Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 7 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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2V und der große. Geist gebt Euch herrliche Wälder und mach« tige Ströme, daß unser Statnm daran aufivachfe von Neuem und sich ausbreite zu neuer Herrschaft.-Also thuet, mich aber lastet hier zurück; denn ich will nicht weichen von den Statten, wo meine Väter und meine Söhne im langen Schlafe sitzen." f . ,,'Llso spraL der Greis. Wohl Erhoben sich viele Stimmen dagegen, unv die jungen Krieger, darunter mein Vater, murrelen. Aber zu viele waren da, die ihre Kinder und Krauen in dem blutigen Kampfe verloren, und auf der Seite des Greises standen. Und es geschah so. Unser Stamm schloß einen Vertrag ab mit dem Barer der Weißen im Morgen. Biele Opfer wurden gebracht, viele Gesänge angestimml, viele Reigen getanzt. Jever vergrub elwaS Lheures in den Gründen, der einen Skalp, Jener einen Speer, der Ändere einen ReiherbusL. EineS Morgens aber zogen ste Alle ab. in langen Reiben, gegen Abend zu, auf weiter Wanderung. Wir hatten kein Anrecht mehr auf die Jagdgrünve unserer Ahnen. Wir Hallen nur noch die Luft, die wir alhmeten. Wir waren Flüchtlinge." ..Aber der Flüchtling bat kein Glücke Sein Arm ist zerschnitten, Venn er hat NichlS mehr zu verkheidigen. Sein' Fuß hebt sich nur zum Fliehen. Wo er weile, ist ibm gleichgültig. Darum fürchtet er sich vor dem Fallen des welken Blattes; darum entweicht er vor dem KriegSgeschrei fremder Stämme; vor ihm scheuet stch der Büffel nicht, kaum daß der Hirsch ihn erblickt und davon eilt." „Meine Väter waren von oen Weißen überlistet. Wohin diese ste gewiesen, das war ein steiniges Hügelland, wo nur selten das dürre GraS vom Fuße ves Hirsches niederqetreken ward; die Wälder rauschten dort nicht, unv' via Bäche quollen nicht. Und in den Schluchten wohnten die wiloen Stämme der Irokesen, die mit Niemandem verkehren, utiD Jeglichem Feind sind, im Dunkel der Nacht übelfallen unv am Lichte ves Tage-.die Leiber der Ge», sallenrn verzehren. Unser Stamm war ein Schößling, der weder Erve noch Waster hat. Dort fielen Einige vor Hunger, dort Andere unter der Streitarh. der Feindes Kaum waren einige Jahre dabingegangen, so trennten sich die Meisten, unv verließen sich auf allen Pfaden: Wre man mir gesagt, sieht man hier und da noch einen entarteten Sohn keS EhippewaierstammeS. Wir aber' blieben. Meig Vater sammelte die Reste veS Stammeum sich, zog sich ln eine ferne Strecke zwischen zwei Ströme zurück. hiH, sorgsam Wacht gegen Freund und Feind. So verlebten wir noch glückliche Jahre, in denen unser Antlitz nur gefurcht ward durch die Schmerzen der Erinnerung.. Mein Vater stakb. Meine Brüver wählten mich zu ihrem Häuptling. Ich harte eia Weib, ich hatte Kinder." „ES war eine dunkle Nacht. Die Sonne war blurigrolh hinter die Steinhüg,l gesunken. Der Strom war geschwollen, und trieb brausend seine vollen Gewässer. Der Sturer hatte sich -ausgemacht und jagte über die Ebene. Wir hatten unS längst zurückgezogen in unsere Wigwams. Ich ruhete auf meinem Lager. Der Schlummer batte meine Augen mir.seinem Netze bedeckt. Ich sah und hörte Nicht-. Plötzlich schreck' ich auf. Ein Wmhqebeul und ein Jammerruf tönt ganz nahe durch die Luft. Flammenschein bricht wie feurige -Mvrgenrörhe herein. Ich spring' auf, ergreife mein Tomahawk, meine Büchse. Ich stürze heraus. mein Weib, mein« Kinder folgen mir. Da wimmelte die Nacht von heulenden Irokesen; ste haben uns überfallen in der Hturmnacht; sie haben Feuer geworfen in die WigwamS der Schlafenden, und der Wind trieb die Flamme mit Macht durch die Gaffe. Hier ein kämpfender Ehippewaier, den die Uebermachk erdrückt; dort Fliehende, denen die Unholde ven Weg verrennen. Ich schäume vor Wulh; ich stürze hinein in den dichtesten Knäuel; ich breche eine Bahn; noch fühle ich Weib unv Kinder hinter mir. Da hör' ich einen Schrei, eS war der Todesschrei meines Wei- . bes, durchbohrt vom Messer -eines Irokesen. Ich strecke ihn l nieder; ich reiße meinen ältesten Sohn an mich. Eine j Schaar Feinde hat di, übrigen schon ergriffen. Da stürz' ich mich mit meinem Knaben in ven Schatten eines Wigwams: glücklich gelange ich auS der Gasse. Wenige Schritte unv wir waren gerettet. Ich lasse den Kampfplatz hinter mir, denn es war Alles verloren; eile nach dem Strome, reiße ein Kanoe loS, stürze mich unv meinen Sohn hinein, uns durchschneide den Strom. Aber die Fluth war stärker als ich. Bald hat sie mein Fahrzeug im Wirbel herumgeriffen, da stößt ein Baumstamm, der daherschwamm, auf das Kanoe und stürzt eS um. Ich lasse das Ruder fahren, und greife nach meinem Sohn. Ich fino' ihn nicht; schon fernab hör' ich noch seinen Hülseruf. Ich eile nach, er ist von dannen. In der Verzweiflung will ich sterben. Aber der Strom ist mächtiger als ich; die Fluth reißt mich dahin unv wirft mich bewußtlos bei einer Wendung an'S Ufer.. . „Am Morgen erwach' ich. Ich verberge mich in einer Höhle. Am dritten Tage treibt mich meine ohnmächtige Wulh nach unferm Dorfe zurück. ES war.nicht mehr. Ein Schutthaufen, die und da rauchende Brander, hie und da Ueberreste halbverbrannter, entstellter Leichen, dies war übrig. Ich suchte nach meinem Weibe, meinen Kindern; ich-fand sie nicht. Ich konnte sie nicht einmal bestatten. Es war ein große- Grab. Ich saß viele Tage auf den Trümmern, aber die Geier, die sich vom Aase meiner Freunde ätzten, konnte ich nicht vertreiben. Da beschloß ich, hierher zu ziehen; in die Gründe meiner Ahnen, zu den Gräbern meiner Väter. Der Greis hat Lügen gesprochen. Sterben muß man auf dem Gründe seines Stammes. In der Ferne ist keig Glück-ich bin der Letzte der Chippewaier. . . ." Der Pole seufzte. Der Indianer aber senkte VaS Haupt zwischen die Knieen, zog die Decke über den Kopf, und verstummte. Der Pole seufzte, und der Indianer verstummte. Aber der Sturm ging draußen seinen mächtigen Gang durch die Wipfel der Bäume, und Kronen und Aeste krachten unter seinen Schritten. Die Flamme schlug von Zeit zu Zeit jach auf. Die Höhle dröhnte fast vom Sturme. Die Drei schwiegen eine lange Zeit. . . . <8«n<eunfl foiflt.) Die jüdischen Weinberasbesttzer im Hegyaljagrbirge (Tokaier). Boa I. Rosenmeyer in S. a. Ujhely. DaS Hezyaljagebirge') winkt mir so freundlich,^ieHerbstlust ist so mild unv angenehm, daß ich glauben möchte, der Sommer mit feiner üppigen Flora wolle sich nicht ver-