Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 14 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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SL sprach viele, viele Dorre, welch,? rreiß ick nickt mehr,,! aber daS weiß ich. eine fcrfiimmtc Derpstichiunip sprach ick nicht auS, mein Heiz strömte nur seine Empfindungen au-, und die waren ja in rer That so. .. . Nack einiger Zeit erheb sich Elise. trat zurück, und winkt, mir, mick. zu entfernen/ . , Dock ick süblte. so 'ginge es nicktweirer. Es mußte entsckieren werben. Mein Geist sah fick nack einer Srütze um. mein Herz sehnte fick nack' einer Stimme, die mick aus dem Wirrwarr meiner Gedaiiken und Gefühle berausruse in einen lickten Pfad klaren Willens: und wer» konnte.dieS anders sein alS mein Daker? Die Meinigen hatten fick in NicktS gegen mick geäußert. Sie>»frugen mick nuckrs. sie sagten nickrS. So wußte ick, daß Eie nrti» nen Zustand wußten und ihn respecrinrn. Kaum war dieser Gedanke in wir rege geworden, so eilte ick nack Haufe; mein Vater war in feiner Stube; ick trat ein; mein Vater saß still in Geranten versunken in seinem Lehnstuhl; Kummer lag auf seinem, ehrwürdigen Antlitz; alS ick eintrat» blickte cr auf; als xr mick erblickte, sprang er auf. Ick trat näher. „DaS willst Tu. David?" bob er an; milde, aber. ernst. — „Ick nehme meine Zuflucht zu Dir, Vater' —" „Ta tbust Tu reckt, meiy Sohn." erwiedene er, .Fomin her zu mir." Und er Umarmte und küßte mick. waS er so selten that, kaum dreimal in mri» mm Leben war'S geschehen. — Ick deutete kurz auf meine Vedrangniß. verhehlte auck nickt, was ick so'eben erfahren. Ick forderte seinen Math. „Tu darrst ihn mir nickt verweigern; Vater, denn ich bin Tein Kind; >nd 'ick will ibn betvackren alS die Stimme GvttrS, up.d 'hr folgen, und Ware eS nock so bitter. ... Mein Vat,r blickte errst auf mick. Tan» sprach er: „In sticken TlNgen muß Z.ter für fick selbst rinstehen, mein Tavid, «in Jeder mit fick selbst fertig werden. Tenn! was ick Tw ri.lhe, und Tu ilär-st eS. und wär.st später d. mit unzusrüdeu. nürdrst Tu dar Cckuld von Dir ouf | mick wälzen und fragen: warum har-er mir nickt anders ' geraihen? war c« n-ckr um sr:n.v.feibst willen? . . . Aber EnicS kann ick. lrr Veibälnnsse mit Tir rutcksprecken. wie fie liegen. kamitX^u klar'schaurst und zu einer r.ck-- ten Enttchließung kcm „Ack, Vor.r." nwu-^rreick. ..raff' eS an, wie Tu willst, nur lilf.mir. urd -'ch-sie m.r Lickt!.. j das Gesetz, das Tu bis hierher alS verpflichtend aner kanntest, aufgeben, den religiösen Vorschriften, dem Gebet und Gottesdienst, die Tu als heilig erachtetest, den Gewohnheiten und Bräuchen, bi, Du seit Deiner Kindheit vor Dir gesehen, entsagen, daß Du die heilige Verpflichtung, die Gott, unsre Väter und alle Geschleckter Israel ö unS auferleet, als nickt vvkhanden betrachten, daß Du die .Lehre, die Dir eingewurzelt, die ewigen Wahrheiten, die Tu wie mit der Muttermilch eingesogen, verleugnen sollst —. daS ist so viel, so unendlich viel, und ist dennoch nur erst die eine Seile. Daß Du die Lehrsätze einer andern Religion, die Glaubenssätze der Kirche, welchen Du stets fremd geblieben, welche Deinen Verstand nicht überzeugt, Dein Herz nicht gefesselt haben, als wahr, als Deine wahrhafte Ueberzeugung verkünden, daß Tu Artikel, die mir Deinem ganzen bisherigen Wesen schnurstracks in Wider'pruch stehen, als die einzig wahren beschwören sollst — daS ist der -zweite Inhalt deS UebertrittS vom Judentbume, und nun erwäge, ob Du dieS AlleS vermkgfi, ob Tu ,S über ^Dich nehmen kannst und willst, ob Du Dich darüber Hinwegs,tzen mögest, und so daS Judenthum, daS Du verläßt, und die Kirche, die Tu betrittst, zugleich berrüg.st. . . . WaS Du dafür in die andre Wagschale legest, ros ist allerdings auch ein Großes und Gewichtiges. Ich verkenne eS nicht. Größer und gewichtiger noch, wenn wir ihm entsagen sollen, als selbst in der Wirklichkeit. Tie Liebe Deines jungen HerzenS, daS Glück einetheuren. schuldlosen, liebenden Mädchens, den Fluch eineS braven Vaters, o die vielen, vielen öden Stunden, die in der Zukunft Deiner harren . . . mein Varer^erz empfindet Alles. Aber nun die Frage: was ist mehr? JeneS ober Dieses? WaS wird feine Wage Niederdrücken, daß die andre in dir Höbe schnellt? . . . Frage Dich, mein Sobn, welches von Beiden ist das Vergängliche, und waS da- Ewige? waS vao JldÜcke, und waS daS Göttliche? was wird sclwind«n und bleichen, bis es zur bloßen Erinnerung gewvtdcn, und was wird fort und fort wachsen, und zum Wurm, ja zur giftigen Schlange am Baume Deines Lebe,.- werden? welches von Beiden wird ras Glück von der Schwelle Deines HausrS fckeuchen, und daS Lächeln von Deinen Lippen, und den Frieden aus Deinem Herzen? . . . Diese, hier entscheidende Frage hast Du zu beantworten, mein Kind — kein Andrer — und wenn Du ..Gur. mein Cc^-n! Zurist muß,ick Dich frei sprechen von aUn Verpflichtung. Der Nackbär bet llur.ckt. Tu hast ni'ärS o.rrban. was Dick zu einem bestimmten Schrillt nötbigke. Wr»:n böie Menschen Euch eine Schlinge ge-' r*£t — nun. sie werden scken selbst - hineitrsallen. In Dingen-'vom höchsten, .beiligsten Wertbe, da d.arf eine augenblicklicke Verlegenheit, eine rcrübergehente Noch nickt in die Wagfüale g«lr».t werden. 3rill bin zu ibm. und n\v< il», cb er seine 3cchrer zim Iud.nltume übertreten lasten will'— er wird fick abwenten und sagen: was würde m.inr Zippscte.fi sagen, was drr Lrt. waS die Well!? Ai'o atis Fuiüt vor den^Mrnschen litte er ,S nickt .. . nun. was Du tlun sollst, davon hält D>ck die Furcht rer Gott zurück, und die ist eiwaS mehr -wrrlh alS jeite — also lMDu-_^uitk mit ibm. ... „Recht. Va:«r^Ab>r wT^er. . ..Bist Tu all frei in T.iner.Wäbl, so erwägen wir, was der Sckrill k«dez:re; den Tu ihm, sollst. Daß Tu ste Dir beantwortet haben wirst, har Niemand daS Reckt, Tick zur Rechenschaft zu ziehen, außer Einem, den es zunächst selbst angebt — (55oit! Und nun geb'. David, vck habe Dir nichlS niebr zu sagen; geh' in die Einsam, kcir. und mach'lrS mir Dir selbst auS." Ich drückte und küßte dem Vater die Hand, und ging, j Ick wälzte mich'die Nackt auf meinem Lagfr umher, ruhelos. Draußen war es stille, sriedlick, wie im Grabe, dabin ich mick sehnte. Wechselnd traten dunkle, schwarze Phantome vor viein Lager, bald der fluchende Meister, bald die im Gram fick verzehrende Elise, bald die höhnende Menge.' unter ihnen der verhaßte Widersacher, rer dos Unheil in die beiligsten Verhältnisse geworfen und den Brand gezündet; bald wieder sah» ich mich an der Schwelle der Svnagoge, und der ehrwürdige Rabbi, der mick unterrichtet unk so oft-gesegnet halte, wie-mich mit düsterer Geberde. wie ein zürnender Engel hinauS; gerade trugen sie die heilige Thora vorüber, auf die ich schon