlgefallen an dem jungen Prinzen Zzate-, baß er ihm seine Tochter zur Frau gab. An dem Hose de! Abenerig pstegte ein jüdischer Kaufmann, mit Namen ') Jostvb-I gegr, Apia» N. 10; jäd. Krieg If. 4«, 2. [. 3. 3. < a •) Jems. Kiddaschim c. 4. 8. 65. b. *) Pbilo de poesitenlia 11. 406. 4) Joserbut s-t. Krieg ll. 20. 2. *) «venelgeschichke 13. 50; 46. 44. *) IoievbaS «Urrtb. XX. 2, 4. Anania, zu verkehren, irr ten Prinzessinnen nächst seiner Waare auch da- Zudenthum empfahl und sie dafür gewann. JzateS, dessen Frau Sam ach zu den Bekehrten gehört haben mochte, wurde auf Anania ausmxrksam gemacht, ließ sich mit ihm in Unterredung ein und faßte eine solche Anbänglichkeir an da- Judenthum und an den Mann, der eihm gepredigt, daß er! ihn an sich zu fesseln beschloß. Auch seine Mutter, die Kpnigin Helene, war, ohne daß der Sohn el wußte, von einem andern jüdischen Heidenbekehrer für dal Jud»ntbum gewonnen worden. — Welchen tiefstttlichen Eindruck dal Judenthum auf die königlichen Neubekehrten gemacht hatte, zeigte sich bei dem nächsten Thronwechsel. Der sterbende Monobaz hatte JzateS mit Uebergehung der altern Söhne zum Nachfolger bestimmt. Al- Helene den letzten Willen ihres Gatten den adiabenischen Großen verkündete, riethen dieseeiner Un» thar. die an den parthischen und asiatischen Höfen überbaupt oft genug vorgekommen ist. Zur Sicherbeit de! Staates, damit die Brüder de- JzateS nicht au- Neidend Haß einen Bruderkrieg gegen ihn anfachen könnten, sollte sie dieselben durch den Tod unschädlich machen. Aber Helene, die durch die Annahme de- Judenthums gesäuftigt und über eine so barbarische Politik entrüstet war, wieS .den Blutratb zurück und ging nur in sofern darauf ein, daß sie die ÄönigSbrüder in Gewahrsam hielt; nur ihr älterer Sohn Monobaz II. blieb verschont und mit der Regentschaft betraut. AlS JzateS^ in der adiabenischen Hauptstadt angekommen war und nack deS Vaters letztwilliger Verfügung auS Monobaz' Hand die Krone empfangen hatte (um 36). hielt er eS für grausam, seine Brüder der Sicherheit wegen ihr Lebelang im Kerker verschmachten zu lassen. Er schickte ste daher als Geiseln, d. h. zu einer Art ehrenvoller'Verbannung, tbeils nach Rom. tbeilö nach der parthischen Hauptstadt. Auf den Thron gelangt, wollte JzateS mit dem Lu denthum Ernst macken und sogar die Befchneidung an sich vollziehen lassen. Allein seine Mutter und selbst fein Lehrer Anania' widerriethen auf'- Nachdrücklichste einen so gewagte» Schritt, der seine heidnischen Unterthanen zur Empörung gegen ihn treiben könnte. Anania, vermutblich ein hellenischer Jude, suchte ihn zu überzeugen, daß die Beschneidung für ihn nicht wesentlich sei. JzateS beruhigte sich anfangs dabei, bis später ein gesetzesstrenger Jude auS Galiläa, mit Namen Eleasar, an seinen Hof kam und ihm eine andere Ansicht beibrachte. Eleasar fand den König ^inst beim Lesen deS Pentateuch — ohne Zweif fel in griechischer Uebersetzung — und tonnte sich nicht enthalten, zu bemerke», daß eS nicht genüge, um dem jüdischen Bekenntnisse ganz anzugebören, die Gesetze zu lesen, sondern man müsse sie aulüben. Darauf ließ sich JzateS, nach einer andern Nachricht auch sein älterer Bruder Monobaz, heimlich beschneiden'). Die sorgenvolle Ahnung, welche die Königin Mutter gehegt, wenn der vollständige Uebertriit deS adiabenischen König! seinen Unterthanen kund werden würde, traf nicht sobald ein. JzateS' Regierung wurde nicht ackgefochten, war vielmehr so geachtet. bdß er all Vermittler zwischen dem parthischen König Artaban und dessen aufständischen Großen auftrelen konnte, wofür er all Belohnung die Landschaft und die Stadt ') Das. 2, 2—4; Genesis Rabba c. 46.