Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 18 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
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70 Diewaren ihre letzten Wort,. Er ater verließ sie «n Todesangst. Er dachte an die Heimalh, an sein Gut und Gold, und glaubte. Allesei verloren und er selber sei jetzt schon den Dämonen verfallen. Abends hörte er Stoffe und Wagen vahrrbrausen. Etz raffelte und rollte; rt>n oUrn Seiten kamen die Dämonen gefahren und geritten. Ter Gast mußte sich wieder in da- Wohnzimmer der Wöchnerin begeben, um in Gemeinschaft mit den andern Gasten Gebete zu verrichten, welche da- Kind schützen sollten vor Gesxensteru unv bösen Geistern, 'die allen Neugeborenen nach dem Leben trachten. Bei,der Mahlzeit schmausten unv zechten die Dämo-, ntzv und waren lustig unv beiter: der GeizbalS aber rübrte nichts an. Ter belle Kerzenglanz leuchtete berab auf alle die' Pracht; in der Seele des Gastes aber war es fchwarje Rächt. Er sab nichts unv Höne nichts; er dachte nur an die Worte ver Wöchnerin» unv schloß in dieser Rächt kein Auge. Früh schon weckte ibn der HauSberr und fübne ibn in einen Tempel, wohin balo eine große Anzabl von Männern folgte. Der Gast verrichtete von auch da- Amt eines VvrbeterS. und fang, von Aogst gefoltert, in tiefer Andacht die üblichen Hebeie, und die ganze Dämonenschaar sang mit ibm um. die Wette, und ihre Tone verstärkten nur sein Grauen. Rach der Andacht brachte man das Kind, und der Gast verrichtete sein Amt. Rach Sitte und Brauch nabmen Alle aus der Stelle einen Jm- ■ biß ein; der Gast aber weigert» sich, unter dem Vorwände. saften zu, muffen. Da sprach ver Wirth: ..Es ist Pflicht/ daß wir unfern Gast ehren und die Mablzeit bis zum Abend verschieben." Der Geizhals ging in Todesangst umber unv dachte an (ein Seelenheil und seine Rettung. Der Tag verging und der Abend kam heran, und Ulan führte ihn zu dem prächtigen Mahle. "" Die Dämonen setzten sich an die Tafel, zechten und lchmausten wieder und jubelten in Luft und Freude; er aber schützte Krankheit vor. und laß da in Angst, und Leid, unv bas Jauchzen ver Geister mehrte noch seine Qual. Da erhob sich plötzlich der Wirtb unv winkte ihm nach einem Nebenzimmer; ver Geizhals aber dachte: jetzt nabt keine Todesstunde! unv folgte zitternd dem Herrn de- Hauses. Dieser öffnete das Zimmer und der Blick des Gastes fiel aus-eine Menge prachtvoller Geräthe. Der Wirtb sprach: „Du hast mir einen wichtigen Dienst erwiesen, ich will Dick beiobnen. Wähl? Dir ein Geschenk von diesen 'Kostbarkeiten." D/r Geizhals zitterte; er sprach voller Angst: ..Ich j^abe des Silbers genug daheim und muß Dir danken.'^. Ta öffnete ver Wirrh ein_ zweites Zimmer. Hier blitzte unk strahlte Alles.von Gold. Der-Wirtb sprach: „Gefällt Dir nichts von Viesen Dingen?" ' ,.2ch, habe, sprach der Gast, veS Goldes genug daheim!" Und wie auch der Wirth in den Gast drang, dieser verweigerte die Annahme jeveS Geschenkes. t ' Da öffnete der erster« noch ein Zimmer. Hier aber strahlte weder Glanz noch Kostbarkeiten, und der Gast sah mit Verwunderung und Erstaunen nur eine Menge Schlüssel. große und klein,, ringan den Wänden hangen. ZrveS. Schlüsselbund hing an einem besondern Nagel. „Wie? fragte der Wirtb, Du bliebst rubig und kalt bei aller Pracht und Herrlichkeit, bei allen Reichthümern und Schätzen, die ich Dir zeigte, und bist erstaunt beim Anblick dieser Schlüssel, die doch nur von Eisen sind?" Das Staunen des Gasteaber ging bald in Entsetz«^ über, er wurde bleich, wie der Tod; sein Auge hing an einem Schlüsselbunde. vaS ihm wohlbekannt war. und ei fab. wie der Arm VeS WirtbeS sich reckte und streckte und eben dieses Schlüsselbund vom Nagel herablangte. Der Gast sprach zitternd unv beklommen: „Sind es nicht meine Schlüssel? Ja. eS sind meine Schlüssel, die Schlüssel derjenigen Kisten, in denen ich meine Schätze bewahrt habe." c Ter Wirtb aber sprach rubig und kalt. „Ja wohl sind eS Deine Schlüssel, die Schlüssel zu Deinen Schätzen. Erbleiche nicht, zittere nicht; Du hast mir einen wichtigen Dienst erwiesen unv nahmst nicht einmal ein Geschenk von mir, ich will Dir auf andere Weise erkenntlich sein. Wisse, daß ich ein Dämon bin1! Ich bin der Herr und Meister der Dämonenschaar, welche die Macht har, über alle Reichkbümer und Schätze derjenigen Menschen, welche geizig sind wie Du, die keinem Gotteshause noch den Armen erwaS spenden, wie Du! Alle diese Menschen sind dgr^m auch nicht die Herren ihrer Schätze und Reichthümer; n> ir besitzen die Schlüssel zu denselben und bewahren sie; sie selbst haben keinen Genuß während ibres ganzen Daseins. Du aber, nimm Deine Schlüssel bin. Du sollst fortan Herr sein Deines EigenthumS und Teiner Reichthümer." Ter Geizbgls griff zitternd nach dem Schlüsselbunde; ver Wirtb aber gab ein Zeichen. Ein Wagen fuhr vor, der Gast bestieg ihn. und fort ging'S mit ihm der Heimalb zu. Vor der Thür seine- Hauses stieg der Geizhals ab; als er sich umsah. waren die. Rosse unv ihr Führer verschwunden. Er aber öffnete die Behälter seiner Schätze, spendete Almosen. bekleidete die Armen und wirkte Edle- und GakeS. Ein neues, schönes Leben begann für ihn, und er ward ein andrer Mann. Man nannte ihn bald nicht mehr den „GeizhalS"; er lebte bochgeebrl, unv starb unter den Segnungen Aller, die ihn kannten. > Miß Aguilar, die jüdische Schriftstellerin. In. diesen Tagen erschien ein Roman dieser nunmehr . verstorbenen Schriftstellerin in deutscher, freier Uebertragung von I. Piza: „Maiie HenrigueS Morale-, Oldenburg 1856." Im -Vorworte giebr Herr Piza eine Lebensbeschreibung dieses rubmwürvigen Mädchen-, welche eine gewisse Mrs. S. (£. Hall. eine irländische Schriftstellerin, im Art Journal veröffentlicht bat. Unsere Leser wissen uns sicherlich Dank, wenn wir diese Lebensbeschreibung hier müthellen — mag sie nicht blozur Belehrung, sondern