Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 11 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Antwort. Wenn, fle sich wollen neben uns machen Gewölbe und Buben, Dann sag» »an: ..Die Keckheit von den vermessenen '— Juden!" Wenn sie kommen mabnen wie die Manichäer, Dann sagt man: „Dafind Blutigel, diese — Hebräer!" Wenn man ober von ihnen eine Anleihe will sich erbitten. Dann sagt manOTfinf liehen, herzigen Israeliten!" 2. (£in Scholet-Kravall in Prag. Ans der ..Lohemir." - Erschrecken Sie nick», so plötzlich in unserer friedlichen Stadt von einem Krawalle zu hören. . Die Sache nahm einen ganz friedlichen Lu-gang. so tumultuarisch fie sich auch angelaffen baden mochte.' es gab dabei keine anderen Salven aldie eineunauslöschlichen Gelächter-, und als einzig traurige Folge ergaben sich einige leere Prägen, welche- Resultat die kleinen wie die großen Unruhenimmer nach fich zu ziehen pfiegen. So viel zu Ihre» Beruhigung, jetzt zur Befriedigung Ihrer Neugierde, kenn, wenn mich nicht Alles täuscht, wissen Sie noch immer nicht, wa- Scholet bedeurtt. Ich könnte Ihnen mit einem Dorre sagen: Scholer ist die gewöhnliche Sabbatbspeise der orthodoren Juden, Sie würden aber damit eben nicht viel mehr alfrüher wissen. So will ich mich denn auf .ine gründlichere ^Erörterung «nlaffev. Sie wissen, daß der jüdische Ritu- Feuermach,n und Kochcn am Samstag verbietet; in der afrikanischen Wüste mochte diehingehen, man sehnt«fich unter der dortigen Glühsonn« eben nicht nach noch mehr Wärme. AIfie aber in kältere Klima», kamen,' mußten sie natürlich dies,- Verbot sebr empfindlich fühlen. Sie behalfen fich zuerst mit einem armseligen Surrogat, indem fie Freitagdie für den nächsten Tag bestimmten Speisen in woblausgepolster» Federbetten steckten. waS fie ziemlichlau erhielt, aber nicht besonders appetitlich machen konnte. Später kam ein großer Geist -— die undankbare Nachwelt hat seinen Namen nicht bewahrt — zw einem gesegneten Einfall. Ein Ofen wurde lüch. tig auSgebeizt/ und eine ansehnliche^Quanmät glühender Kohlen darin belassen, dann wurde der Topf mit den noch rohen'"Speisen biaeingestellr, die fich dann selbst "kochten, und wenn am Samstag Mittag die dichte Lebmbülle von der Olenthüre genommen wurde, fein gar und rvapm da«' standen. Daist -a- Sckolel — nebenbei bemerkt, setzt evielfachen Streit über die Etymologie dieses Wort:- ab. Einige wollen es Schollt schreiben und von chnuck lilberleitcn, was freilich an die ursprünglich damit vorgenommene Procedur erinnern würde, ich aber meine zur Ehrenrettung meiner Schreibart, daß eö stammverwanbtmit Sultan von Schollen — Herrscher — stammt, da es wirklich als König der Sabbathspeisen angesehen werden muß.*) Wie in der Gesellschaft herrscht auch bei dieser Speise das bunteste Gemisch. Ta ist der Plebs b'e, Erbsen und Graupen «Heils abgesondert. theilS untereinander ' *). Vsr zwei Jahre» standen in der Allg. ^eita. d. Zudevtb. einmal alle mögliche» Ableitnngeu de» Sorte« Sch-iit. Ser will, »ag fie dort Nachlese». Red. d. j. Lolttdl. veer mir denr schon minder plebejischen ReiS gemischt, und am einem lüchtigen Brocken Fett schmackhaft gemacht. Dann kommt alS solider Mittelstand der ,,Ganew," der seinen weltbekannten, freilich eben nicht auf Solivität de- Charakterhinteulenven Namen wohl nur darum erhalten, weil er ein wahrer Herzep-dieb für alle die, welche fich eines tüchtigen, kerngesunden Magenerfreuen, denn er besteht aus einem durch und durch von Fett durchdrungenen Trigklumpen. dessen Nahrhaftigkeit ein wohlgemästeter GanSrücken noch erhöht. Als- Spitze dieser kulinarischen I Gesellschaft erscheint die Kugel, die in ihrer streng abgeschlvssrnen runden Form alleinherrschend auf der Schüssel rhronr. — Begreisticher. Weise bildet da- „Scholetstellen" jedesmal eine Art Lotrerirspiel, da hier menschliche Klugheit weiter nichts vermag, und man geduldig dem Resultate entgegen sehen muß, ob e- „gerathen" sein wird, oder ..rob," oder aber auch „verbörrt" herauskommt. Diese orientalische Frage bildete schon lange vor der Belagerung von Sebastopol da- Kopfbrechen einer Unzahl von Köchinnen, und dürste es noch bilden, wenn die europäische Diplomatie die vier Punkte, und vielleicht noch 'einige mehr, längst erledigt haben wird. — Stellen Sie sich nun einige Hundert solcher stämmigen Mädchen, die brennend vor Ungeduld unv Neugierde de- Augenblickharren, wo ihnen das Geheimniß geoffenbarr werden" soll", ob ihre Herrschaft und fie etwas zu essen haben werden oder nicht, -und ob ihnen wiederum je nach dem Ausfall Lob oder herber Tadel zu Theil wird. Stellen Sie sich vor diese Menge lawinenartig anrvachsem.. weil fich jetzt auch eia Heer Neugieriger dazu gesellt bat, und immer mehr tobend und schreienb — die Mittagsstunde har bereitgeschlagen. ' und der verhängnißvo.lle Ofen ist noch immer nicht . offen — und Sie haben beiläufig ein Bltd von dem, waS fich am verfioffenen Samstag vor eine« der hiesigen Scholerhäuftr ereignete. Doch es sollte noch ärger kommen. Die frühere Pächterin, eine in ihrem Geschäftszweige sehr erfahrne Frau, ist gerade vorige Woche abgetreten und hatte einer neuen Unternehmerin Platz gemacht, die bei allem Eifer fie nicht ersetzte. Wie sollte rS auch möglich fein, daß fie wie ihre Vorgängerin jedem Topfe es »anriechenkonnte, wem er gehörte, wie man es jetzt beurllS im Gewühlt der daS alte Regime lobpreisenden Köckirui.n höre» kann. Es war nun ein Au-kunftümittel getroffen, die Töpfe wurden numerirt, und sollten so von den Eigenrhüm.rn erkannt werben. Ob fich daS. auch be. wäoren wird? Nun, damuß sich jetzt entscheiden, denn der große Augenblick der Eröffnung ist endlich gekommen. Wie sich das Alledrangt, wie die Bienen in einem überfüllten Stocke! Warum strömt aber die Menge wieber zurück, und waS bedeuten diese wilden Ruf« und Gesten? Entsetzen! die Nummern sind fast alle verwischt, und daS Erkennen ver Töpfe wegen ihrer großen Ähnlichkeit nicht möglich. So ein Topf ist aber auch, damit die Gneise fein warm bleibe, fest verklebt, und das auf's Gerathewohl ergreifen, beißt die Katze im Sacke kaufen. Das ^vsll »Niemand, jede will absolut daS Ihre, da fie am Ende noch für die Kehler Anderer verantwortlich gemacht werden könnte. Daher tausend komische Scenttt, die Ein« bemüht fich durch die hermetisch schließend« Lehmrinde hindurch — die nicht geöffnet werden darf, am wenigsten an freier Luft, wenn da- Essen genießbar bleiben soll — in der