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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 12 (1855) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
12 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 Qctnif6c zum Ausbruch sestgestellr — oQrin ich weigerte mich ernstlich, bis iL mich von der Stimmung selbst überzeugt. 3L nahm dabrr Abschied, die Kleivung eine- Polnischen Bauern an. und wandelte zu Kux von Torf zu Torf. -3ch kebrre in den Schenken ein, sprach, horte, gab Dinke. unk horchte aus ibre Eiwiberung. Aber wie bald fand ich mich enttäuscht. Ich gewährte überall, daß der polnische Bauer und Bürger noch gänzlich in Apathie und Srumpsstnn versunken war. und daß die preußische - Regierung andrerseits so vi«l Erleichterung verbreitet hatte, daß der Bürger und Bauer^ im polnischen Adligen viel, «ehr seinen Unterdrücker und übrrmüchigen Herrn erblickte, als einen Befreier, daß er-»ielmebr die lehren Reste des, polnischen Regiments wegwünschre. als dieseherbeifehnte. Ich erkannte, raß aus die Masse gar nicht ^u rechnen »Lrr, ja daß sie eber feindlich unS erttgegentreten würde, daß unsre Berechnung richtig, aber ibr Vordersatz falsch wäre. Da erschien mir mein Freund, da hallren feine letzten Worte in mir wieder. Ich wollte nicht Verderben bringen, ich wollte, nicht noch einen Versuch mißglücken sehen. ich sab ein. daß nicht die schwache Hand des Sterblich»». sondern allein die Vorsehung die rechte Zeit finden k-7tne." „Ich rrltr zu den Verbündeten zurück, upd legte ihnen Alledar. waS ich gefunden, 'erklärte offen, daß ich von diesem Werke zprückkräte. und warnte sie auS erregtem Herzen, fick un^ Dolen nicht in neues Unglück zu stürzen. Aber ich fand kein Gehör; wülhesd.stürmte man auf mich ein. nannte'mich Verräkber. schwang Dolch und Schwert gegen mich, so raß ich mich eilend-stüchren mußte. Ich wollte noch nicht weichen. Ich ging noch einmal auf Emission aus: diesmal setzte ick mich wirklich aus. anstatt zu horchen und zu errarhen. 'sprach ich an vielen Orten auffordernv und aufregend. Aber, meine Ueberzeugung wurde nur bestärkt. Wenige stimmten mir bei, die Mei» sten traten mir höhnisch und schimpfend entgegen,' von. vielen Orken mußte ich mich schnell und.heimlich, entier-' nen. um nicht ausgeliefert ru -werden.". ,,Da hielt ich mich nicht, länger zurück, ich kehrte Nach DariS zurück. Im Schvoße deS Cemirse legte jch Bericht ab. und gab dieselben Erklärungen. Aber dieselbe Verstocktheit traf, ich auch hier. Ich wurde alS Kngling er»' klart, wurde fchimpstich auSgestoß.n. man nannte mich einen Bänkelsänger, der vor dem Anblick des Schwertes stiebe. Tiefe Verzweiflung füllte meine Seele, denn ich fab' mid) beschimvft. teureren, und im Voraus. waS kommen würde. Ich vcrbarg mich m einem Winkel von Paris.. ..Bald gc'chab. was Sie aus den Zeitungen wissen werden...Tie Pnbünvten brachen los. ungewarnr, als schon vorder Einige auS ihrer Mitte durch Verräkber tenuneirt und gefangen worden. Polen machte sich lächer. lich vor' der Weliaeschichle — das tragischest, Ei,bi?. Einige Hundert wurden gerangen. In Krakau siegte der Aufstand einige Tage, sank aber schneit in Trümmer. Tod -^und Kerker war das LooS. rer Wahnsinnigen, die ebne Macht Weltmächte vernichten wollten." ..Ich baue nur den Ausgang abwarren wollen.. denn ich' fühlte langst, daß Europa tut mich verloren sei. Jetzt näherte ich mich meinem Freunde wieder. Er'nahm mich brüderlich.auf, tröstete mich, und gab mir aus seinen Er-, sparnissen die Mittel, nach ^Amerika überzufahren." ..Vor drei Monaten langte ich in Rew-Uork an. WaS ich vornehmen wollte? ES war sehr bald bestimmt. Ich wollte, so lange meine Mittel.vorhielten, da- Land durchstreifen, unh dann, wenn sie zu Ende, irgendwo als Tagelöhner mich verdingen. Mein Freund hat Recht gehabt, ich habe mir Alles verrorben; doch ich kann alle Tage ansongen mit dem. waS ich will. Arbeit und für sie ein kleines, geringstes Stück Brot, mehr will der Pole nicht mehr, und diese kann er überall finden. . . ." „Ich drang bis in diese Landschaft vor, ich wollte durch diesen Wald nach einer der jenseitigen Niederlassungen der sogen. Hinterwälder, renn meine Mittel find wirklich zu Ende, und die Aib.il muß angefangen werden. Der Sturm überraschte mich, ich kehrte in jene Hütte ein. die nun Asche ist. und stüchrere mit Euch in diese Erdhöhle. . . . So hak der Sturm mein Leben durchwühlt und niedergestürzt. so der Blitz meine letzte Hütte verbrannt, der Pole hak nur noch eine Erdhöhle zur Zuflucht. . . Dies war die Erzählung des Polen. 8. Der aufmerksame Zuhörer deS Polen ließ diesem Zeit, seinen Schmerz durchzufüblen. Aber nachdem dieser eine Viertelstunde sein Haupt auf seiner Brust' hatte ruhen lassen, hob er eS in die Höhe, und sprach mit einer gewissen Kälte: „Und Sie? erzählen Sie jetzt, wie Sie hierbergekommen!" Der Hausirer David räusperte sich und hob an. „Sie baben mich in große Kreise geführt, aus Schauplätze, wo Völker eine Rolle spielten und große Staaten wankten — bescheidner sind di, meinen. Ich habe Ihnen nichts zu erzählen, als waS in den vier Pfählen eines kleinen Hau- *- seS vorging — vielleicht interessirt rS Eie gar nicht, vielleicht sind Sie aber auch der Ansicht, daß, um einen Menschen als Helden zu stempeln, es nicht der Heere und Schlachten bedarf, sondern daß die Schlachten im Herzen di, schwersten für den Menschen sind. . . Wie dem sei, i<5* löse meine Verpflichtung. . . „Ich bin in N., einer kleinen baierschen Stadt, geboren. Mein Daker, ein Hopfenbandler, war ein sehr religiöser Mann, der streng aus" die Beobachtung der religiösen Vorschriften hielt, dabei harte er aber sich dennoch eine angemessene Zritbilkung angecignet, die deutschen Klassiker, gelesen und verstanden, und mit den Zeitverhältniffen .sich bekannt gemacht. Tie Leute sagte« von ihm: er sei oigemlich ein Hofmann. Acb, wie theurr ist mir sein Angedenken. wie gern gedenke ich der Tage der Kindheit, die unter der Obhut diese- Mannes und seiner würdigen Frau hinflossen, die obschon Stiefmutter, die außerordentlichste Liebe aus uns verwendete. Während wir eifrig zum Lernen bei jüdischen und christlichen Lehrern angehalien wurden, brachte die Ausübungder Ceremonieen. in welche mein Vater so vielen Schwung, so herzliche Weihe zu bringen .verstand, eine beständige Mannichsaltigkeit und Abwechslung in unser Leben, und verwandelte bald den Tempel zum Haus, bald das HauS zum Tempel." „Damals war es, wo auch in den deutschen Juden zuerst der Wunsch, die Sehnsucht nach bürgerlicher Gleichberechtigung, nach der Freiheit im Staate, soweit sie dem Bürger überhaupt zustebt, erwachte. Die französischen Heere hatten diese Gedanken auch in Deutschland verbrei-

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