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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 13 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
13 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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s VolMlatt. J \ | 3« Leiehrung und Antier Haltung aus jüdischem Hebiete. Herausgeßeieu von Rabbiner Dr, Lud»ist Philchpson in Magdeburg. , *i *cn Mritr 3<itf*rjfr (n*ftni <inf Preis »,» Sabr- »*-»<», * I . . . |Xo. 13. lS&a.J ' *-.»«* i tP9flw'" 13. Z<hr-.l.«>^rr«1. l Au- Algier. (>u< einem ^rivatbriefe.) Den zweiten 2 heil der Stadtbevölkerun j bilden die Juden, fünf, bi« fech-tausend an der Zahl unv gleichfalls höchst merkwürdig. Die Männer tragen die maurische Tracht, bi« auf , den Turbgn, der ihnen! b iS zur <kroberung untersagt wqr. Die Frauen aber, bei den Mau« ren dicht verschleiert, sind bei den Juden aißerordentlich reich, aber sehr geschmacklos gekleidet und leffen ibr Gesicht auf der Straße sehn. Ei« trogen sch-rei seidene, siber dem Busen dick mit Goldstoff verzierte Uebenleiver. ohne alle Taille und die Arme ganz freilassend. feie Putzsucht ist unbegrenzt bei ihnen; neun Zehntheile de^ Mitgift bestehn in Schmuck und Kleidung. Ich sah einen Brau«, schätz öffentlich lariren; solcher Neberkleider, aste in schwerer Seide und Gold, und ganz neu. wärest wenigstens zehn, unv dem entbrechend an Zahl und Pracht die Wämmser, Hemden. Tücher u. s. w. Trotz!diesem glän-. zenden Anstrich ist die jüdische Bevölkerung im Allgemei-. nen roh und schmutzig. Ich war in eine Synagoge (,S giebt deren hier 18), wo eS auffallend ruhitz und würdig herging; dann zu einer Bakmizwa mit arabischer Disputation, und zu der obenerwähnten Feierlichtkeit der Abschätzung deS BrautschatzeS. die vor dem Ober-Rabbiner und allen Arltesten geschieht. All dsese Feste und Gebräuche sind höchst eigenthümlich und orientalisch, und erinnern lebhaft an die Dar teUungen der Bibel und der altarabischen Dichter. DaS Sonderbarste ist aber das Geleite der Braut in daS HaoS deS DräustigamS. Die „Schaufch," d. h.' Diener deS OberrabbinerS dazu um 5 Uhr Mol-eniuiS rem Bettes ihre» elterlichen HaufeS saj die junge Brarft im rothseiholren mich in dem Hofe denen Kleide und rosa E<-leier. die Augestbrauen vergoldet, die Mtzhel der Wanzen braungefärbt unbeweglich und «tl «sttzoferg,schlag,nen Augen, wie ein Schlachtopfer, daß felfee-streich erwaret. An ihrer Sieite der RabdjM^ litten die Männer u it Laternen, oben auf der Gatt« die Frauen und Mäd den. Drei oDrtj vier Musiker fyidttn auf sonderbaren Znfirümeuten urofTie Melodieen und fangen gar kläglich dczu. In dcr Miflte deS HofeS war eine lange Tafel mit Backwerk und Hing.machtr.m, wohl zum sechsten Male nru bedeck«. Dann!G,betsonurln; der Rabbiner erhebt sich, Ue Braut wnd ^on zwei Männern in die Mitte genommen; sie küßt die! weinende Mutter und Schwestern, und ' erläßt unter einim ganz eigen- Ihümlichen gellenden Cckriin der Frauen!dal Hau-, der ganze Haufen der Gaste und Diener. Männer uijb Weiber nach. So gehl eS im Laternenschein durch jdie gewundenen Gaffen, biS zum Haufe deS Bräutigams. Dieser selbst aber ist nicht da. Unter erneutem Job^lschieien (daS auch auf der Straße nicht aufgehön batte) führt der Rabbiner die Braut in ein obere- Zimmer, däS schön geputzt ist; sie setzt sich auf den Divan und bleibt, ohne Laut und obne Bewegung da siven. auch keiner ihrer neuen Verwandte«; spricht, ein Wort mit ihr. Die Gä!ste entfernen sich obne allen Abschied, und vaS vermeintliche Freudenhaus ist in einem Ru so öde .und rodl, all gälte eS ein Begrabrriß. Bis vor Kurzem dauerten die Hochzeiten 14 Tage, unter Tanz und' Schmausen; dawar gewiß sehr schön, richtete aber oft die betreffende» Familien zü Grunds Der Oberrabbiner, Herr Weil, ist sehr aufmerksam gegeu mich, und seine noch junge Frau sehr liebenswürdig; ihr Hau-ist im landesüblichen Stdlh, pnd jo gehe ich sehr häußg hin und unterhalte mich von den Sitten und Zuständen de- Sande-. besonder- -bei dem schlechten Wetter seit einigen Tagen. Auch'der Hecretair de- ConfistoriumS, Herr Simon, ist mir sehr nützlich; ich war mit ihm neulich in nnem maurischen Kaseehause»- wo ich den berühmten „Sorbet" für 1 Sou da- Gla» trank, und braune Araber, in ihren langen weißen Burnus Siesta halten sah. Tr j 1 ' , ,1 . Die drei Mationen. . (Sprifrtwia.) | Seitdem ich daS Gymnasium hatte verlassen ryüffen, konnte ich auch kerne Studien mehr treiben. Es jgg! wie em verlorene- Paradies hinter mir; ich .legte alle diese Neigungen, all. di,S Wissen und. Fragen wie in pinen geheimen Schrein meine- Geiste-, um da all ein -verborgenes Kleinod zu ruhen. Aber ich mußte «inen Snttchluß fassen. Meinem Baker in seinem Geschäft zu helfen» war mir genommen, da , ihm dieseselbst durch den! Haß deS OberamrmanneS genommen war. Glücklicherweise konnte ich wich nach F. zu einem -Bruder meiner Mutiter „begeben, der, ein alter Junggeselle, mich freudig auf»ahm und in der Betreibung seine- LandeSproductengeftästjeL. initer. wie«. Freilich war seine Häudkichkrit eine li üfcfllige, und ich vermißte da- Glück deelterlichen HquseS tzar sehr^ aber da er wirklich Liebe zu mir faßte, nnd ich!ihp» bald wesentliche Dienste leisten konnte, blüb ich gern kei ihm.

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