Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 6 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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LS wie der Gluthstro« aueinem Backofen. Fast wurde das Sehen dadurch noch mühsamer als vorher, und der Schweiß rieselte, de» Haustier von der Stirn, unv die Brust keuchte ihm unter der Last. Dennoch eilte er unablässig, als ob er jetzt noch «ehr und nähere Befahren fürchtete. Glücklicherweise wurde' jetzt der Wald etwadünner, der Boden fester, der Pfad sichtlicher. Bald, und er trat auf eine Lichtung hinaus, die er rüstig zu durchschreiten begann, Jetzt konnte er den Himmel wieder sehen, den ihm meist das dichte Walddach verdeckt hatte. Er war schwär; wie das dichteste Gewand der Nacht, und am Horizonte fubreiz schon gelbe Blitze der. Die Lichtung war zurückzelegt. unv er brauchte den" Wald nicht wieder zu betreten, denn dicht an den Rann desselben lehn« sich ein kleines Blockhaus. Aber bevor er es erreicht hatte, sah er^Lrchtglanz oder K.uerfchein durch die Spalten dringen. Er hielt an. „Wie? ist die verlassene Hütte bewohnt? Over hat schon vor mir Wer diesen Zufluchtsort erreicht? . -. . Wer mag rieö fein? . . . Wis bad' ich' zu fürchten?" Er schlich rin wenk^f um die Hütte herum, konnte aber keine Oeffaung finden, die ihm einen genügenden Blick in das Innere gestattet batte. „Ich habe keine Wahl, ich muß hinein, und Gott wird mich schützen. ... Zn solchem Wett-r bade ich Jaguar unv Lamm ruhig neben einander -kf$tn sehen. Wo ÄorleS Majestät in die furchtbarsten Schrecken fich kleidet, werden Menschen nicht mörderische Hänvr gegen einander'eibeben. . . Er öffnete schnell die Thüre, und schlüpfte' bin,in: - - Als er bineingekreien, stand er einen Augenblick still, und warf einen schnellen, prüfenden Blick auf die. welche vor idm die Hütte in Besttz genommen. Zn der Mine des sttaumeS brannte rin lustiges Feuer, und zwei Ge. stallen halten fich zu beiden Seilen desselben niedergelassen. Sie saßen auf dem Hoden, das Geficht einander zuzewandt, aber das Feue> zwischen^sthnen. Der Eine hatte fich platt auf den Boden gesetzk.^nachdem er eine Art Mantel darüber "gebreitet. Seine'B ine streckten sich längs deS Feuers hin, und fein Oberkörper war nach , vorn gebeugt. Der andre aber saß auf der Erde, die Knie in die Höhe auf die Brust gezogen, und eine Flinte lag quer über den Knieen. indem er eine Hand an den Kolben', die andre an den Laus gelegt; -inveß sein Gegenpart in der einen - Faust eine Pistole, in der andern ein Stück Brot hielt, von dem er-Aß. Der Haufirer brauchte nur kurze Zeit, um den bockenden Mann mit-der Flinte für einen Indianer., den andern als einen Europäer zu erkennen. Er faßte schnell, daß Beide nicht (u einander gehörten, sondern zufällig vier in der Hüne eine gemeinsame Zuflucht gefunden, daß Beide, nrchr feindlich gegen einander gesinnt waren, aber', sich auch nichk traueren. Unter, diesen Umstanden sah er kein« Gefahr für fich. rasch trat .er zum Feuer, nickte den Beiden, die ihren Blick auf ibn gerichtet, offenherzig zu. warf sein Bündel hinter sich, und sich selbst an der dritten Seite deS Feuers nieder. . . . Draußen rollie der Donner immer heftiger; hier innen lagen die drei Menschen um oaS Feuer unvschwiegen. .. . "2. Himmel und Erde schienen in Flammen zu stehen. Durchs die R'ffe und Spalten dee Blockhütte fuhr der schwefelgelbe Schein immerwährend herein, und erhellte den vom Feuer nur spärlich durchleuchtete« Raum. Bei dem schweren Hall des Donners erzitterten und ächzten die Balken und Sparren, die längst nicht mehr genau in einander paßten. Der Indianer rührte sich nicht, der Kurvpan aß sorglos weiter, der Kramer hatte seine triefende Zacke auSgezogrn, und hielt sie gegen daS Feuer gebreitet. WaS fürchtet der, welcher schon Dieleertragen? Er ist an Schrecken gewöhnt, und denkt mitten während dersel. ben an die nächsten Bedsirfttiffe. wenn jene vorübergegangen sein werben. Plötzlich erdröhnte die Erde von einem furchtbaren Schlage; es war, als wenn der Boden in die Höbe hüpfe; das HauS wankte, als ob es im nächsten Augenblick« zusammenfallen würde. Sogleich nach dem Schlage ein furchtbare- Zischen, das die Luft eisenfcharf durchschnitt: ein Dröhnen, dawie mit unsichtbarer Geisterhand die Männer ergriff und auf den Boden warf, und die brennenden Holzscheite der Ftamme auseinanderschleuverte. Die Hütte war innen unv außen plötzlich mit dem heilsten, schwefelgelben Lichte umgeben. Dann ein Autkniftern, als ob eine ungeheure Lohe funkensprühend gen Himmel fahre. Unser Kramer erholte sich schnell, sprang auf und eilte zur Hütte; hinaus, denn er glaubte sie vom Blitze getroffen. Dennoch ' fand er den Indianer mir Flinte unv Beil in den Händen schoir draußen; bald gesellte fich auch der Europäer ' zu ihnen. Der Strahl war an der Hütte vorübergegangen; aber er halte in einen der nächsten Baume deS WaldeS geschlagen, der in vollen Flammen stanv, daß die Säule schlängelnd zur nachrvunkeln Höhe stieg. Dem Indianer , entschlüpfte bei diesem Anblick nur ein halblautes „Hug!" Der . Europäer schien sich deS Anblicks sogar zu freuen, denn er war majestätisch schön. Aber der Haufirer rief: „Um Gottkswillen! unsre Hütte, unsre Zuflucht in dies^ [ Schreckensnacht, isi in Gefahr; der Baum wird bald in fernem Stamm verbrannt sein, und dann aus daS Dach der Hütte niederstürzen! . . ." Der Indianer erwiderte sein „Huq!" und nickte mit dem Kopfe. Der Europäer begriff j die Worte des Krämers, und rief: „WaS ist zu thun? . . "! Jetzt erhob fich der Sturm von Neuem, daS Gewitter ^war vorüber. Er wühlte in den brennenden Baum, und trieb große Garben von Funken im Wirbel umher, daß; sie bald rief in den Wald fuhren und fein dichtes Dunkel > wie mit Slernenheeren durchleuchteten, bald gegen die Hütte zogen und sich auf die Bretter als auf willkommene Nahrung nieverließen. Ein kurzer Regenschauer, der die Flamme nicht dämpfte, sondern nur zischen und knistern ließ. Dann wieder heulender Sturm. „WaS ist zu thun4 rief der Europ.äer ouS „Nichts können wir rhun!" lautete die Antwort. „Vermöchten wir Etwa-, so würden Sie den Indianer schon dabei sehen. Wir haben höchstens Gott zu bitten, daß der Wald sich nicht entzünden möge, denn sonst könnte uns bei der Wulh deS Sturmes leicht jeder Ausgang von den Flammen versperrt werden. Wie es nun steht, wäre-eS sogar das Beste, der Baum falle auf die Hütte, statt in den Wald, in die Umarmung seiner Brüder hinein, denen er den Tod brächte. . . Der Indianer ließ zum dritten Male sein „Hug!" hören, als ob er sage: „Mein Bruder hat Verstand." — „Aber wo dann hin in dieser Nacht?" sprach der Europäer. „Bei diesem Sturm, dm öfteren Regengüssen keinen ttocknen Flecken Erde, kein Dach, kein