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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 19 (1856) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
19 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 bekleidet; wir glaubten, Du würdest nun uitsere Rachba ren aufsuchen, und Du best, dest Dich noch Üei un»?'.' Der Fremde erwiederte: j „Der Schneider har mich schlecht bedacht, j Siehe, Iwie kurz und eng o»ein Gewand ist."! Mit Erstaunen bemerkte die Frau jetzt jerst, .daß in der Thal der Anzug für den Mann sehr kürz und enge war; sie theilte die» ihrem! Kanne mir, und setzte hinzu: „Wir muffen unseren G st mit Ehren -entlassen, laß ihm ein beffere», größere» 6>ewand machen.' Und wieder ward der S hneiver geholt; er nahm ein bequemere» und längere» Miß, und brachte lald da» Heue Gewand. Aber der Gast blieb nach wie vor, und al» der Wjrth und die Wirchin auf den Boden traten, erblickten sie ihn auf seinem Lager, auf welchem er fich behaglich reckte sind streckte. Der Herr de» Hauses st rach verwundert „Wie? Du weilst noch mmer bei un»?- Haben wir Dich nicht noch einmal und nach Deinem ^Dünsche bekleidet?" „Ach," crwicderte der Zremde, indem er sich vom Lager erhob; „seht ihr nicht daß auch diese Kleider mich nur spärlich bedecken?" I Mit neuem Erstaunen sayen Mann und Weib, daß in der That auch das neue Gewand dem Manne, der plötzlich riesig und groß vor ihn«n stand, viel zu kurz und zu enge war. „Seid nicht erschrocken," sprach der Gast, „weder Ihr traget die Schuld, noch dei Schneider. Ei: mag .wohl ein richtige» Maß genommer haben; aber s;ht, ich bin die „Armuth," ich wachs' stet» und werde größerund größer, und wo ich einmal eingekehrt, von da bin ich schwer zu entfernen!" II. Drei w^ise Sprüche. Nach Simö^ath Refcsch. Ein reicher Mann ging tiyst in seinem E und war heiter und froh.; Plötzlich brmri Neinen Vogel, der sich in einem Netze ge Er bemächtigte fich desselben!- und ward nicht staunt, da» Vögelchen sprechen zu hören: „Schenke mir die Freiheit, lieber Mann ,„wa» würde e» Dir wohl rützen, wenn Du Käfich sperrtest? Mein Anblick kann Dich n denn Du siehst, ich habe lein prächtige» G« kann Dir nicht die Zeit ver reiben, denn ich wie die anderen Vögel. Zup Nahrung werde nicht dienen, denn ich bin nicht sättigen. Aber wenn Pu mir die Freth will ich Dir drei weise Lehr ganze» Leben nützen können. Der Herr de» Garten» und sprach: „Wenn Du nicht singst, kannst Du mich ergötzen. Laß aber Deine Weisheit hören; belehrt, dann sollst Du Deitw Freiheit haben Da sprach da» Dögelchei^: viel zu Nein und )u mir die 8 n geben, die betrachtete da» feine Thier Di arten umher kte er einen fstngen hatte, wenig er« sprach e»; chich in einen ^chr ergötzen, fieder! Ich singe nicht, ich Dir auch kann Dich eit schenkst, r für Dein freilich nicht enn fit mich t) „Gräme Dich nie über § Dinge, die einmal geschehen find!" „Wünsche nicht, wa» Du nicht erlang»» kannst!^ „Glaube nicht, wa» nicht arö^ich seiü kann!" —L. Da sprach der Herr de» Garten»:! „Du hast .mich in der That belehrt! Deine Worte sind weist; ich gebe Dir die Freiheit/.' — Er ließ den Vogel fliegen, und sann ernst über die Woue desselben nach, al» er leise lachen hörte. Die Stimme kam vom Baum herab, auf dem der Vogel saß» „Du lachst so heiter?" rief der Mann. „Ueber die leicht errungene Freiheit,"!antworte»e der Vogel, „aber mehr noch über die Thorhei^ der Menschen, die sich ermessen zu behaupten, daß sie ari Klugheit alle Geschöpfe überragen. — Wärst Du klüger gewesen, nur. so klug, wie ich, dann wärst Du jetzt ein glücklicher Mann, c» gäbe keinen reicheren aus - Erden!"! „Wie. wäre die» möglich?" fragte!der Herr des Garten».! „Nun," erwiederte her Vogel, „wenn Pü, anstatt mir die Freiheit -zu geben, mich behalten hättest. Denn wisse, ich trage in meinem Leibe einen Diamanten! von der Größe^ eine» Hühnereies." v Der Mann stand wie niedergedonnert! da. Er ftrhr mit der Hand durch sein Haar, und nachdem er sich ein wenig in seiner Verzweiflung gefaßt hattet fing er mit Schmeichelwonen also an: „Du wähnest Dich glücklich, mein kleinje» Thier, weil Du die Freiheit hast? Siehe, der Sommfr wirdvergeben, der Winter wird mit seinen Stürmeö nahen! Die Bäche werden frieren. Du wirst keinm Tropfenfickden, der Deinen Durst löscht; die Flur wird Dsr kein Samenkorn zu Deiner Nahrung bieten, der Frost wijrd Dich löpren! Ich aber will Dir ein warme» Gemach ^einräwuen, in welchem Du frei herumschweben kannst. Bussen unv Brot und jede Nahrung, die Du wünschen mügst, will ich Dir reichen. Komm herab, ich will Djch überzeugen, daß Du e» bei mir besser haben kannst, al» in der Freiheit!"! So sprach-der Herr befi Garten». Pas Vögelchen aber lachte lauter al» vorher, und vermehrte den Harm de». Manne/.! „Du lachst noch, immer?" fragte dieser^ „Allerdingserwiederte da» Thiercheni „Siehe, Du gabst mir die Freiheit, der weisen Lehren halber, die ich Dir gab, und Du. bist so ihörichr, diese Lehren nicht zubeherzigen." Ich war e» «erth, baß Du wir ffii diese!, ben die Freiheit schenktest, und doch hast Pu sie-oach wenigen Minuten vergessen:— j -- „Du sollst Dich nicht über Dinge Härchen, die einmal geschehen sind!" und Du härmst Dich darjüber, daß Du mir die Freiheit schenktest. „Du sollst nicht wünschen, wa» Du nicht erlangen kannst!" und Du willst, daß ich freiwillig jn ein Gefängniß gehe, ich, dem die Freiheit da» ganze Leben-ist. „Du sollst nicht glauben, wa» nicht möglich sein kann!", und Du glaubst, daß ich einen Diamanten in meinem Leibe berge, der so groß ist. wie ein Hühnere^ und ich selbst " erreiche doch kaum die Hälfte seiner Größe!!" Und dann flog der Vogel davon.! - > -

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