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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 13 (1855) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
13 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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S1 y «in eizenthümliche» Gefühl in meinem Hetzen; eS war mir, al» ob Jemand den innersten Altar meines Herzen» schänden wolle, aber indem ist darüber ergriajmte, ward mir selbst in dies Heiligthum der Blick eröffnet, und ich sah den Altar zum ersten Mal » den ich kaum! geahnt, so viele ypfer ich dem Unsichtbar :ii schon gebracht . . Heiß, glühend wallte eS in mir auf. ich senkte den Blick, da» Haupt, alS fühlte ich mich niür minder schuldig und de» Zorne» diese» redlichen Vateri wrnh. . . Ich bekämpfte meine Gefühle, aber alS Elise bald darauf eintrat, al-, wa» bi» jetzt nicht zur Sprack e gekommen, dir Nächste!: lungen jene» Entarteten verh.ndelk wurden, die liebliche Jungfrau tief erröthere„ al» wir hernach allein waren, und in der Erregung de» He zen» keine Morre fanden, al» ich endlich stammelte: „Ad. Elise, wie gern möchl' ich Dich schützen vor diesem 8 lös,wicht. . und sie erwiederte: „und wessen Schutz wäre mir theuur. David? Hast Du mich doch schon ein« al mir Deinem Leben geschützt. . .Da erfaßte eö nm wie mit einer nie gekannten Gewalt, und noch weiß ich nicht, wie eK kam — Elise lag an meinem Herzen nie damal». ... So schnell wie wir un» gefunden, so schmll trennten wir hn» — e» kamen später noch die Berwani un, aber ich war still und in mich gekehrt, und früher ah gewöhnlich ergriff ich der^ Hut, um zu gehen. Al» ich «u» dem Zimmer! trat, kam, Elise auS rem gezenüberliegent en — unsre Hände lagen ineinander, sie geleitete mich >u Paar Schriee vor die! Thüre, wir flüsterten da sanft; Worte herzinniger Liebe un» zu. welche? wer weiß sie — aber keine Umarmung^ kein Kuß, nur die Hände hatte« sich gefaßt; ni^hr dachten! wir an Da», «va» zwischen un I stand, aber wsr mochten e» unbewußt fühlen ... die Sterne funkelten un» vom! dunkelblauen Himmel zu, de»-8 konbeS Silbersch^ibe wollte eben über die Gipfel der Bärme im gegenüberliegende^ Garten herüberleuchten, und krä zte fie mit lichtem Strahl lenwallen — da kreischte plötz sich eine häßliche Stimme unzu: „Ha. Judenbube, alfi Du stehst mir> abermals! im Wege . . und Du, BackerSt, chker/eine Judeqdirne . ich wandte mich um, und erho» den Knotenstoick, der in] meiner Hand, zu gewaltigem < schlage — aber! nur ein > höhnische» Gelächter und eilige Schritte, die sich entfern- ' Un, tönten mir zu. . . . Elise war voll Schreien» in'S! Hau» geeilt. Lange stand ich wi:-angewurzelt. Die Worte meine» Feinde» waren mir schr>« in'» Herz gefallen — bi» Mitternacht wandert« ich ti helo» umher, jch wußte nun, daß ich Elise liebte, mit d:r ganzen Kraft fine» unverdorbenen JünglingSherzenS — aber was fällte werden? sie, die Tochter des reichet und angesehenen christlichen Bürger-, ich der arme I« denknobe. ... > Am andern Morgest suchte ich mich in die Arbeit zu versenken; endlich benutzte ich ei u günstige Veranlassung, und machte eine dreitägige Fuß' eise in Geschäftes. Auch diese ging zu Ende, und ich n»hete mich angÜvoll dem Daterhause. Eine dringende At fforderung.de» Nachbaren war da, zu ihm hinüberzukomn rn. Ein schwerer Gang, aber er mußte gegangen werde i. Als ich hinüberkam, nahm mich Meister Nikla» wohl vollend an die Hand und führte mich über die Treppe i i da» Zimmer link» im obern Stock, au» dem ich einst >ie Tochter geretiiet. Hier angelangt, sprach er ruhig und bestimmt zu mir:] „Dstyiv, vor zwei Tagen lie^ mich der Ober^mtmann rufen, und sprach mit ernstböser Stimme zu mir: ,,Meister Nikla». e» ist mir berichtet worden, daß eure Tochter .mit einem Judenbengel ein« Liebelei har; da» ziemt sich für einel christliche Jungfrau nicht, nicht für die Tochter eine» ehrsamen Bürger»,— r» ist meine» Amte», euch zu verwarnen." Ich antwortete: „Herr Oderamtmann, um «reine FamilienverhälMiffe har sich selbst die hoh« Obrigkeit nicht zu kümmern," nahm meinen Hut, und ließ., ihn' stehen. Er rief mir noch etwa» von Kirchenbuße und so etwa» nach, aber ich stand ihm keine Rede. David, al» ich nach Hause gekommen, redete ich ernstlich' mit.meiner Tochter, "'und sie konnte nicht .läugnen, daß. sie, wie e» auch gar nicht sehr zu verw undern, Dir von Herzen zugethan sei. David, ich habe Dich in diese» Zimmer geführt, wo Du meine Tochter von sicherm, grausigem Tode gerettet hast, um Dir zu zeigen, daß ich ich verdanke mein Kleinod nächst Gott nur Dir. ^«Wk offen — David, ich wükde Dich um Alle» willig zum Sohn annebme», ich biete Dir selbst meine Tochter gn. und fragenach der ganzen' Welt nichts, nimm fie und die Hälfte dessen, was mir Gott an GlückeSgütern gegeben, aber — Du mußt in die Kirche meiner Tochter, in die mtlmge geben. Wir beten Alle Einen Gott an. aber di«. Welt will e» so. Siehst Du, ha hast Du mein ganze». Herz — wähle. wie>'lch c» wünsche :— sage mit Bescheid, eben so offen, morgezr, übermorgen, aber sichern, und. Kr immer." Ich stand eiste Weile, ich konnte nicht» erwiedern — eine betäubende Verwirrung hatte sich ^meiner bemächtigt — «ine mächtige Leidenschaft wallte in mir auf — ach, der zweite Kampf in meinem Leben/ aber heißer, bittrer, al» der erste — wie ich von dannen gekommen, weiß ich jetzt nicht mehr, i . irortfehun« folgt.» Religiöser Leichtsinn in]seinem Höhengrade. AuS Stuttgart liest man in den Württemberglfchen Blättern vom 21. Novbr.: „Gestern wurde in der hiesigen katholischen Kirche die Trauung der dritten Tvchttr deS verstorbenen Banquier» dr. Dreyfuß (ehern. Chef» deS Banquierhauft» Gebr. Benedict) strit einem franzbsi; schen Unterpräfecten vollzogen, wodurch sich in dieser Familie der eigemhümlicho Fall ergiebt, daß nunmehr die drei verheirarheun Töchter jede einem andern Religion»- bekennmiß angehört.. Die älteste verblieb im Jndenthunle. denn fie heirathete de» israel: Banguiei Haa»; die zweite trat wegen ihrer Verbindung mit dem Herrn v. Eiasitt«! zum ProtestannSmu» über, und die dritte jetzt zur katholischen Kirche." Wir geben diese Zeilen hier wieder, um zu zeigen, wohin die religionslose Erziehung/ die jetzt in den Häusern der sogen, gebildeten Juden herrscht, führt. E» ist offenbar, daß von den drei Schwestern die eine so eifrige Jüdin ist, .wie die zweite Protestantin, die dritte Katholikin. ES war ihnen eine jede Religion recht, sobald sie ihnen einen Mann gab. Abd-el-Kader oder Omer Paschü oder Sidv Achmev würde sie mit derselben Leichtigkeit zur MoSlemin gemacht haben! Man beachte wohl: e» ist noch ein großer Unierschiev zwischen der Gleichgültigkeit und Schlaffheit in seiner angebornen Religion und dem U^ber»

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