Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 7 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tokaj 1× ep/1045849
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drängen lassen. Aber hin stnd die Labiaten und all' die schönen Orchideen, keinen Schmetterling klebst du fliegen, keinen Käfer hörst du sckwijren, Zugvögel durchziehen die Luft, um in wärmeren Gebenden zu verweilen. Nur dort in den Gebirgen flehst du noß einen kleinen grünen Strauch, mit knotigen Gelenken und -herzförmigen ruisden Blättern, mit wohlschmeckenden Früchten in. verschiedenen Reihen, in der grünten Orvnung neben einander. Gr hält seine Ranken fest an einem Slöchhen, schaut mit seinem Köpfchen, vielleicht wegen schwerer Sorge, zur Erde — du stehst die edle Traube der Hegyalja, die den berühmten Tokajer liefert. Gestern entschloß ich m ch einen Ausflug zu machen; von der lieben Jugend begle tet, erreichte ich bald das Gebirge. Die höchste Spitze des eiben sst erstiegen. Wir hatten bas schönste Wetter, die>Luft war heiter^ der Himmel blau, und welche AuSstcht? Dort schlängelt die Rongyva. ein Nebenflüßchen des Bovrsg,**) wild, ohn^e sich um ihr Ufer zu kümmern, sie kann stch nicht an Ordnung gewöhnen. Dort bewegt stch ein ^braunes Völkchen, mit feurigen lebhaften schwarzen Augpn, Füßchen unh Körbchen an den Händen tragend, in die, Weingärten eilend. Ganz in deiner Nähe klatscht ein munterer Knabe, mit blonden Locken, einen Tscherkeffenhut! auf dem Haupt«!, einen Gürtel um die Lenden, in die Hände; die Sinne der umstehenden sind so aufgeregt, daß Jung und Alt, «in heiteres, dabei aber melancholisches Lied, anstimntt. Äs-sind chasstoische Kinder, welche um da» Taglohn Trauben lesen und durch heitere- Wesen ih« Sorgen verscheuchen wollen. Dort steht ein Magyar, seinen Schnurrbart drehend, um die Arbeiter im Weingarten zum Fleiß aufzumuniern. Das Gebirge besteht vorzugsweise aus einfm bimssteinartigen Porphyr, es ist die» eine dichte Masse, enthaltend einzelne Kryftalle von Feldshach, Quarz. Granaten und Eisenkies. Die Porphyre erscheinen hierselbft meist verwittert und bedingen so die Fruchtbarkeit des Bodens. Quarzstücke findet man meistens in sechsseitigen Dovvelpyramiden, selbst edle Opale sind im Gebirge gefunden würden. Nachdem ich so manchen Stein mit meinem Hammer zerschlagen hatte, die herrlichsten Krystalle meinen Zöglingen gezeigt und ihnen gelehrt, wie so wunderbar, selbst in der tovten Natur im Mineralreiche, die Größe Gottes sich os» fenbgre, setzte ich meinen Spaziergaog fort und erreichte einen der schönern Weingärten der Gegend. I ES war Freitag Nachmittag. Eine Jüdin war im Weinhause (Dorhaz). Das HauS war ein höchst einfaches Bauwerk. übrigens ganz den Bedürfnissen gemä^ eingerichtet, stark genug, um Geräthschaften darin aufzuhängen, die Trauben auSzupreffen, den Wein zu keltern. Einige jüdische Mädchen mit schwarzem Haar und blauen Äugen waren emsig bemüht, Speise und Trank für den bevorstehenden Sabbathtag zu bereiten. Erwachsene und Minder waren thätig, die Trauben einzusammeln, bald wurde Halt gemacht. die Arbeiter entfernten sich; denn der Sabbath wollte ejnkehren. Auf eine« grünen Rasen, an einem sonnigen Abbange hatte ich Platz genommen, die schönsten und edelsten Trau den veö Gebirges ließ ich mir wohlschmecken, > die Sonne neigte sich, rings um das Gebirge war es stitl geworden. In diesem Augenblick zündet die Windin di!e Sabbathlichtchen an, unterdessen hatten sich mehrere Jftaeliten auS den benachbarten Weingärten auf einem Hügel eingefunden, das Ttt n^hvanzusttmmen. und noch nie wurde von mir der n?V feierlicher begrüßt. alS hier? in der ftpieni GotteSnatur. Ich trat meinen Rückzag in die Stahl an und versprach der freundNchen Jüdin, sobald als ithunlich zurückzukehren, ,*mB hielt Wort. — Du befindest dich heute zwischen zwei Städten Ujhely und Patak, erste« Hauptort vom Zempline» Comitat, letztere berühmt'durch ein. ungarischeprotestaytischeS Collegium, in einet GebirgSbucht. die nach Süvosten hin geöffnet ist. und siehst Reben auden verschiedenen Theile» der Welt Hierselbst angepflanzt. Soeben bringt der Eigenthümer de- Gartens zu mir Trauben, dessen Reben vom Carmelge^irg/e gebracht sind, dort steht eine Rebe vom Rhein, vow lieben deutschen Rhein, hierher verpflanzt., um desto üppiger auf fremdem Boyen zu gedeihen. Ein Sinnbild der deutsche» Gelehrsamkeit, die auf fremden Boven verpflanzt, erst dan» praktische Anwendung für daS Leben findet. Denke dir meine Freude, 'vor mir liege« Trauben, gezogen an Reben auS dem gelobten Lande gebracht, nebe» mir sind jüdische Gutspächker tbäkig, welchö durch. Landbau ihre Familie ernähren, ^ich floh mit meinen Gedanke»- in das gelobte Land auf die Berge unserer Bäter, und wenn du,willst. in die B^rge; denn du wirst schon gemerkt haben, daß ich den'Bergmann liebe und gern jede» Stein mit meinem Hammer zerschlage, um seine Krystallh die im Innern in Drusen liegen, zu betrachten. — So lobet denn wohl, ihr freundlichen Berge und auch du, mein lieber Leser: ehe wjr aber scheiden, bringe mit mir ein Hoch auauf die jüdischen Gut-Pächter und Gutsbesitzer* Bivat (Elien) der Landwirtschaft in Israel! . *) Da- Hegyalsaaebirge (oder die Tokajer Gorge) ist ein Ast der Karpathen. Die Kette de« Hegyalja zieht von Epories in gerader Linie südlich bis Tokaj. **) Der Bodrog mündet bei Tokaj in die Th Der ewige Jude. (Line wahre Anekdote.) . | Herr R. in der russischen Handelsstadt £). am schwarzen Meere, war ein wohlhabender Kaufmann und genoß auch ziemliche- Ansehen in der Gemeinde. Ich weiß nicht, ob durch mißglückte Spekulationen seine Geschäfte in Unordnung gerierhen und ihn zu diesem Schotte bewogen, oder ein anderer Grund vorhanden war — er faßte eines Tageden Entschluß, zur griechisch-katholischen Kirche Überzugehen und wählte sich zum Taufpaihen -U- Se. Majestät den Kaiser aller Reußen? Nikolaus I. Alle Welt war in /Erwartung, wie die Antwort des Kaisers au-fallen würde. Die Antwort (am, und lautete bezeichnend genug: „daß besagter Täufling sich Zeit seines Lebens an keiner Kirche im.gesammten russtschen Reiche taufen lassen dürfe." Diehvar zwar ein GewaltauSspruch, der stark in die Rechte der Kirche eingriff. bei einem russischen Imperator aber in seiner Eigenschaft alS Caeaar Poniifex schon zu begreifen ist.