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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 18 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
18 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung i|inö HnterJjaftunfl auf jüdischem HeKiele. HetauSgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. »No. 18. 1856.] *0n Mrtir 3<Uf*tifi <ri*Nnt »frbfnili* fi*c «um*«. «"ir t»* J*bta >t . ■ flianai I tblr. Sfemfjährig TV» War. »De Buck>baoklungrn. Vo0ä«»r I *f J|nf| Z. uMUL I un» 3euungg*|r«tfiiiMun ntbntn P<e«Oun«fn da. I CrmVQ* J Der Geizige*). (Rach Kaw bajiscbar, Ea».?t), (LS lebte einst in einer hatte Geld und Gut. und mit kostbaren Geräthen von Siadt ein reicher Mann; er viele Aisten wqren' angefüUt Silber und Edelsteinen. Aber so reich der Mann war, »Io geizig war erz er schenkte keinem Armen einen Pfenniz, unterstützte Niemanden, und besuchte nicht einmal ein Äotte-hau-, auS Furcht die übliche Gabe spenden zu muffen. Man nannte ihn deshalb immer nur den „GeizbalS!" — Dennoch, koitttte der Mann auch uneigennützig fein; cd weihte die neugebornen Knaben für den Glauben JeHova'S nach der Vorschrift der heiligen Gesetze, und vtr ichtele diese- Aptt mit solcher Liebe, daß er niemals e nen Unterschied zwischen-Arm und Reich machte und keinie Kosten scheute, > wenn er dasselbe auch in entfernten Städten verrichten mußte. Einst stand er in der Thür seine- Hanse-. alstch ihm ein fremder Mann näherte und ihn folgendermaßen anredete: „Mein Weib hak mtr einen Sohn > geboren; ich wünsche, daß Du ihn für den Glauben Jehova'- weihen möchtest!" > Der Geizhals sprach: „Daist meine- Ambe-! Waue, ich folge Dir; wo wohnst Du?" „lieber Land, etwastreit, koch ich fahre schnell;' ich habe gute Pferde und eintn leichten Wage»!" Der Geizhals ging in sein Hau-, w-rf noch .einen Blick auf die wohlverschloffenen Kisten un» Kasten, verriegelte Thür und Thor und folgte dem fremden. Anfangging die Fahrt ruhig und langsam, und die Gegend war unserm Manne wohlbekannt; aber bald jatzte der Fremde in Sturme-fchnelle dahin, daß die Pferde dampften. ES ging über Stock und Stein in schnurze» ^rader Richtung über wüste Gefilde^ Berge und Tdäler, bider Nebel herabfiel »nd die Dunkelheit hereinbrach. Unser Geizhalhatte den ganzen TUg keinen Vogel fingen, keine Biene summen und keinen! Bach rauschen hören. Alder Mond Heraufstieg, sab er sich ängstlich um und erschrak nicht wenig, als,er bemerkte, daß die Pferde keinen Schatten , hatten. Sie jagten dahin in Wiade-eile, und wieherten und stampften. Die Fahrt wollt? kein Ende nehmen. Da sprach ef beklommen' zu seinem Führer: *) lii: Jnltn- Koßar-ki S Sage» de- M»r-e»1a»de-. Ber. 1t«, 4862. „Wohin bringst Du mich?" Der Fremde fvrach: „Bald find wir zur Stelle!" Und in der That, der Tag brach an, die Nebel zerstreuten stch, die Sonne stieg herauf und bestrahlte,ein kleines Dörfchen; elag in eine« stillen Thale und süße Behaglichkeit schlich in 'da- Gemütb degeängstigten UanneS. Der Fremde fuhr nun langsam in da- Dorf ein, wo.Ich bajd eine' Schaar von Männern versammelte, und ihn und den Gast begrüßte. Die Diener führten dlte Hoffe in den Stall; der Fremde aber Jenen in sein Hau-. Hier sah der Gast nichtal- Glanz und Kostbarkeiten; alle Gegenstände waren mit Gold. Silber und Edelsteinen belegt. , Die Thüren waren von Elfenbein^gezimmerl: Schlöffer, Angeln, Riegel undulle Nägel waren von, Golv und Silber. Der Wirlh hatte den Gast verlassen, und dieser schwelgte in dem Gedanken, welche Kofibarkei» len ihm wohl al- Geschenkt' zufallen würden. Er ging.- von einem Zimmer in'S andere, und trat auch endlich in., da- Gemach der Wöchnerin. Wie war dem Geizhals w diesen Räumen zu Muthe? Welchen »Glanz erblickte er hier? Die Wöchnerin, die schönste Frau, die er jemals^ gesehen, lag in einem stlberneu Bette, dakleirie Knäblein aber in einer Wiege von Gold! Kaum hatte ihn die Frau de- Hause« erblickt, alt fie . ihm ein Zeichen gab, stch ihr zu nähern, und ihm leise zuflüsterte:!« „Ich bin erfreut, Dich hier zu sehen. Du wirst mir, einen wichtigen Dienst erweisen; ich will Dir dafür dank» bar sein und ein Geheimniß entdecken. Wisse, daß Du nicht unter Menschen bist! Efind Dämonen,-die hier Hausen, und der Dich hergefühtr. ist auch ein Dämon, ist mein Mann. WaS Du hier flehst, ist eitel Lug ufld Trug; Glanz und Pracht, und Edelsteine und Gold ist nstr Schein und Schimmer, der verfließt und verschwimmt wie Nebel und Dunst." ' j ' Dem Manne ward entsetzlich zu Muthe.; $ja« Weib fuhr fort: „Ich aber bin ein Menschenkind, wie Du; ich wurde in zarter Jugend geraubt, der Glanz der Geschenke meine» Manneblendete mich, und so ward ich »i« 8*«u,thtr» Dämon! Wen» ich aber verloren bin, will ich alle» verloren sein; Dich aber will ich retten!" „Ich bin verloren?" fragte der entsetzte Geizhal«. „Du darfst." erwiederte da- Weib, „weder Speise noch Trank hier genieße«, noch irgend ein Geschenk, sei e» klein oder groß. annehmen."

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