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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 6 (1855) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
6 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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S8 i Feuer. . . Aber sein Wehklagen hatte Heine Zuhörer «ehr. Der Kramer und Indianer waren eiligst in dal Blockhaus gegangen, und bäld trat der Erstehe mit seine« großen Bündel am Nacken,^der Andere mit'seiner Jagdtasche wieder heraus. Der Baum stand jetz^ im vollsten Klammenbrand und in Kurzem mußte' esich entscheiden, wohin er seine glühende Krone legen werde. . . . Jetzt mitten durch daS Knistern ein Stöhnen, ein 'Brechen und Krachen; der Baum senkte sich allmalig, langsam, dann schnell und unaufhaltsam, ecke Funkenwolke umhüllte seinen Sturz. . als diese sich verzogen, stand auch daS Hau» in vollen Flammen, in welches der Baum, nachdem er das morsche Dach eingefchlagen, tief hineingesunken. Die drei Menschen hatten sich vom brennenden Hause zurückgezogen. Durch dm Wald hakte sich wieder volles Dunkel gebreitet; die Flamme der Blockhütte beleuchtete nur den Kranz von Bäumen, der eS an seiner Nordseite umgab. Der Abend war vollendhereingebpochrn. Wie gesagt, Sturm, Nacht und das brennende Harts waren die drei Genossen des Indianer-, des Europäer- und des KrLmers David.! „WaS nun beginnen?" frug der Europäer. „Ich bin noch zu wenig verttaul mit diesen Wäldern, um einen Rath zu wissen." — „Wir werden hier campiren müssen, -iS der Tag angebrochen ugv der Sturm sich gelegt." — „Hier, auf dem morastigen Boden, wo kaum eine Flamme brennen wird?" — „Ich weiß nichtiAnderes." erwiderte der Krämer, und wandte sich zum schweigsamen Indianer.' „Meine Brüder, mögen mir folgen; ich will Steine wnßrn Brüder führen." — „Weiß denn mein rother! Brudä hier Bescheid?" erwiderte der Haustrer.— „Diesd Wälder waren einst die Jagdgründe meines Stammes, bevor die weißen Brüder ihn nach deyi fernen Westen gewiesen. In den Erzählungen unserer Greise kommt dieser Gntnd oft vor, denn hier haben meine Bäter viele Schlachten geschlagen. Zeder Hügel war ein Zeuge ihrer Thgten. Auch war ich schon zweimal hier, um /ie Traber der Ahnen zu besuchen, und ihnen ein Opfer zu bringen. Meine Brüder mögen folgen." Und er wandte sich deck Walde zu. Schon war der Haufirer im ^Begriff, ihm nachzugehen, als der Europäer ihn am Arm ergriff und ihm zuflüsterte: „Dürfen wir dem Indianer trauen? wohin' will er uns bringen?" — „Zu irgeod einer natürlichen Zufluchtsstätte. Folgen wir ihm dreist. Er ist, wie ich ebei der- Flamme gesehen, von dem Stamme der Ehippewaier, und dieser bedient sich nur der List, wenn er die Art de- KriegeauSgegraben hat. Wir sind ja auch zu zweien, und eS bleibt unS wirklich nicht» weiter übrig, wollen wir nicht hier umkommen." Der Indianer hatte schon den Rand de» Waldeerreicht, und drohte schnell verschwunden zu sein. Eiligst folgte ihm daher der Lkrämer, und ddzu entschloß sich auch der Europäer. Zum Glück zögerte der Indianer noch eine kurze Zeit, wie um sich noch einmal zu ortentiren, und so erreichten sie ihn wieder, bevior er sich in die Schatten d«S Walde» verloren. S. Eine Viertelstunde wäre» die Drei mühselig durch da« Dickicht gedrungen; jeder Schritt onchte de« schlüpfrig«, Boden und dem dornigen Gesträuch abgermgen werden; jetzt standen fie am Fuße eines Hügels; «bei der Indianer wandte sich um denselben herum in di, Rinne eine« kleinen Baches. Einige fünfzig Schritte watete er in derselben weiter; dann blieb er stehen, und sein „Hug!".gab seinen Gefährten zu erkennen, daß ste an Ort und Stelle seien. Mit seinem Tomahawk hatte er bald einige Sträucher weggeräumt, und nun zeigte sich ihneff der bequeme Eingang zu einer geräumigen Höhle. Nachdem sie eingettrlen, hatte der Indianer bald Feuer angtzündet, einige Holzstücke audem Wald« -geholt, und bei b«m Scheine der Flammi. konnten fie ihre neue Herberge seicht überschauen. ES war eine hohe, trockne Höhle, 'die schon früher. zu gleichem Zwecke benützt worden sein mußte. Denn außerdem, - daß sich noch einig,'Überreste von Asche und Kohlen, ja von Knochen, >«n Zeugen früherer, hier gehaltener Mahlzeiten, vorfandew, sah mag, daß in der Höhle der Natur durch Menschenhände nachgebolsrn, worben, so daß sie geräumiger geworden. Die drei Pilger machten eS sich bequem. Der Krämer holte auS seinem Bündel einige Matte»,- die er für sich und seins Gefährten auSbreiltte. Auch zeigte es sich, daß er außer seinem Bündel auch »och einen Quersack mit stch führe, der einige Speisevorräthe und eine Flasche guten JamaikarumS enthielt; gastfreundlich theilte er mit von dem, was er hatte, seine Genossen langten zu. die Flasche kreiste, und — man befand sich bald ganz behaglich. t Es war noch zu früh am Tage, um schon der Ruhe zu pflegen, und die drei Männer, die sich hier seit kaum einer Stunde zusammengefunven und sich so bereitwillig bzigestanvtn, fühlten in sich daö Verlangen — näher zu erfahren, wer die Theilnehme^r ihre- Schicksal- und dieser stürmischen, nächtlichen Stunde seien. Der Indianer und Europäer standen' stch'zu fern^ aber unser Krämer war ein bequemes Mittelglied zwischen ihnen, der von beiden Naturen genügende Kenntniß batte. Er wandte ff-' zu dem Indianer, und sprach: „Ich Hab, wohl richtig gesehen, als ich in meinem Bruder bei -d^m Lichte de» brennenden BaumS einen Häuptling deS' edlen Stammes der Ehippewaier erkannte?"— „Mein Bruder bat richtig gesehen . . ckar die Antwort. „Und darf ich fragen, wer Sie find, mein Herr? Gott hat un» auf so eigfnrhümltche Weife hier zusammengeführy als daß wir versäumen sollten, und näher kennen zu lernen." — „Ich, «nein Herr, bin — ein Pole, der seit, mehren Monaten Europa verlassen, weil daselbst kein Baterland.imehr zu finde»'. . . Und Sie?" — „Auch ich bin in Europa geboren, aber wandere schon seit fünfzehn Iahten durch die Wälder Amerika'-. Ich stamme au- Deutschland, bin ein Baier, und noch mehr, ich bin ein Jude — und, wie Sie sehe», ein hausirender Krämer. - Die Drei schwiegen; der Indianer, denn er hatte Nichtdavon verstanden, und da- Fragen P nicht Sache jener wilden Nalürkinder; die beipen Anderen, denn ste fühlten stch von einer seltsamen Wehmuth ergriffen, da ste nun wußten, weß Stammesie Laren. Der Krämer begann: „Der Srutm ist moch^ zu stark, aldaß er unschon zu schlafen gestatte. Erzählen wir unS. waS unS hier z^fammengeführl. DaS Herz de- Menschen wird leichter, wenn «S stch seine- Gesuchtdurch da- Wort entledigt hat.... ." — „Hug!" antworte«« der Indianer. — „ES sei!" erwiderte der Pole.

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