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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 6 (1855) · p. Seite 24

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
6 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Ein würdiges Vorbild. <i« mag nid>t überflüssig fein, den Lesern de« ,,Bolks- Slattes" rin Muster von wahrhaft seltener Thätigkeit eine« einzigen Gemeindemirgliebe« zum Wöhle seiner Gemeinde »»rzufübren, »nv während Schreiber Dies«« stch überzeugt hält, daß die verehrten Leser jener vielseitigen Thätigkeit ^-^shre Bewunderung nicht versagen werden, will er seinerseits mit diesen Zeilen einen Zmmortellenkranz winden, »ha aus da« Grab de« Freunde« und de« hochverehrten * Glaubensbruder« legen. . Zn der Nacht vom 22. zum 23. Sept., also-nach Ausgang de« hochheiligen Bersöbnung-tage«, qn welchem der Zfroelir gesühnt und entsündigt zurück in« irdische, oder hinaus in« himmlische Leben trin, starb Herr Ealomvn f Nass, Mitglied der hiesigen Gemeinde. CT hatte noch nicht da- 42ste Lebensjahr ganz erreicht, und dennoch erstreckte stch fenjc gemeinnützige Thätigkeit nach folgenden Seiten hin: er war 1) Vorsteher de« Mäunerkrankenvtteia«, 2) Vorsteher de« VrennmarenalienverrinS, 3) Vorsteher de« Beervigungsverein«, 4) Vorsteher und Begründer der neuen Statuten de« AussteuervereinS, 5) Commisstonsmirgliev de« Hospitalbaue«. 6) EommisfionSmitglied de« Gemeindevorstanve« (Vorstandsmitglied selbst zu werden untersagte ihm der letzte Wille seine« Vater«), 7) Eomiteemirglied zur Renovation der hiesigen Altertbümer (bei der Aufnahme der Epitaphien war er da« einzige Mitglied de« Eomiree'S, der mich am häufigsten auf den Friedhof begleitete und mannichfach hierbei unterstützte) und 8) versah er, wenn au$ nicht nominell, das Sekretariat bei dem Frauenkrankenverein. Ich könnte viel über seine tadellose Reellirät al« Geschäftsmann, seine beständigen KriedenSbestrebungen a(S Gemeindemitglird, feine au-geftrrochene Toleranz für rationelle Bestrebungen auf religiösem Gebiete, die um so preiswürdiger erscheinen muß, al« er selbst im strengsten Sinne orthodor war. über seine öffentliche und mehr noch geheime Wohlthätigkeit, über seinen trefflichen Charakter al« Mensch, Bürger und Freund, ja gar viel könnte-ick über ihn binzufügeu; allein e« ist eben nur jene allseitige THLngkeü für Gemeindewobl, die ich dem Leser bezeichnen wollte, und welcher der Derbli- 'chene mit seltener und bewunderung-würdiger Au-dauer und Hingebung sich widmete, und aiS-^iozige« Beispiel zur Bezeichnung seiner Hingebung mag genügen, wenn ich mijtbeile, daß er noch am 19. ejusck., also 4 Tage vor feinem Tode, obgleich sehr schwach und inmitten de« äkrankbeik-verlausals Mitglied de- Beerdigung-vereineine Leich, bis an das Grab begleitete und tm Trauerhause VaS übliche Geber vvrbetend verrichtete!— Die allgemeine Achtung seiner GlaubenSgenoffen gab sich auch bei seiner Beerdigung auf mannichsacke Weise kund. Der Herr Rabbiner verlieh ihm zum ehrenvollen Andenken den nan. Titel *), der Unterzeichnete hielt an seinem Grabe, vermöge der disficilen, rituellen Vorschrift, daß in den Zwischrntagen zwischen den ttra znr kein tcoti zu halten fei, nicht ein« Trauer-, sondern eine Lobrede, in welchem Sinne *) Der norddeutsche Leser beachte, daß hier t« Süden der ISN-Titel nur eintgerwaßeR-Gelehrte« «rcheilt wir». er in der Lctrswim-^reretd-Predigl noch einmal über die Verdienste de« Verstorbenen gesprochen; sämwtliche Läden der israelitischen Kaujieule blieben geschloffen; den schönsten TribD der Liebe brachte ihm jedoch die ganze Gemeinde dadurch, daß sie am Grabe den Entschluß faßte, den Hospitalbau ernstlich in Angriff zu nehmen; noch «intgen Tagen circulirte eine Liste, und schon betragen die Zeichnungen, über 4000 Kl. — Noch sei bemerkt, daß jeder Anwesende eine Hand voll Erde aust Grab schüttete, und Niemand sich entfernte, bi«, die letzte Kreundschafshand die letzte Gabe dem unvergeßlichen Freunde darreichte. — Seine Asche ruhe im Frieden, seine Seele sei eingeflochten im Bunde de« ewigen Leben«, stin Geist weile im Reiche ewiger Freude! rb"ab p'TS -er. Dr. 8. Lewysohn in Wonn«. Anfragen und Antworten. 93. Von Rabb. S. in B. Wir haben hier am verflossenen 77'-! mehrere Lieder au« Zbrem Gesangbüchkein,*) sowohl am Vorabend, -al« auch beim Morgengottesdienst in der Synagoge singen lassen, und ich kann Zbnen nicht genug beschreiben, welchen erhebenden Eindruck die« gemacht bar. E« ist nur bedauert worben, daß nicht jede« Gemeindeglied das Gesangbüchlein zur Hand haben konnte, und die« veranlaßt mich zu der Anftage, ob nicht dasselbe auch ohne die Melodieen, aber um einen ganz billigen Prei« zu haben ist? Wenn dieses geschähe, und zwar könnte bedungen werden, daß zu je zehn Eremploren doch auch eine« mit den Melodiken genommen werden müßte, dann würde sich Ihr Buch gewiß so allgemein verbreiten, daß der Verleger auch den billigsten Brei« noch mit Nutzen gestatten könnte. In der hiesigen Schule werden wir diesen Winter über sämmtliche Gesangs-einstudiren lassen; und ich werde in meinem ganzen Bezirke hierauf hinwirken; es ist aber zu wünschen, daß aud) alle erwachsenen Gemeindeglieder da« Buch zur Hand nehmen, wo« nur geschehen kann, wenn ein geringer Kaufpreis bewilligt wird. Sind fie vielleicht so gefällig, die« zu veranlassen? Antwort. Allerdings kann ein Gesang nur dann die beabfichngle Wirkung haben, wenn die versammelten Gemeindemirglieder den Trrt vor Augen haben. E« kommt hinzu, daß der besondere Zweck bei Herausgabe gerade einer nicht großen Zahl Melodiken und dazu paffender Terte war: Die Gemeinde soll bei der öfteren Wiederholung, derselben Melodiken, auch ohne gesang-kundig zu sein, fie mir dem Chore singen lernen, we-balb eben die Melodieen - nur zweistimmig gesetzt blieben, da bei vierstimmigem Gesang die« schwieriger ist. Allein in diesem Augenblick kann der Wunsch de« geschätzten Collegen nicht erfüllt werden, da die Melodieen zu der ganzen Auflage mitgedruckt find. Sobald eine zweite Auflage nötbig geworden, soll eine Anzahl Eremplare ohne die Melodieen abgezogen werden. *) Kleines Israel. Gefangb.. enth. deutsche Lieder u. Melobieen zu den hohe» Festen, zur Todtenfeter. Lonfirmatiou. Trauung, Synagoaenwethe tu zu vaterländischen Feste». Leipzig. Barungärtnet. 9 Agr. (auf 10 Eppl. eins frei). verantwortlicher Redacteur: St. Rabe. StrUg 6jflagirtKtr'l SmAtaRMnaj im 8ri»|ig. — Cfutf m »ltxaadee Died» ln Ktiptifl.

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