Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 14 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksttatt. j Aur .! Reiehrung und Ant^rhaNung aus jüdlschem sießi^le. Herau»gegebe» vo» Rabbiner vr. Ludwig Philippso« in Magdeburg. IRo. 14. 1855.] »oi, 6if(fr SttHtfinf tritbtint wStenUit (ine Nummer. 4jrri« tri 'XabT I tblr. »> - —• *• -• -- und gel -.- . Nummer. *»i« t»J?abf r a & ■ a .^l,Lbr,g 7'/, N«r. VUe . PeOamirr s A A«Kt'N 8 .«rLRNLl.1 i, «tarn ^fDunpfr. an.; l U* «»■**«*• J Die drei Rationen. *» ttS Dir t«v rd i b tist die st eö Der Kampf wühlte in meinem Innern. of> zwei Dämonen in mir rangen: die Set theuern Gegenstand meiner ganzen Liebe zu mir so reizend, so unschuldig zulächelte, und Glauben, in sich eine unendliche Scheu vor abwärlS von der Wahrheit tragend — u müde vom Kampf niedersank, verwünschte mit gleicher Heftigkeit, und frug mich: wer du den streit in dir auSfechten sollst, den derte herbeigeführt haben, und in welchem eS Großes und Göttliches handelt? warum b Einer von den Zahllosen, die ihren Weg still stört in den alten Geleisen gehen? . Aber härter kommen. Am andern Tage ließ mich abermal» rufen. Ich stellte mich ein. Abe anders traf ich ihn. Bleich und düster war di deS sonst fo ruhigen,' sanften und biedern M> Augen sprühten Flammen, sein Mund war kniffen. „David." hob er aih „gestern ließ Wahl, heute kann ich sie Dir kaum noch Schandbube, der Sohn deS OberamlmannS. lichsten Lügen unter die Welt gebracht. Wähf: die Leute von dem Treiben dieses Menschen er meine Elise verfolge und ihr nachstelle. auSgesprengr, sie habe eine Liebschaft mir man würde bald daö Uebelste, Vas Entehre^ — kurz wir sind zum Spott und Hobn d worden. Nun mußt Du, David, waS ich vorgeschlagen; die Ehre meiner Tochter, me hängt davon ab, meines ehrlichen, seit so vielen geachteten HauseS . . . David, besinne Dich n Du mußt- Ich war wie vom Donne gerührt; aber sich eine mahnende Stimme in mir. „Neir sprach ich mit starker Betonu >g, „nein! müss nicht . . ich bin noch wie ge lern, Ich kann n hat er nichts entschließen, aber müß en muß ich heut waS die Leute schwatzen. nicht zu kümmern . . . sehen (>ie zurück, Meist, r die geringste Veranlassung g Heimlichkeit getrieben? hätte dann müßten wir — so ab, gegen braucht den ehr i geben? babe ich wir, irgend r trete ich Jedeck Ms ach. Meister, Fre ind. berücksichtig« n war, als nsuchr. den besitzen, der Treue am em Schritt wenn ich oft beiden du, daß Jahrhunsich um so du nicht und un^r» sollte noch »er Nachbar ,-wie ganz S Aussehen nneS; seine zasammenge- Dir eine lösten. Der die scheußend vorher :achen, wie har er jetzt dir gehaht, ldste hören Leute ge» Dir gestern HauseS < Geschlechtern icht mehr. . ichnell erhob Meister." en muß ich ich noch zu auch nicht ichen Mann babe ich irgend eine eS getbqn. kühn ent« Sie doch auch den Schmerz meiner Seele in Etwas, und lassen Sie mir Zeit, in mir zurecht, zu kommen. . . Aber der Meister beruhigte sich nicht, er unterbrach mich, und schrie: „Du weigerst Dich noch, Mensch, wofür Du auf den Knieen mir danken solltest — so weit bin ich und mein Kind herabgesupken — nun gut. morgen um diese Zeit trittst Du hier ein und gieisst- Dein Jawort, oder Fluch Dir, und niemals überschreitest Du diese Schwelle wieder. . . Diese Worte fachten einen Ungeheuern G^lmm in mir an, wie ich ihn ckoch nie gefühlt; aber ich preßte.die Faust fest auf mein Herz, und murmelte nun „still, Dgviv, ruhig, welimkallelai nafschi thiddom . . ."•) und wandte mich ab und ging. ... Als ich auf die Flur ^o.m, trat abermal» zufällig Elise aus der Zimmerthkute. Ach. wie ste s, bleich, ihre Augen voll Thränrn waLen. die Rosen von hen Wangen gewichen, die Gestalt 'gebeugt ... wir sahin uflö, wir standen still —: da winkte sie mir. und ich folgte ihr in daS Zimmer. Ich wußte nicht» zu sagen, als!: „ach Elise! welch' Weh! . Sie aber hatte stch bald gefaßt, trat auf mich zu, und - ergriff meine Hand wie fr.ühir, und . sprach. — ihre Stimme tonlbS, aber so weich und ergeben, so sanft und vorwurfsfrei — sie sprach: „David, ich weiß . AlleS. aber beruhige Dich — siehe, waS Du aifij} thust, ich verkenne Dich nicht, ich werde Dich niemals verkennen — bin ich doch mehr schuld,.Deine Vertraulichkeit genährt zu haben, als Du; liebt' ich Dich doch eher. jalS Du mich liebtest, ach schon al» Kind, Du wußtest eS Nie; hatte ich doch Dich und keinen Andern als Retter erwartet, da Du in Feuer und Rauch zu mir tratest — olfb fei ruhig, und thue nichts,. waS Du,nicht verantwortet kannst vor Gott und vor Ditund sollte da» Glür! meine» Le»' den» verloren gehen — Du bist nicht schuld . . . Gott har e» uns auferlegt . . . war' ich frei, so n üßt' ich «a» Anderes — denn da» Weib soll gehen, wohin der Mann gehr, nicht umgekehrt, und sein Gott soll ihr Gott feig — fo stebl'S ja.in der Bibel*) — aber da» geht nimmer .... wohlan, David, entschließe Dich . , o daß Dein Entschluß zu unserm Glücke führte . . ." ui^d ste konnte die Tbr'.nen nicht mehr zurückhalten. Ich: faßte sie in meine Arme, ich legte ihr Haupt an meine Brust, denn sie war in krampfhaftes Schluchzen auSgebrochen. i Ich *) „Bor denen, die mich, fluchen, fei meine Seel« ruhig," au» dem letztta Satze der Schemone LSra. **) Buch Rath. I