Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 14 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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53 so oft daS Bekenntniß im regenSspruck» gesprochen; mein Vater. in Kummer versenkt betrauerte mich wie einen Pestorbenen; mein Bruder. t, und dann die' Mutter, lebende, und dann der rvd ich nie gekannt, da sie bei alle gingen an mir vorüber wehrender Hand. . . . Endlich brard der Mache» an. bet, und beschloß, den Tag nahm Abschied von mir nniner Geburt gestorben, sie verhüllten HauhteS, mit abwaicv lichter um und der die mich und in mir. Ich sta >d auf. hielt mein Morgenge» auf meintm Zimmer zuzubringen. Aldie Stunde nähere, welche mir der Nachbar als die entscheidende bestimmt hatte: da sank ich auf meine Kniee, und betete inbrün^stig um Kraft und Beistand von oben; ich nahm das vebräistbe Psalmbuch, und ladarin, und zwang rie^irrenhen Gedanken, bet den Worten zu bleiben und den Sinn zu fassen; o aldie Stunde vom nahen Thurme schlug,j da laich die lldorte: „steh, des Ewigen Aug ist auf die. so!ihn fürchten, die harren «einer Huld, zu retten vom Tode ihr Leben —"») und ich erbob mich, wie ein Mann, der der Weg kennt, welchen er zu wandeln. — Die Stunden gi« gen vorüber. — Am Abend kam der Pater herauf, und g «b mir einen Auftrag, der mich längere Zeit fern halten mußte. Alder Morgen graule, nahm ich den Wondei stab, öffnete daS HauS, und trat in die frische Kühle h nauS. Aber da ich einen furchtsamen Blick auf da- Nachl arhauS warf, sah ich den Reisewagen deS Nachbarn vor lüe Thüre gefahren, Lichter bewegten sich in den Fenstern. . . . wie wenn ein böser Geist mich triebe, stürmte ich nach der entgegengesetzten Seite fort, hinaus über Beug und Thal. Der Bäckermeister hatte fein Töchterchen weit weg zu Verwandten gegeben. Lahre gingen vorüber. Bisweilen begegnete ich ihm auf der Straße, dann sah er zur Seite. AlS Jahre verflossen, blickte er wieder auf mich, und eütgegarte meinen Gruß. Worte wurden niHl wieder gewechselt. ' 1! Mein» Stiefmutter war zur Ruhe gegangen; mein theurer Vater kränkelte, und folgte, ihr. Jetzt bekam mein älterer Bruder daS Recht deS HauSstandeS; er heirarhete. ich mußte ibm Diener fein. DaS ging einige Heit gut. Dann aber zeigte eS sich, daß er einen Fehlgriff gethan; sie vertrugen sich schlecht, der Bruder und die Schwägerin. Ich ging schlicht meinen Weg, aber daS vertrugen sie auch nicht, und wenn sie sich an einander geärgert, so ließen sie ibren Aerger auch an mir auS. Lange war ich stifl, zuletzt wurde eS niir zuwider. Ich. war jetzt achtundzwänzig Fahre — Elise mußte an daS sechSundzwanzigste reichei« — ich hatte nie etwaö von ihr gehört, sie wap nun. wohl schon verheirarhet und — doch was sollten dergleichen Gedanken, ich halte längst abgeschlossen. Ich beschloß um eine sogen. Matrikel einzukommen, d. b. um daS Recht, mich selbstständig nirverzulassen und eigenes Gewerbe zu betreiben, taS nach kein Gesetze abtr verweigert i ist. Ich wieS meine Erwerbßtü^tigkeit, mrin kleines Per-! mögen nach, ich brachte vssle Zeugnisse übe: meinen. Le- ' benSwandel bei. ich hoffte^ — nach einem Vierteljahre ängstlichen Harrens wurde lch vor den Obertmttmanit ge. rufen. Sein Sohn faß nichen ihm, und mpchte mir ein höhnisches Gesicht. Ich ahnte, was kommt« wetde.' Der Oberamtmann sprach: ,,Er ist uur die Matsikel eingekommen, aber die Jode» sollen sich hier nievr vermkhrrn — sein Bruder hat schon die Matrikel seine» DaierS, daist mehr a!S genug—hier hat Tr feinen Bet und damit warf er mir den abscheulichen el wieder—" RegitrungSbe- Pf. 33. 18. scheid nebst den Zeugnissen und Belegen hin. Sein Sohn schleuderte mir ein, höllische Lache nach. Ich emfernte mich stillschweigend. Wutb und Verzweiflung kochten in mein er Brust. Also abermals und immer wieder der Jude. ._ Ich war" rathloS, waS zu thun. DaS HauS meine-! Bruder-' war mir verhaßt, der Ort verhaßt. daS Vaterland verhasst — waS bati' ich ihm gethan. daß eS mich so feindselig behandelte? ... Ich trat in einen Gastbof ein. w» ich Jemanden zu sprechen gedachte; er war nicht da; ich »ahm die Zeitung zur Hand, die auf dem Tische lag. Da fielen mein«! Augen zuerst auf ebnen Artikel, der die große anwachsende! Zahl der .Auswanderer nach Amerika besprach. ES wardamals erst dtr Anfang in Deutschland, der Gedqnke lag noch sehr fern; jetzt aber fiel er wie ein Blitz in mein verstörte- Gemüth — waS hatte ich zu verlieren? AllewaS mir theuer gewesen, lag im Grabe oder war für mich todt. . . Ich eilt» iy'S Freie, ich wollte meine Gedanken ordnen, einen Plan entwerfen, denn der Entschluß war schon fest in mir. , ES war ein herrlicher Frühlingstag, die Sonne neigte sich schon zum Abend. Asses blüherr,' lächelte, schimmerte um mich her. Alleschien mir zuzurufen: frisch und muthig', daS Leben verjüngt sich auch Vir! Meine Brust hob sich, meine Seele schwang sich aus. Meine Füße eilten vorwärts, wohin? überließ ich ihnen. Ich schwelgte in dem Gedanken, da- Leben von vorn onzufqngen. AlS ich, geraume Zeit vorwärtSgefchrilten, einem duftigen, schattigen Walde zu, befand ich'mich auf einem!schmasen Fußwege zwischen auffprießrnden Saaten. Da kam wir Jemand entgegen, ich wollte au-beugen, blickte auf. Und vor mir stand Elise. Wir erkannten unim selben Augenblicke. wir waren beide wie angefesselt. „David, Du hier .V* flüsterte sie leise. „Elise. . sprachen mein« Lippen. Eie hatte sich verändert; sie war zu einem schönen Wesen entfaltet, wenn auch der Schmelz der ersten Jugend geschwunden, ihre schlanke, und doch volle Gestalt imponkte; ihre ebenmäßigen Züge, und vor Allem die herrliche^ Augen ' verriethen Charakter. Sanftmuth^-Bildung. Ich wfiß nicht, wie rS geschah, aber sie warumgekehrt, und wandelte einige Schritte nebesi mir. Sie erzählte mir, daß ihre Verwandten gestorssen und sie vor einigen Wochen zum Vater zurückgekebrt. Ein Stich ging mir durch s Herz, sie war also noch »nverhejraibet. ... Ich sagte ihr, daß. ich im Gegentheil bisher hier gewesen, nun aber, und zwar in wenigen Wochen,. auLwandern wplle. weit Hirz, weg, über das Meer, nach Amerika. Wir schwiegen. Da hob ft, an: „David, ich habe Dich nicht! vergessen -könneu und bin dem Gedanken an Dich treu tjebliebfn." Da erwiederte ich: ..Elise, ich werde-Dich nie vekgessen, und in dem Gedanken an Dich dereinst sterben. —M „Auch drüber, über daS Meer?" 'fragt, sie zögernd. ,)llnd Du hier, ro fern, 'o lern? gab' ich die. Frage zurück^ -^Da stanv Elise still, ihre ganze Gestalt erbob sich, fie schaute mit dem schönen Antl«>tz nach dem Absnd, wohin die