Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 19 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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der Ävkbe bebrtlsch lesen und die ersten Begriffe der Religion und der heiligen Geschichte; endlich als Dorbeter fungirt er Freitag Abend, Eabbath Morgen und-bie Festtage, sonst bleibt die Synagoge geschloffen. Mein erster Besuch im Tempel war eine- Freitag- Abend-. Die Banke waren fast gänzlich leer, biffch nach und nach ungefähr 30 Personen einfanden, «abread für 4M Platz ist. Unglücklicher Weise besitzt der Beamte nur sehr gerinW Fähigkeiten seine- Stande-, außer einer würdigen Haltung, und diese genügt nicht, die Menge an- - juzirhen. Die Eeremonieen Haben nichts Besonderes, außer daß Dotbeter und Gemeinde da- Jigdal BerS um ' VerS absingen und Bame madlinkin unterdrückt ist. Der Gotk,-dienst Sonnabend früh ist ganz der alte, die Mi;- wolh wechseln der Reihe nach unter den anwesenden Mitgliedern. Die Kosten des Eultus werden durch eine monatliche Steuer von 4 Dollarpro Familie gedeckt. Man bat übrigenvor, sobald man die Schulden für den Tempelbau und den Ankauf eine- Golte-ackers loist, Verbesserung im EultuS rinzuführen. Die Synagoge der Polen, gelegen in der Straße Stockton. bietet äußerlich.denselben Charakter wie die der Deutschen, nur daß sie'mit einem graulichen Eemenl -.kleidet ist. -Sie ist kleiner und weniger elegant im Innern.. Dafür ist der Besuch viel stärker, ohne einen bestimmten Dorbeter zu haben; sie geben aber ihrer Andacht einen allzu großen Nachdruck mit der Stimme. Sie kennen daklassische und ehrwürdige Geschrei der 'Synagogen in der guten alten Zeit der Frömmigkeit; die Polen sind darin nicht entartet. WaS die Damen im Allgemeinen betrifft, da ihnen amerikanische Sitten nicht gestatten, sich öffentlich in Handelsgeschäfte zu mischen, so hindert sie nichtam Besuche deS Tempels und wirklich sieht man sie hier in großer Anzahl. Gewiß würde mehr Feierlichkeit und Pomp im Gottesdienst die Waffe herbeijiehen. Lassen Sie mich diese- Schreiben, welche- Ihnen die Israeliten -von San Francisco als religiöse Gemeinde schildert. mit einer kleinen Anekdote schließen, welche charakte- - ristisch und von localer Färbung ist. Der erste Knabe, der geboren wurde, brachte seinen Bater, der Beschneidung wegen, in große Verlegenheit. Damals fand noch kein religiöser Verband statt, und unsere Glaubensgenossen waren einander fast ganz unbekannt. VaS thun? Wo einen Mohel finden? Unser Freund lief Straß' auf, Straß' ab, frug Freunde und' Bekannte, durchforschte alle Winkel der Stadt, wo die Krämer aller Art Ilch Herumtreiben: keine Nachricht. Die Leit verlies mit erschreckender Schnelligkeit, die Bestürzung herrschte im Hause, bis man endlich eines Atzenddem schon verzagenden Vater einen Menschen ankündigte, den - bis jetzt Niemand für einen Juden gehalten, und der sich erbot, ih» aus Liebe zu Gott und für die Kleinigkeit von 100 Dollaraus seiner Noch zu ziehen. Man hatte keine Zeit zu saumen, ewar am Vorabend deachten Tage-, der Vater ging darauf ein, und der Wille de- Himmels geschah. ‘ Daniel Levv. . Roch zwei Legenden. (Aus Jnliu« KoßarSkis Sagen de« Myrzeulaades.> I. Die Armuth. lNme ’ÜJfWfjg«.) Ein armer dürftig gekleideter Mann kam zu einem Kaufmann« und bat ihn um eine Unterstützung. Ewar gerade Mittagszeit und man lud den Armen zu Tische. Wirth und Wirthin unterhielten sich freundltch mit dem Fremden; es wurde spät und er fragte: ob er nicht in ihrem Hause übernachten könnte. Die Frau sprach zu ihrem Gatten. ,.Unsere Bodenkammer ist leer, ich denke, wir könnten den Gast darin beherbergen." * Der Mann machte keinen Einwanv unv der Arme blieb bei ihnen und bettele stch in die Kammer. Aber er blieb einen Tag und noch einen, und blieb ein« Nacht und wieder eine Nacht, und so verstrichen viele Tage, unv die Frau sah den Mann an und der Mann die Frau. Endlich sprach diese: . „Willst Au nicht dem Fremden sagen, daß wir ihn recht gern länger bei unbehielten, daß aber unser Vermögen nicht von der Art sei, länger einen Gast beherbergen unv,ibn mit Speise und Trank versehen zu können?" DaS wurde dem Manne sehr schwer, denn eS gab eine Zeit, zu welcher Jedermann bei ihm gastliche Aufnahme, .Herberge und Tisch für lange Tage fand; aber da- Ge- . schick hatte ihm den größten Tbeil seiner Habe entrissen, sein Vermögen schwand mehr und mehr, und sein Speicher stand leer, wie seine Gelvrruhe. Ec begab sich mit schwerem Herzen zu.dem Fremven und sprach: „Ich gab Dir Herberge, Speise und Trank, und gern hätte ich Dir Alles noch längere Zeit gegeben, aber Du irrst, wenn Du glaubst, daß meine Mittel noch wie ehedem für Fremde unv Gaste auSreichen. Mein Vermögen schwindet, Du kannst nicht länger bei mir weilen, ober gehe zu meinen Nachbaren, sie find reich und werden Dich freundlich aufnebmen unv Dir das bieten, was ich Dir verweigern muß." Der Fremde sprach: „O. ich will gern gehen! Ich hätte schon früher Euer HauS verlassen, aber siehe meine dürftigen Kleider! Ich kan» mich so den Blicken der Leute nicht auSscyen, verschaffe mir ein andere- Gewand, damit ich anständig erscheinen kann, und ich will zu den Nachbaren gehen." Der Mann eilte zu seiner Frau und theilte ihr die Worte de- Fremden mit. Diese sprach: „Ich denke, lieber Mann, eS ist besser, den Fremden zu bekleiden und ihn mit Ehren zu entfernen, als daß er noch länger bei unS verweile und mehr aufzehre, als die Kosten eine- Kleidebetragen. Machen wir ihm ein Gewand." Der Mann holte einen Schneider und ließ den Fremden bekleiden. Wirth und Wirthin freuten stch über ihren Entschluß und erwarteten den Abschied des Fremden. Aber zu ihrem Erstaunen blieb er dennoch, und die Frau de- Hausefand ihn am andern Tage noch auf dem Boden. „Wie? Wir daben Deinen Wunsch erfüllt und Dich