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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 13 (1855) · p. Seite 50

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
13 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 Drei'Jahre «ajtojfrn, da lraf ihn plötzlich ein Zchlagstuß. noch pflegte und begre ich ihn ein halbes Jahr mit unermüdlicher Sorgfalt — da wiederholte nch der Schlag, und er starb. Er hatte mich testamentarisch zu seinem Erben gemacht — aber nachdem Alles geordüet war. zeigte eS flcb auS höchstens tausend Gulden bestehend, und damit begab lch mich nach meiner Heimath zurück^ glücklich, meine Pflicht gelhan und ziemliche Geschäftskenmniß erworben zu haben. Zn Hause fand tch es schlimm. Mein Barer war bei der Erwerblostgkeit fast verarmt, kränklich, niedergedrückt, meine Mutter nch verzehrend, mein Bruder indolent. Meine Rückkehr veränderte Alles. Mir der Erbschaft richtete ich meinem Vater ein Geschäft wie vaS meines verstorbenen OheimS ein, und obgleich der Oberamtmann alles Mögliche anwandke, um die Concefston zu dimertreiben; so sprach ras Gesetz zu klar, um nicht zuletzt seinen Jntriguen ein Ziel zu setzen. Aber mein Glück, meine Rübe sollten nicht lange währen-. DaS Häuschen meines VarerS hatte zum NaÄbaren rechts einen reichen Bäcker. Dieser, ein biederer^ einsichlsvoller Mann, war seil FindeSbeineN sterS freundlich, gegen unS gestnnk; eine dünne Planke trennte seinen Hokraum .sn dem unfrigen, und oft genug überfliegen wir oder des Packers Finder sie, -um miteinander zu spielen. Er hatte einen einzigen Sohn unv eine einzige Tochter. Die Freundschaft wurde später um so inniger, als der Sohn mit meinen Brüdern in einer Compagnie in VaS Feld;og, und mein gefallener Bruder ihn einst mit eigener Gefahr auS dem Feind berausbieb und den Verwundeten pflegte, bis tr genas. Wir waren daher sehr häufig.drüben, und sie bei uns, da Meister NiklaS an meines Paters Umgang stets sehr viel Gefallen fand. Die einzige' Tochter, Elise, war einige Zabre jünger als ich. wir wa- .ren Spielgefährten -gewesen, und auch jetzt, noch ziemlich 'vertraut. Zch batte jetzt^das zwanzigste Jahr überschrirlen, und war ungefähr ein halbes Jahr zu Hause.' Da wurden wir eines NachlL von «nem starken Brandgeruch geweckte ich sprang au», kleidete mtck schnell an, eilte auf den Hör .— da stand die Oberetage beS Bäckerbaufes schon fast ganz in Flammen, und io schnell war.dies-geschehen. daß erst setzt Feuerlärm .begann, und die Bewohner d<S Hauses selbst im Schlafe ' überrascht worden. Rasch über die Planke, trotz den fallenden Ziegeln in Vas Haus.hinein, da rennt und stürmt. Alles, zum größten' Lheil ebne Bestnnung. Plötzlich, stürzt Vater Niklas aus einem Zimmer und ruft: .jWo ist Elise? um Gorreswillen. wo-ist Elise? üe schläft auf rer linken Seile im Obergeschoß/— Elise. Elise, bist Du 'runter?,. Feine Elise da — da bön man Hülfgeschrei von oben ter: ..Hülfe, Hülfe! mein Kind!" schreit ver Bäcker seinerseits, und will die Treppe hinan, aber die Flamme, schlägt ihm so entgegen, daß an kein Durchkommen zu denken. Mil glücklicher Geistesgegenwart springe ich zur HauSkhüre hinaus. Roch war keine Leiter da. Ich kletterean dem Weinspalier und den Ranken der mächtigen Rebe, die die Dostderwand des Hauses bekleidete, in die Höhe, schlage ein: Fenster ein, -stürze in das Zimmer, wo vaS hülferufeg>e Märchen verzweisiungsvoll weilte, knüpfe schnell eim je Betttücher zusammen, schlinge sie um »aS Mädchen, heb' fie. mit übermenschlicher Fräst;um Fenster hinauS und lasse ste so herunter, daß sie mit einem tüchtigen Sprung glücklich auf den Boden gelangte. Eben krachte die Tbüre der Stube vor dem Feuer zusammen, der Rauch drang mit erstickender Gewalt hinein, und wollte mich schier betäuben, als ich noch Bestnnung genug hatte, mich aus dem Fenster zu schwingen. Ich hing am Arme hinaus, verlor die Fräst hinabzuklettern, ich ließ loö und fiel hinunter. Glücklicherweise lief mein Sturz mit einem Armbruch ab, und vierwöchenrliche Pflege stellte mich wieder her. Der Wind batte die Flamme nach der entgegengesetzten Seite getrieben, und meine- BaterS HauS war unversehrt geblieben. Im Grunde batte Niemand Schaden gelitjen, denn der Bäcker war gut versichert gewesen; nur ich sollte noch lange daran denken. Wer beschreibt die Dankbarkeit unsres Nachbaren? Ta wir natürlich alle Geschenke zurückwiesen, ich überhaupt in meinem Thun nur fand, was jeder Andre auch gethan. so war eS eme unermüdliche Aufmerksamkeit, die man mir widmete. Bor Allen hing Elise an mir: ste batte einen Moment so grausenhafter Angst durchlebt, daß ibr Retter ihre ganze Seele erfüllte. Wenn ste mich erblickte, leuchtete ihr Auge, lächelte ihr Mund. Meine Hand zu fassen und ste an fich zu pressen, war ihr höchstes Vergnügen. Ach, und ste war so schön, so blühend, so anmutbig! Und ich? . . . Hören Sie draußen den Sturm um den Felsen rauschen? Ich weiß, wo ich bin, ich weiß, wie viele Jahre nun dazwifchenliegen — aber. auch im amerikanischen Urwald zittert noch mein Herz, wenn ich ihrer gedenke. Hatte fie doch in einem großes Augenblick meines LebenS an diesem Herzen geruht, und eS hatte da« ibre schlagen gefühlt. . . .' Zndeß wären wir wohl in aller Unschuld lange nebeneinander gewandelt, -ohne unsren Gefühlen einen andern Namen zu geben, als;den der Freundschaft von Finvheil an. Dor Furzem war jener Wilhelm, der Sohn deö OberamtmannS, von der Universität zurückgekvmmen. Das Gerücht sagte, er sei durch ras Eramen gefallen, nachdem er auf der Universität ein liederliches Leben verbracht. Zndeß waS ging das unS an. Nach einiger Zeit.bemerkte ich, daß unser Meister Niklas öfter sehr aufgeregt und mißgestimmt war.! Ich wußre nicht, was es zu bedeuten. Es war an einem ' Sonntag Abend, als ich meiner Gewohnheit nach hinüberj kam; ich trat fröhlich gelaunt, denn die Arbeit war mir j von Stallen gegangen, unv das Geschäft gm; mein Va- ( ter hatte sich längst erholt, und verbrachte seine Muße-! stunden wieder bei seinen deutschen Clafstkern, bei Lesstng | und Schiller, in deren Lesung er nur mit dem Buche i Hiob und den Psalmen abwrchselre. Ich sah froh in die Zukunft hinaus. Da fand ich den Bäcker in höchster Wuth, wie ich ihn noch nie gesehen. Er schlug mit der Kaust'auf den Tisch, stampfte mit dem Fuße und schrie: I „Fommr mir der Bursch noch.einmal in'S HauS, so schlage ich lbm die Glieder entzwei! bringt mir meine Elise tn's Gerede der Leute, und sucht ihr waS ArgeS anzuthun." — Nachdem er sich etwas beruhigt hatte, erklärte er, daß der Sohn veS OberamtmannS seiner Tochter mit allen möglichen Fünften nachstelle, daß er zwar bei dieser schlimm ablaufe, daß aber die' Leute schon darüber sprächen, unv obgleich er ihm rundweg die Thüre gewiesen, dieser schlimme Geselle seine erbärmlichen Schleichwege nicht verlasse. Als der Mann mir dieses' mitthrilte, da erhob sich i

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