Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 19 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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4+ Jüdisches Volksblatt. i Zur Belehrung unO Unterhaltung auf jüdischem Heüiete. Herau<-e-ebea vo»! Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. I«o. IS. 1856 i von Zrilscdril' rrsch»k»r »MbfnUlA <iaf «aaairr. »ici* trt 3«bt gang* 1 tblT. LierXgäbrlg '7'/* W«t. ftO« fcad ■nt 3ritant<f|M^Heafa acfeara fetfrOngen aa. Ä’ [3-<3«tirg.2.®oflrtalj Aus Ctlifornken. I. (AuS dem Arch. irr. de Fr.) > Ealifvrnien ist vielleicht von allen Ländern der Welt dasjenige, wo die Israeliten den Zustand -er vollendetesten Zerstreuung bieten. Ich fmnc nicht ein Dorf, eine» Weiler. eine Anfiedlung, sei eim Norden, dem Lande der Goldgräber,i, fei eS im ^Süden, dem Lande der Ronchoe- (die Anpflanzung der einjgeborenen CalifortOdr), wo nicht etliche von ihnen zu staden. TS find vor allen Deutschland und Polen, welche ras größte Eontinient stellen, und das ist natürlich. In keinem andern Lande Europa*- wird der gesetzliche und ungesetzliche Druck, der auf unseren Glaubensgenossen liegt, 10 schmerzlich, slebhaft gefühlt. Daher erwarten sie nur die günstige Gelegenheit und die nothwendigen Mittel, um ein solches Vaterland zu verlassen und sich nach Amerika zu begeben. wo sie da- Vermißte finden. Hier angekommen, können sich unsere Glaubensgenossen, von keinerlei Schranke behindert, dem Eifer ihre- Unternehmungsgeistes furchtlos überlassen, und der ganzen moralischen und industriellen Energie, welche die* Eigenthümlichkeit unsere- Stammes ist, freien Lauf lassen. Die Wohlhabenheit oft pnd der Reichthum bi-weilen krönen ihre Anstrengungen, ohne daß man ihnen daraus, wir ander-wo, ein Verbrechen macht. In Ealjfornien, uNd namentlich in San Francisco, bilden die deutschen und polnischen Israeliten zwei getrennte Gemeinden, vonj denen jede ihre« Tempel und ihre besonderen Ordnungen hat. Die Juden au- Frankreich, größtenthrilauS dem Elsaß und Lothringen, bilden keine' besondere Partei und verbinden sich mit ihren nächsten Nachbarn aus Europa^ ES ist mir unmöglich, auch nur annähernd die Zahl der Israeliten anzugebe^, die gegenwärtig in Ealifvrnien. Man schätzt die in Scja Francisco auf mehr als 3000. Vielleicht sind eben so > viele im Inner» de- Landes zerstreut; aber wie groß,diese auch sei, scheint mir interessanter, die verschiedenen Phasen ihrer religiösen Organisation zu verfolgen und^ in raschen Zützen die sonderbar pittoreske Seile dcS L^benS zu skizziren, welche sich nicht auf die Minen, sondern auf die Mineur geworfen haben. Sowie die ersten Bewegungen des GoldfieberS sich beruhigt hatten, dachten die Israeliten von San Francisco an die Pflichten, welchle ihnen ihr religiöser Ursprung auf« erlegt und eröffnet«? Betstuben zur Feier de- Eultus; aber der Geist der Bistbrüberung zeigte sich in ibnen zuerst durch die Bildung der First lledrev benevolent So- ' cielv im Monat Dccember 1849, der ersten oller Dohlrhätigkeitsanstalren, welche diese eben entdettten Küsten sahen. Eine andere, unter dem Namen d'Eiireka benevolent Association, zögerte nicht zu folgen. Da mit den Jahren die Anzahl der Familien fich vermehrte, vereinigten fich die Damen, und bildeten eine Unterstützung-» Gesellschaft 'für die Armen und Krank«. llbtdlich in der jüngsten Zeit haben die jungen Leute eine lfterarische und gegenseitige Unterstützungs-Gesellschaft gebildet, welche einer großen Entwickelung und einem um so »ünfchenswerth^ren Erfolge entgegen gehr, als eS fich zu gleicher Zeit um Wohlkhätigkeit. und um geistige ' und sittliche Bildung handelt. / Sie sehen, Herr Rehaeteur, das find schnell« und ruhmreiche Resultate und Schöpfung«. welche den ältest« und bedeueendste» Gemeinden Europa'- Ehre machen würd«. Fügen wir hinzu, daß zwei schöne Tempel, der eine für dieDelttscheu, der andere für die Polen, seit zwei Jahre» erbaut wurden, und schon zu Nein find, um den Andrang der Gläubigen an den hohen Feiertagen zu fassen. Seit einem Jahre ist ein Beamter angestellt, whlcker das dreifache Amt deS Rabbinen. Lehrers und Borbeiers ausfüllt; ebenso kann man kouheres Fleisch erhalten und überhaupt nach Wunsch ein vollkommen orthodoue- Leben führ«. Nun einige Worte über die Shnagog«. Die der Deutschen, erbaut auS Bruchsteinen und auf dem Broad- Way gelegen, ist geräumig und elegpnt. Das Aeußere im gothischen Styl, wie alle Gebäude dieser Art in dm vereinigtey Staat«. Zwei breite und hohe Rampm fühführen durch zwei Pforten in eine Halle vor dem Schiff. Dieses Letztere von großer Einfachheit! der Ausschmückung, bietet nicht- Bemerkmswerthes, als efnm schön« Brüsseler Teppich, der den ganzen Boden bedeckt, und ein« prächtigen Kronleuchter für 400 Dollars. Die 'Tribüne für den Dorbeter befindet sich iu der Mitte des Schiffes, um welches eine hübsche Gallerte für die Damm läuft. Der Gottesdienst hat keine Art Neuerung erlitt«; er ist fast noch so wie in dem geringfim unserer Dörfer. Vas dm geistlichen Beamten betrifft, so «tledigt er fich seiner Function so gut wie er kann. Man versichert, daß vor seiner Ernennung er ftiedlich eine Farm in einem der südlichen Staaten der Union bearbeitete. Die Geschlitzte jener berühmt« römischen Feldherrn, welche man vom Pfluge holte, um fie an die Spitze der Heere zu stell«, hat also nicht- Außerordentlichemehr. Als Rabbüier predigt derselbe drei- oder viermal de- Jahres deutsch oder «glisch. Als Lehrer lehit er einige Stunden während